Leser erleben Burgfestspiele völlig unverhüllt
Beim Lesersommer der Heilbronner Stimme schauen die Gewinner hinter die Kulissen der Burgfestspiele Jagsthausen. Später lockt "Der bewegte Mann".
Auf dieser Couch kuschelt gleich der nackte Norbert mit dem "Sahnehintern" Axel. Und dessen Freundin Doro? Die erwischt sie dabei. Was für ein Drama! Das alles wissen die 20 Gewinner der Lesersommeraktion der Heilbronner Stimme aber noch nicht, als sie sich zwei Stunden vor Vorstellungsbeginn kichernd und mit Fächern Luft zuwedelnd auf dem Requisit niederlassen.
Am Donnerstagabend dürfen sie nämlich nicht nur das Musical "Der bewegte Mann" anschauen, sondern auch einen Blick hinter die Kulissen der Burgfestspiele Jagsthausen werfen. Fast 500 Leute hatten sich zuvor auf die Veranstaltung beworben.
Silberne Pompoms hinterm Sofa
Die Teilnehmer staunen nicht schlecht: Von der Rückseite haben sie die Bühne noch nie gesehen. Hinter den Sofas sind silberne Pompoms und Schuhe versteckt. Damit die Umzüge während der Vorstellung schneller gehen, erklärt Ann-Kathrin Halter.
Überhaupt hat so eine Freilichtbühne einige Tücken mehr zu bieten als zum Beispiel ein Stadttheater. Wenn ein Schauspieler am linken Bühnenrand abgeht und rechts wieder erscheinen soll, kann er nicht einfach hinter dem Vorhang verschwinden und dort die paar Meter zurücklegen. "Er muss einmal um die ganze Burg laufen", weiß sie.
Von den Brettern, die die Welt bedeuten, geht es in die Katakomben des historischen Gemäuers. Genauer gesagt in den Waschmaschinengang. "Wie zu Hause", ruft eine Leserin schmunzelnd. Nach jeder Vorstellung werden die Kostüme hier gewaschen und gebügelt, damit bei der nächsten Aufführung alles frisch ist. Im Trockenraum tropfen die Klamotten nach einem verregneten Abend.
Stöckelschuhe in Männergröße
Auf die Garderoben nebenan haben sich einige Lesersommer-Gewinner ganz besonders gefreut. Beim "Bewegten Mann" gibt es hier auch einiges zu sehen. Vorsichtig fahren Hände über pinke Leoparden-Catsuits und greifen nach Highheels in Männergrößen.
Genauso spannend ist der Theatergang Richtung Bühne. Hier müssen nämlich nicht nur die Schauspieler entlang, auch Gäste des Schlosshotels benutzen ihn. Ob das klappt? "Ich kann mich nicht erinnern, dass einer mal versehentlich auf der Bühne stand", sagt die Führerin. Auch hier liegen und hängen diverse Kostüme für schnelle Umzüge. Von einer Lanze baumelt ein knallroter Pelz herunter, auf Stühlen warten Servierhäubchen verziert mit täuschend echt aussehenden Kunstcroissants auf ihren Auftritt.
In der Schneiderei werden die Kostüme genäht
Jetzt geht es noch in die Burgfestspiel-Schneiderei, wo nicht nur die Kostüme genäht werden, sondern auch Diverses aus dem Fundus in Kartons lagert, fein säuberlich beschriftet. "Oh, Handtaschen", ruft eine Teilnehmerin entzückt. "Oh, Springerstiefel", gibt ihr Mann grinsend zurück.
Am Ende bekommen die Teilnehmer noch Hintergrundinfos zum Stück von der stellvertretenden künstlerischen Leiterin Eva Hosemann. Und dann heißt es Bühne frei für Norbert, Doro und den "Sahnehintern".
In "Der bewegte Mann" geht es um Homosexualität - aber nicht nur. Das Stück dreht sich um Liebe, Anerkennung und den Wunsch, so gemocht zu werden, wie man ist, erklärt Eva Hosemann den Lesersommer-Gewinnern. "Um Dinge, die jeder nachempfinden kann." Das Musical basiert auf der gleichnamigen deutschen Filmkomödie von 1994 mit Til Schweiger und dem Comic von Ralf König (1987). Letzter Termin: 18. August, 20.30 Uhr. Tickets: www.burgfestspiele-jagsthausen.de.

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