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Mitarbeiter des öffentlichen Dienstes streiken erneut in Heilbronn

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Seit 6 Uhr an diesem Montagmorgen streiken Mitarbeiter des öffentlichen Dienstes wieder. Betroffen sind Zulassungsstellen und Recyclinghöfe in der Stadt. Sieben Kindertagesstätten in Heilbronn bleiben geschlossen.

von Annika Heffter

Mitarbeiter aus vielen Bereichen des öffentlichen Dienstes streiken am Montag und Dienstag weiter. Die Arbeitgeber hatten am Freitag ein Angebot bekanntgegeben, nach dem die Beschäftigten 3,5 Prozent mehr Lohn in drei Jahresetappen bekommen würden. Gefordert hatten die Gewerkschaften eine Lohnerhöhung von 4,8 Prozent.

Konkrete Auswirkungen haben die Warnstreiks auf Kindertagesstätten in Heilbronn und Neckarsulm, von denen einige geschlossen bleiben. Nach Angaben von Verdi-Bezirksgeschäftsführerin Katharina Kaupp sind zudem Zulassungsstellen und Recyclinghöfe in der Stadt betroffen.

Das Landratsamt Heilbronn bestätigt das: „Die Zulassungsstellen sind geschlossen, es werden nur Terminkunden bedient“, sagt ein Sprecher. „Heute haben rund 300 städtische Beschäftigte am Streik teilgenommen, darunter vor allem Beschäftigte des Betriebsamtes und der Kindertageseinrichtungen. Sieben städtische Kitas blieben aus diesem Grund geschlossen, die Eltern waren informiert", heißt es in einem Statement der Stadt Heilbronn.

 


 

Die Kundgebungen am Montag sind auf verschiedene Zeitpunkte und Orte verteilt, um trotz der Corona-Einschränkungen möglichst viele Streikende mit Masken und Abstand zusammenzubekommen. Bis zu 300 Menschen dürfen nach Absprache mit dem Ordnungsamt jeweils auf den Platz vor dem Food Court, 250 waren in der Austraße erlaubt. Zum Start um 6 Uhr trafen sich nach Verdi-Informationen etwa 200 Mitarbeiter des Heilbronner Betriebsamts zur Kundgebung in der Austraße, um 7.30 Uhr waren rund 120 Beschäftigte der HNVG, Deponie, Stadtwerke Heilbronn und des Theaters vor dem Frankenstadion beim Food Court am Zug. Mitarbeiter der Heilbronner Ämter, inklusive Kitas, und der Stadt Weinsberg haben um 9 Uhr vor dem Food Court in der Badstraße gestreikt.

„Applaus ist schön, aber reicht nicht aus“, ruft Verdi-Landesbezirksleiter Martin Gross den geschätzt 250 Streikenden bei der 9-Uhr-Kundgebung von der Bühne aus zu.

Banner, Klatschen und Verdi-Flaggen sind wieder mit dabei, obwohl es vor dem Frankenstadion kaum Passanten gibt, die den Warnstreik aktiv mitbekommen.

Seit Ende letzter Woche liegt ein Angebot der Arbeitgeber von Bund und Kommunen vor: 3,5 Prozent mehr Lohn für die etwa 2,5 Millionen Beschäftigten im öffentlichen Dienst in drei Jahresschritten. Den Gewerkschaften reicht das nicht: Sie hatten eine Lohnerhöhung von 4,8 Prozent gefordert, mindestens aber 150 Euro mehr im Monat. „Das Angebot der Arbeitgeber ist ein Witz“, sagt Streik-Teilnehmerin Ute Reiner.

Betroffene Eltern haben derzeit wenig Verständnis

Für die Kinderbetreuung gibt es zum Teil Notgruppen, andere Kitas bleiben geschlossen. „Es gibt eher Unterstützung als Unverständnis bei den Eltern", erzählt Carmen Schönau, Erzieherin und Teil der Leitung einer Kita in Heilbronn. Die Eltern hätten durchaus gesehen, „wie viel wir in den letzten Monaten geleistet haben".

Dass Kitas erneut betroffen sind, finden nicht alle gut. „Von den Eltern ist niemand wirklich begeistert“, sagt Christian Harst, ein Mitglied des Neckarsulmer Elternbeirats. In der Corona-Zeit treffe die Schließung der Kitas „die Schwächsten“: Kinder, die unter den Einschränkungen und vielen strengen Corona-Regeln sowieso schon leiden würden. „Ja, Erzieherinnen sind unterbezahlt und ja, es gibt einen Mangel an Fachkräften in diesem Bereich“, betont Harst. 

Allein der Zeitpunkt für die Streiks sei schlecht, die Tarifverhandlungen hätten wegen der schwierigen Corona-Situation auf nächstes Jahr verschoben werden sollen. „Die Verhältnismäßigkeit stimmt nicht“, sagt der Elternbeirat. Auf der einen Seite gebe es die Familien, die von den Streiks hart getroffen würden und nun schnell umplanen müssten, auf der anderen Seite die Gewerkschaft, die wisse, dass sie in dieser Phase besonders viel Druck ausüben kann.

Tatsächlich war zwischen öffentlichen Arbeitgebern und den Gewerkschaften verhandelt worden, ob die Tarifverhandlungen ins Frühjahr 2021 verschoben werden können. „Wir hätten gerne die Tarifrunde in das Frühjahr verlegt, gegen einen kurzen Tarifvertrag ohne Streiks, aber das wollten die Arbeitgeber nicht“, sagt Katharina Kaupp.

Weitere Streik-Aktionen in der Region geplant

Um 10.30 Uhr fand die Kundgebung der Kreissparkasse Heilbronn, ebenfalls am Food Court, statt. Die Städte Neckarsulm, Bad Friedrichshall, Leingarten und das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt haben um 14 Uhr auf dem Marktplatz in Neckarsulm gestreikt. Am Dienstag ist die restliche Region dran: Dann legen zum Beispiel Mitarbeiter von Kitas in Gundelsheim, Mosbach, Wertheim, Schwäbisch Hall und Kupferzell die Arbeit nieder. In Tauberbischofsheim und Crailsheim sind neben den Kitas auch die Krankenhäuser betroffen.

Ab Mittwoch werden zudem Mitarbeiter der Werkstatt des Verkehrsbetriebes der Stadtwerke Heilbronn streiken. Der Fahrdienst ist nicht betroffen. 

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