Stimme+
Region
Zur Merkliste Lesezeichen setzen

Maßgebliche Weinführer sehen Württemberg auf gutem Weg

   | 
Lesezeit  3 Min
Erfolgreich kopiert!

Pünktlich zum Weihnachtsfest erscheinen wieder wichtige Weinführer. Wie heimische Güter und Genossenschaften abschneiden, zeigt Stimme.de exklusiv in der Wengerter-Hitparade fürs Heilbronner Land und Hohenlohe.

Wir wollen das geflügelte Wort vom "Wein achten an Weihnachten" nicht überstrapazieren. Aber unter vielen Christbäumen werden sich auch dieses Jahr wieder auffällig viele Weinflaschen finden, manche sind schon im Advent eingetrudelt: Wie sie wohl schmecken? Zu welchem Anlass sie passen? Und überhaupt: Wie sind die Produzenten einzuordnen? Bei Fragen wie diesen wollen Prämierungen und Wettbewerbe weiterhelfen.

Doch selbst erfahrene Feinschmecker fühlen sich oft überfordert. Überall kleben Gold, Silber und Bronze, in Prospekten ist von Ehrenpreisen und Weingurus die Rede. Wer blickt bei so viel Lorbeeren und Lametta noch durch? Was als Orientierungshilfe gedacht ist, sorgt zusehends für Verwirrung. Die Heilbronner Stimme versucht, Klarheit zu schaffen: durch regelmäßige Berichte, durch Tabellen und Hitparaden. Pünktlich zum Fest der Feste soll sich zeigen, wie Württemberg in den maßgeblichen Weinführern abschneidet, zumal Verbraucher auch hier Gefahr laufen, daneben zu greifen. Denn es gibt immer mehr sogenannte Guides.

Messlatte für Top-Winzer

Für die Winzer selbst sind die Führer Leistungsbarometer und Motivationsspritze. Manche Betriebe reichen aber bewusst keine Flaschen ein, obwohl sie sich nicht verstecken müssten. Genossenschaften werden leider insgesamt unterbewertet. Manche Führer verlangen Anstellungsgebühren, andere nicht. Unterschiedliche Bewertungen zeigen, dass vieles relativ ist, trotzdem liegen die Kritiker gerade in der Spitze meist nahe beieinander. Schön zu sehen: Insgesamt werden Württemberger Weine und ihre - oft jungen - Macher im Vergleich zu früher zunehmend positiv und konstruktiv besprochen.

 

Der Gault Millau erscheint leider nicht mehr regelmäßig.
Der Gault Millau erscheint leider nicht mehr regelmäßig.  Foto: Alternativer Fotograf

Gault Millau: Der legendäre Gault Millau, der vor allem in Frankreich zum Mythos geworden war, galt lange auch in der deutschen Weinszene als wichtigste Messlatte. Inzwischen hat er sein Konzept geändert, setzt auf einzelne Regionalführer, die auch kulinarische und touristische Tipps geben, sowie auf die breite Streuung der Inhalte über allerhand Burda-Medien. Aktuell ist etwa das Buch "Die besten Weine Deutschlands" erschienen, das neben 150 Top-Tropfen aber nur Porträts von zehn Top-Winzern enthält.

Wie Otto Geisel, der dort den Hut aufhat, der Stimme erklärt, wird der nächste Führer für Baden und Württemberg erst nächstes Jahr erscheinen. "Er steht oben auf der Liste, nicht nur weil es unser erster war", sondern weil "The Länd" auch inhaltlich viel hergebe. Die Gault-Millau-Trauben in der Wengerter-Hitparade der Stimme beziehen sich also auf den noch gültigen Guide 2021.

Gault Millau Weinguide Deutschland, Baden & Württemberg 2021, 229 Güter, 1690 Weine, 220 Reisetipps, Burda Media, 382 Seiten, 16,90 Euro

 

Vinum ist drauf und dran, dem Gault Millau den Rang abzulaufen.
Vinum ist drauf und dran, dem Gault Millau den Rang abzulaufen.  Foto: Alternativer Fotograf

Vinum: Der Weinguide von Vinum ist drauf und dran, dem Gault den Rang abzulaufen. Er stimmt ein Loblied auf Lemberger an: "Der Wettbewerb unter den besten Lemberger-Produzenten führt die Sorte in immer neue Höhen. Mit ihren feinsten Vertretern kann die im 19. Jahrhundert vom Donauraum nach Württemberg eingewanderte Rebe hier mittlerweile sogar die Spätburgunder übertreffen." Die Qualität sei im vergangenen Jahrzehnt mehr aufgeblüht als in der gesamten rund 170-jährigen Geschichte in Deutschland.

