Stimme+
Heilbronn

Nach Kampf um Kneipenstatus erleichtert

   | 
Lesezeit  2 Min
Erfolgreich kopiert!

Wirte eines Heilbronner Pubs durften trotz Konzession als Speisewirtschaft und vieler Umbaumaßnahmen im Lokal zunächst nicht öffnen. Nach längerem Hin und Her dürfen sie es jetzt zu ihrer Freude doch.

von Carsten Friese
Haben für ihr Lokal Jack"s Angel Pub als Corona-Schutz in Eigenbau Trennwände für Theke und Tresen gezimmert: Thomas und Andrea Engel. Dreieinhalb Tage hat der Gastwirt an den Konstruktionen aus Holz und Kunststoff gearbeitet.  Foto: Mario Berger
Haben für ihr Lokal Jack"s Angel Pub als Corona-Schutz in Eigenbau Trennwände für Theke und Tresen gezimmert: Thomas und Andrea Engel. Dreieinhalb Tage hat der Gastwirt an den Konstruktionen aus Holz und Kunststoff gearbeitet. Foto: Mario Berger  Foto: Berger, Mario

Für das Wirte-Ehepaar Andrea und Thomas Engel war es ein intensiver Kampf. Ab Montag, 18. Mai, dürfen Speisewirtschaften nach der langen Corona-Zwangspause wieder öffnen. Hieß es vom Land. Die Betreiber von Jack's Angel Pub in Heilbronn haben sich mächtig ins Zeug gelegt, zur Sicherheit von Personal und Gästen hat Thomas Engel reihenweise Trennwände an der Theke und an den großen Tischen mit dem Weinfass-Sockel gezimmert.

Sie haben eine Konzession der Stadt von November 2018, in der ihr Lokal als "Schank- und Speisewirtschaft" sowie Raucherkneipe deklariert ist. Rund 600 Euro haben sie in die Materialien und nötigen Desinfektionsmittel investiert. Und dann das.

Gastwirte-Paar fühlte sich ungerecht behandelt

Als Andrea Engel vom Ordnungsamt der Stadt vor gut einer Woche erfuhr, dass sie trotz Konzession nicht öffnen dürfe, war sie entsetzt. "Ich war zerstört", sagt auch Ehemann Thomas, nachdem er gut dreieinhalb Tage Arbeit in den Sicherheitsschutz investiert hat. Im Innenraum sind bemerkenswerte Konstruktionen entstanden, kleine Kabinen am Tresen mit Trennschutz in Kopfhöhe, Trennwände zur Theke, Vierer-Holzrahmen mit Trennschutz an den Tischen, an denen man sich im unteren Bereich noch zuprosten kann. Ungerecht behandelt fühlten sich die Engels, da sie ja die erforderliche Speisewirtschaft-Konzession haben.

Sie forsteten sämtliche Passagen im Internet durch, hakten bei der Stadt nach den Gründen nach. Deren Vorgabe, in einer Speisewirtschaft müsse der klare Schwerpunkt auf der Abgabe von Speisen liegen, fanden sie nirgends in der Verordnung. Auch der Gaststätten-Verband Dehoga verstand das Vorgehen nicht und schaltete sich ein.

Ein weiterer, unten offener Trennschutz für Gäste an einem Vierer-Tisch. Foto: Mario Berger
Ein weiterer, unten offener Trennschutz für Gäste an einem Vierer-Tisch. Foto: Mario Berger  Foto: Berger, Mario

In der Raucherkneipe gibt es nur kalte Speisen

Speisen gibt es im Jack's Angel Pub, aber in einer Raucherkneipe eben nur kalte. Wurstsalat, Vesperteller mit Brot, Wurst und Käse, Käsewürfel, Landjäger, Rauchfleisch- und Käsebrote oder eine Gemüsebeilage haben die Engels auf der Karte. Wo ist da eine Grenze zu einer Speisewirtschaft?

Stadt verweist auf geänderte Auslegungshinweise

Jetzt sind die Engels erleichtert. Am Donnerstag erhielten sie aus dem Rathaus die Nachricht, dass sie doch öffnen dürfen. Die Stadt änderte ihre Einstufung. "Auslegungshinweise zu der Verordnung ändern sich in der momentanen Lage manchmal täglich", stellt Rathaussprecherin Suse Bucher-Pinell auf Anfrage fest. Die Stadt sei an die Rechtsverordnungen des Landes gebunden. Der Pub dürfe nun "auf Basis der Konzession als Schank- und Speisewirtschaft öffnen - Stand 15. Mai", hieß es am Freitag.

In der amtlichen Konzession steht, dass der Pub auch eine Speisewirtschaft ist. Foto: Mario Berger
In der amtlichen Konzession steht, dass der Pub auch eine Speisewirtschaft ist. Foto: Mario Berger  Foto: Berger, Mario

Riesenlast fällt nach dem Signal für eine Wiedereröffnung ab.

Die Engels sind erleichtert. "Da fällt eine Riesenlast ab", sagt der Gastwirt. Jede weitere Woche ohne Einnahmen wäre schwierig geworden. Jetzt kehrt die Zuversicht zurück mit dem Gefühl, dass sich der Einsatz gelohnt hat.

Am Montag machen sie auf. Und freuen sich, dass es endlich wieder losgeht und sie ihre Stammgäste wiedersehen. Thomas Engel geht mit einem guten Gefühl in die Zeit nach dem Zwangsstopp. Er erhielt schon Anrufe von anderen Gastwirten, wie er den Trennschutz Marke Eigenbau genau umgesetzt hat. Seine Gäste und sich sieht er ausreichend geschützt im Lokal: "Mehr Schutz kann ich gar nicht machen."

Definition Speisewirtschaft

Die Stadt schreibt: Nach Auslegung des Wirtschaftsministeriums sind als Speisewirtschaften die Gaststätten anzusehen, "die eine Erlaubnis zum Betrieb einer Speisewirtschaft" oder eine entsprechende Gewerbeanzeige haben. Nicht darunter fallen reine Schankwirtschaften, Shisha-Bars, Clubs, Discos und Kneipen, unabhängig davon, ob in Innenräumen oder draußen bewirtet wird. Diese müssten weiter geschlossen bleiben (Ausnahme: Abhol- und Lieferdienste).


Mehr zum Thema

Die baden-württembergische Landesregierung erlaubt der Gastronomie im Land vom 18. Mai an schrittweise die  Öffnung zu erlauben. Foto: dpa
Stimme+
Region
Hinzugefügt. Zur Merkliste Lesezeichen setzen

Gastro-Neustart unter erschwerten Bedingungen


Kommentare öffnen
Nach oben  Nach oben