Mehr als 2000 Menschen besuchen Heilbronner Bürgerempfang
Oberbürgermeister Harry Mergel sprach in der Harmonie von einer kontinuierlichen Weiterentwicklung der Stadt. Auch TV-Star Eckart von Hirschhausen war zu Gast und servierte Humor und Nachdenkliches.

Heilbronn lebt - und wie. Der Bürgerempfang der Stadt mit mehr als 2000 gutgelaunten Menschen in der Festhalle Harmonie war am gestrigen Dreikönigstag nachhaltiger Beleg dafür, wie sehr sich Heilbronn dank der Bundesgartenschau in der Innen- und Außendarstellung in positivem Sinn verändert hat. Entsprechend groß war bei den Besuchern die Erwartungshaltung an diese gesellige Veranstaltung.
"Ich erwarte gute neue Informationen über die Stadtentwicklung und beste Unterhaltung", sagte Andreas Mayer. Der 56-jährige Neckargartacher war einer der ersten im Foyer. "Ich freue mich auf die Ausführungen des OB, wie er den Buga-Schwung in das Jahr 2020 mitnehmen will", zeigte sich Renate Gamm (61) gespannt. Die Frankenbacherin war zum ersten Mal bei einem Bürgerempfang. "Schöne Gespräche, Erheiterung und ein wenig Lachen" erwartete Gisela Mercinac (72) aus Biberach. Sie wurden wie all die anderen Bürger in den gut zwei Stunden nicht enttäuscht.
OB Mergel: Investitionen in die Bildung sollen den Wirtschaftsstandort Heilbronn sichern
"Die Entwicklung der Stadt wird nach der Buga weitergehen", rief Oberbürgermeister Harry Mergel den Heilbronnern im Theodor-Heuss-Saal zu. Die Brücke beim Hauptbahnhof ist für ihn ein "wichtiges Symbol für ein neues Mobilitätsverständnis". Investitionen in Bildung und Wissenschaft sichern seinen Worten zufolge den Wirtschaftsstandort Heilbronn.
Zu den Verkehrsproblemen merkte Harry Mergel an: "Verbesserungen wird es erst geben, wenn sich das Mobilitätsverhalten der Menschen verändert." Für das Frühjahr kündigte er ein neues Klimaschutzkonzept an. Beim Thema Wohnbau sagte er: "Wir schauen, dass die Qualität stimmt, aber wir schauen auch, dass sich jeder in Heilbronn eine bezahlbare Wohnung leisten kann."
Im Frühjahr kommt ein neues Klimaschutzkonzept

In bester TV-Form präsentierte sich der Arzt und Moderator Eckart von Hirschhausen. Sein Thema "So wird 2020 - Ihr gesündestes, glücklichstes und nachhaltigstes Jahr". Der gebürtige Frankfurter kalauerte in bestem Sinne und brachte die Menschen zum Lachen, indem er sie immer wieder in seine Sketche einband. Im Verlauf seines sehr lockeren Auftritts setzte er so mache kluge Pointe wie "Eigentlich bin ich ganz anders, nur komme ich so selten dazu".
Kritische Worte an die Adresse der Politik
Von Hirschhausen zeigte sich aber auch von seiner ernsten Seite und hinterließ dabei viele nachhaltige Eindrücke. Die Politiker mahnte er, das Klima nicht weiter kaputtzumachen: "Wer scheißt schon in sein eigenes Wohnzimmer und lässt aber die Erde vor die Hunde gehen?" Und mit Blick auf die ärmsten Länder fragte er: "Mit welchem Recht verschanzen wir uns hinter unserem Wohlstand?"
Stellvertretend für die Buga-Freunde ehrte OB Mergel deren Vorsitzenden. Hartmut Weimann versicherte dabei, das "große bürgerschaftliche Engagement" in die Zukunft zu tragen: "Den "Garten der Heilbronner und die Heilbronner Stunde wird es weiter geben."
Mit der Botschaft, "dass Kinder eine Zukunft haben", regten vier Sternsinger vom Münster Peter und Paul zum Reflektieren an. Als sie OB Mergel den Segen spendeten, brandete Applaus auf, und als sie das Lied "Gloria in excelsis Deo" anstimmten, summten viele Menschen mit.
Klinikclowns berichten von ihrer belastenden Arbeit
Nachdenklichkeit kam auf, als die Klinikclowns Tanja Landes und Martina Spröhnle über ihre seelisch nicht einfache Arbeit in der SLK-Onkologie und Palliativpflege im Interview mit von Hirschhausen sprachen. Ihre Stärke: "Wir tragen uns in schweren Momenten gegenseitig."
Wie immer ein Genuss war der Auftritt von Mundartmonika. Die Band mit Timo Mühlbacher, Robert Wanek, Christian Schmierer und Maximilian Knörzer schaffte mit ihrer Musik den Spagat zwischen Gesangskunst und unterhaltsamer Bühnenshow, vor allem beim Abschlusslied "Kein schöner Land".
"Es war anregend und lehrreich. Hirschhausens Humor war nicht belehrend, sondern hatte viele ernste Hintergründe", lautete die Erkenntnis des ehemaligen Heilbronner Dekans Otto Friedrich. Das Fazit von Jörg Grote lautete knapp: "Super, kurzweilig." Als der Bad Friedrichshaller dies sagte, stand von Hirschhausen umdrängt von seinen Fans im Foyer und signierte seine Bücher. Mehr als eine Stunde nahm er sich dafür Zeit und hatte immer ein humorvoll-tiefsinniges Wort parat.
- Eckart von Hirschhausen im Interview: "Die Politik braucht mehr Wissenschaft"


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Kommentare
Gerd Hofmann am 07.01.2020 12:12 Uhr
Warum finde ich darüber keine Angaben im Text?
am 07.01.2020 04:56 Uhr
Freier Eintritt, Fernsehstar, gutes Musikprogramm, eine sich in der Berichterstattung überschlagende Presse, Harry Mergel versteht es brilliant den Schwung und vor Allem die Marketinginstrumente der BUGA mit ins neue Jahr mitzunehmen. Tolle Wahlkampfveranstaltung auf Kosten des Steuerzahlers, oder wurde die Sause von einem Gönner bezahlt?
Herr Friedel: Kam denn der Hirschhausen kostenlos? Mit diesem Namen hätte das ja auch eine schöne Benefizveranstaltung geben können. Schade, dass der eigentlich gute Ansatz eines Bürgerempfangs im Rahmen eines Unterhaltungsprogrammes stattfinden muss.
Es bleiben Fragen offen. Immerhin wissen wir jetzt aus erster Hand, dass wir unser Klima retten indem wir zukünftig auf das Auto verzichten.
Jürgen Mosthaf
Peter Henschel am 07.01.2020 10:44 Uhr
Wir werden zukünftig noch mehr solche PR-Veranstaltungen erleben. Das ist die neue Art von Politik, um uns Bürger bzw. Leser alles verdaulicher zu machen, zumindestens oberflächlich. Dies trifft vor allem auch auf die hier so hoch gelobte Wissenschaft zu! Politisiert und kommerzialisiert! Dazu kommt noch der Mainstream. Eine mehr als problematische Gemengenlage, welche unsere Demokratie zunehmend untergräbt, wie man aktuell erleben kann.