Mangelware Viehfutter

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Folgen der Trockenheit: Gras wächst seit Wochen nicht mehr, die Maisernte schrumpft. Eine Ausnahmeregelung hilft manchen Bauern in der Region, die schlimmsten Folgen abzuwenden.

Von Reto Bosch
Rainer Riedel füttert in Lehrensteinsfeld seine Milchkühe. Er kann auf große Anbauflächen zurückgreifen. Fotos: Dennis Mugler
Rainer Riedel füttert in Lehrensteinsfeld seine Milchkühe. Er kann auf große Anbauflächen zurückgreifen. Fotos: Dennis Mugler  Foto: Mugler, Dennis

Braune Ödnis statt frischem Grün: Die lang anhaltende Trockenheit lässt Gras verdorren, an manchen Orten Ackerfrüchte welken. Das stellt Viehhalter vor Probleme, die ihre Tiere ernähren müssen. "In der Region Heilbronn wird es langsam kritisch, es gibt in Deutschland aber viel stärker betroffene Gebiete", sagt Helmut Eberle, Vize-Chef des Kreisbauernverbands Heilbronn-Ludwigsburg.

Sonne hat Gras verbrannt

In der Region gibt es rund 5000 Hektar Grünland, das Landwirte mehrmals mähen und Gras in Heu oder Silage verwandeln. In wichtiges Viehfutter also. Nach Angaben des Landwirtschaftsamtes ist auf 3000 Hektar mit Schäden von 30 bis 50 Prozent zu rechnen. Die Schäden auf den restlichen 2000 Hektar schätzt die Behörde gar auf 50 bis 75 Prozent. In ganz Baden-Württemberg ist dies ein Problem. Futter für die Rinderhaltung wie Gras oder Mais könne es insgesamt gut ein Drittel weniger geben, meint Klaus Mugele. Er ist Vize-Präsident des Landesbauernverbands und Chef des Kreisbauernverbands Schwäbisch Hall-Hohenlohe-Rems. Vor allem der Norden des Landes sei betroffen. Die Dürre sei verantwortlich dafür, dass teils Milchkühe geschlachtet werden, weil den Bauern das Futter ausgehe.

Viel Fleisch auf den Markt drückt die Preise

Stefan Emert hält in Neudenau-Siglingen in seinem Bio-Betrieb Mastbullen. Auch er hat schon Tiere verkauft und wird dies weiter tun. Allerdings: Weil noch härter betroffene Kollegen aus dem Norden Deutschlands genauso verfahren, kommt viel Fleisch auf den Markt - was die Preise drückt. "Wir sind ein reiner Grundlandbetrieb", sagt Emert. Das heißt: Mais kann er nicht als Puffer einsetzen.

Dass der Landwirt trotzdem einigermaßen gefasst ist, liegt an einer Ausnahmegenehmigung, die das Landwirtschaftsministerium erteilt hat. Gras von stillgelegten Flächen darf genutzt werden, zudem kann Emert auch als Bio-Betrieb ausnahmsweise konventionelles Futter zukaufen. "Das hat uns vorerst gerettet." Bio-Futter sei kaum zu bekommen und wenn doch, dann zu extrem hohen Preisen.

Martin Haußecker verfüttert seinen Milchkühen in Möckmühl-Bittelbronn ebenfalls keinen Silomais. Er setzt auf Klee und Luzerne. "Drei Viertel der Wintervorräte haben wir", sagt der Bio-Bauer. Ein Viertel steht noch aus, deshalb hofft Haußecker auf Regen. Seinen Rindern ergeht es wie den Tieren von Stefan Emert: Auf der Weide geht nichts mehr.

Sogar trockenrestistente Pflanzen machen Probleme

Die Trockenheit setzt auch den robusten Maispflanzen zu.
Die Trockenheit setzt auch den robusten Maispflanzen zu.  Foto: Mugler, Dennis

Rainer Riedel lässt sich ebenfalls nicht aus der Ruhe bringen. Der Lehrensteinsfelder produziert mit 84 Kühen Milch, dazu kommen 170 Tiere aus der Nachzucht. Er braucht fünf Tonnen Futter - pro Tag. "Mein Glück ist, dass ich große Flächen habe." In den vergangenen Jahren war es so, dass Riedel einen Teil der Maisernte an Biogasanlagen verkaufen konnte. Dieses Jahr vermag er auf keine Tonne Futter zu verzichten. Seine Tiere bekommen Silo-Mais als Stärke-Lieferant und Luzerne als Eiweißträger.

Bei einigen Standorten erntete er 70 Prozent weniger Luzerne, obwohl diese als vergleichsweise trockenresistent gilt. Der erste Grasschnitt sei gut gewesen, der dritte ein Totalausfall, meint Riedel. Generell, und das gelte auch für den Mais, seien die Böden und deren Fähigkeit, Wasser zu speichern, ausschlaggebend. Die Situation unterscheide sich von Parzelle zu Parzelle, außerdem sei der Regen sehr ungleichmäßig gefallen.

Schafe fressen schon jetzt die Wintervorräte

Braune Ödnis statt frischem Grün: Finden Schafe überhaupt noch Gras? Gerhard Steinle aus Ilsfeld sagt: "Unsere Tiere fressen jetzt das, was eigentlich Winterfutter werden sollte." Wenn es bald ergiebig regnet, könnte genügend Futter für die Schafe nachwachsen. Falls nicht, stehen die Schäfer vor der Frage: Tiere schlachten oder (teures) Futter zukaufen. Zumal weitere Mangelwirtschaft dazu führen würde, dass Landwirte ihre Flächen möglichst umfassend ausnutzen und die Schäfer leer ausgehen.

 

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