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Heilbronn

Angeklagter Masseur gesteht vor Gericht Sexualstraftaten

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Am Montag (16.01.) ist vor dem Landgericht Heilbronn der Prozess gegen einen 62-jährigen Masseur aus Bad Friedrichshall gestartet. Die Staatsanwaltschaft legt dem Beschuldigten 13 Sexual-Straftaten zur Last. Der Beschuldigte ging immer ähnlich vor.

Die Liste der einzelnen Anklagepunkte ist lang. Wiederholt soll sich ein inzwischen 62 Jahre alter Masseur an Kundinnen sexuell vergangen haben. In sechs Fällen soll er mit dem Finger in ihre Scheide eingedrungen sein. Das erfüllt den Tatbestand einer Vergewaltigung. Dabei soll der Masseur, der in Bad Friedrichshall, in Heilbronn, Sindelfingen, Donaueschingen und Crailsheim Behandlungsräume hatte, die Frauen stets überrumpelt haben. Für diese seien die sexuellen Übergriffe völlig überraschend passiert, sagt Staatsanwältin Katrin Sartorius.

Die Taten erfolgten ihr zufolge „allein aus sexuellen Motiven heraus“. Das Berühren und Massieren beispielsweise von Schamlippen, After und Brust seien zu Behandlungszwecken nicht erforderlich gewesen. „Das war dem Angeklagten auch voll bewusst.“

Gelernter Schlosser wird Masseur

Der Masseur (62) stammt aus Kasachstan, ist seit 1980 verheiratet und hat fünf Söhne. Er kam 1990 nach Deutschland und besitzt die deutsche Staatsangehörigkeit. Er lässt seinen Verteidiger Hans Steffan eine Erklärung verlesen. Er ist gelernter Schlosser. 2008 ließ er sich zum Masseur fortbilden. Anschließend machte er sich selbstständig. „Dem Angeklagten tut es leid“, liest Steffan vor. „Er möchte die Geschädigten und seine Familie, insbesondere seine Ehefrau um Verzeihung bitten.“ 

Von den 13 Taten verhandelt das Gericht zwei Vorfälle vor mehr als zehn Jahren nicht. Diese betreffen ein zwölfjähriges Mädchen. Der Beschuldigte soll das Kind von hinten an der Brust gepackt und hochgehoben haben. Ein Verhalten, das an der Grenze sei, sagt der Vorsitzende Richter Thomas Berkner, und vom Gericht letztlich als unbedeutend eingestuft wird. Sein Mandant gestehe die ihm vorgeworfenen Taten vollumfänglich, sagt Verteidiger Steffan.

Gegenwehr der Frauen blieb wirkungslos

Wie aus der Anklageschrift hervorgeht, habe beispielsweise in einem Fall eine Patientin gänzlich entkleidet auf der Behandlungsliege gelegen, als der Angeklagte mit dem Finger in sie eingedrungen sei, schildert Sartorius. Die Patientin sei im ersten Moment wie gelähmt gewesen. „Geschockt.“ Dann habe sie die Behandlung abgebrochen. In einem anderen Fall soll eine 19-Jährige nicht damit gerechnet haben, dass er mit dem Finger ihre Vagina massierte. Obwohl sie sich wehrte und Nein sagte, so Sartorius, „hielt der Masseur mit körperlicher Gewalt“ der Abwehr der Frau stand.

Die betroffenen Kundinnen verließen oft zitternd, manche weinten, überstürzt die Praxis, so die Anklage. „Er hat nie vorher gesagt, was er macht, er hat nie um Erlaubnis gefragt.“ Meistens gab er ihnen einen Behandlungstermin spät am Abend, wenn sonst keiner mehr in der Praxis war. Auch habe er den Frauen im Vorfeld gesagt, sie müssten nichts zahlen.

Die Beteiligten treffen vor der Hauptverhandlung eine Absprache

Richter Thomas Berkner liest die polizeilichen Vernehmungsprotokolle der Frauen vor. Sie müssen nicht vor Gericht aussagen. Das ist Teil einer Verfahrensverständigung. Richter, Staatsanwaltschaft, Angeklagter und Verteidigung haben vor der Hauptverhandlung eine Absprache getroffen. Das Geständnis des 62-Jährigen ermöglicht es, auf Aussagen von Opfern zu verzichten. Der Beschuldigte stellt nach Angaben seines Anwalts außerdem 30.000 Euro zur Verfügung. Das Geld soll an die Frauen als Entschädigung ausbezahlt werden.

Den Mann erwartet demnach eine Haftstrafe um die sechs Jahre. Er ist einschlägig vorbestraft. 2019 verhängte das Gericht eine Strafe wegen sexueller Belästigung gegen ihn, wobei diese Tat nicht in den Massageräumen passierte. Das Gericht will außerdem ein mehrjähriges Berufsverbot prüfen. „Er wird nicht mehr als Masseur tätig sein“, kündigt Verteidiger Steffan an. ​

Eine ehemalige Mitarbeiterin gab gegenüber der Polizei an, dass der Angeklagte sie bei einer Behandlung in der Pause überraschend auf den Mund geküsst habe. Sie sei sofort gegangen. Ein Klaps auf den Po - das sei nichts Ungewöhnliches gewesen. Der Masseur sei ihrer Meinung nach der Ansicht gewesen, "alle Frauen stehen auf ihn". Behandlungen seien ihrer Einschätzung nach, immer mit dem Einverständnis der Patientinnen vorgenommen worden.

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