Aber auch von internationalen roten Sorten, oft im Cuvée, gebe es beeindruckende Abfüllungen. Nicht zu vergessen sei die Rosé-Kompetenz im Trocken-Bereich. Dabei habe Schwaben auch historisch gesehen "eine Quelle für etwas kraftvollere, roséfarbene Weine": den Schiller. Die Spezialität aus gemeinsam an- und ausgebauten weißen und roten Trauben sei leider fast in Vergessenheit oder in qualitative Belanglosigkeit geraten - "bis auf wenige Ausnahmen". Ein weiterer Trend sei jener hin zum klassischen Riesling Kabinett im rheinisch-moselanischen Stil, leicht, restsüß mit knackiger Säure.

Vinum Weinguide 2022, 1000 Güter, 10 300 Weine, Spezial: Gastregion Südtirol, Intervinum-Verlag, 1114 Seiten, 35 Euro

 

Eichelmann liefert viele Infos, viele Details und geht in die Tiefe.
Eichelmann liefert viele Infos, viele Details und geht in die Tiefe.  Foto: Alternativer Fotograf

Eichelmann: Der in Heidelberg wohnende Franke Gerhard Eichelmann ist ein gescheiter, akribischer und solider Beobachter. Mit vielen Detail- und Hintergrund-Infos stellt er über 100 Güter und Genossenschaften aus dem Schwabenland vor, verliert sich im Einleitungskapitel aber in einzelnen Weinen und Winzern und vernachlässigt Aussagen zum Ganzen.

Klar zu erkennen: Württemberg wird auch bei ihm Jahr für Jahr besser. Schön, dass er und sein Team die vielen Jungwinzer gut im Blick behalten. Auch Eichelmann lobt die hohe Lemberger- und zunehmend auch die Spätburgunder-Kompetenz. Sein Fazit: "Tolle Weine aus Württemberg - und da dies außerhalb der Region nach wie vor kaum registriert wird, sind viele der Spitzenweine im bundesweiten Vergleich moderat kalkuliert."

Gerhard Eichelmann 2022: Eichelmann Deutschlands Weine, 935 Weingüter, 10 400 Weine, Mondo Verlag, 1220 Seiten, 35 Euro

 

Falstaff ist oberflächlich, lückenhaft und punktet sehr großzügig.
Falstaff ist oberflächlich, lückenhaft und punktet sehr großzügig.  Foto: Alternativer Fotograf

Falstaff: Unter den Überschriften "Dynamik und Vielfalt" sowie "Liebe auf den zweiten Blick" widmet der Falstaff-Führer Württemberg ein sympathisches Kapitel. Es ist - etwas lückenhaft und persönlich gefärbt - von dem im Remstal wohnenden Berliner Thomas Curtius verfasst. Kein Wunder, dass er, wie Vinum-Kritiker Frank Kämmer, vor allem Betriebe vor der eigenen Haustür wahrnimmt. Oder liegt das daran, dass die Remstäler tatsächlich besser sind als Unterländer und Hohenloher?

Das Einleitungskapitel im Falstaff geht trotzdem runter wie ein richtig toller Trollinger: "Wer jenseits der Landesgrenzen an Württemberg denkt, dem kommen noch immer meist eher Auto- und Maschinenbau in den Sinn als Spitzenweine. Dabei hat sich die Landschaft zwischen Kocher, Alb und Bodensee längst zu einer der spannendsten deutschen Weinregionen gemausert. Mit einer ganz eigenen Dynamik und Vielfalt."

Falstaff Wein Guide 2022: 550 Weingüter, 4500 Weinempfehlungen, 250 Gasthäuser in den Weinregionen, 724 Seiten, 19,90 Euro

 

Weitere Betriebe

Für unsere Tabelle qualifizierten sich nur Betriebe aus Hohenlohe und Heilbronner Land mit mindestens einer Gault-Millau-Traube. Immerhin eine Erwähnung in anderen Führern finden unter anderem Erich Hirth, Gruber (Obersulm), Albrecht-Kiessling, Albrecht-Gurrath, Springer, Rolf Heinrich,Alexander Bauer (alle Heilbronn), Winkler (Brackenheim), Weinreuter (Leingarten), Schropp (Erlenbach), Holzapfel und Berthold (beide Neckarsulm), Dieroff (Öhringen), Weihbrecht (Bretzfeld) Ingelfinger Fass, Keil (Pfedelbach), Schäfer und Waldbüßer (Kleinbottwar) oder etwa Häussermann (Sternenfels).

 

 

 

 
Kommentare öffnen
Nach oben  Nach oben