Leonie Häuser aus Heilbronn ist die erste Werkpolierin im Land
Als Bauleiterin bei der Talheimer Firma KTS arbeitet die 34-Jährige in einer Männerdomäne. Ihre Aufgabe ist komplex.

Die einprägendste Baustelle, auf der Leonie Häuser bisher tätig war, war die Sanierung der Theodor-Heuss-Straße in Klingenberg 2020/2021.
"Da hat man den Eindruck gekriegt, was der Beruf ausmacht", sagt die 34-Jährige, die Bauleiterin beim Bauunternehmen KTS in Talheim mit seinen rund 100 Mitarbeitern ist.
Nun hat die Heilbronnerin die Aufstiegsfortbildung am Bildungszentrum Bau in Geradstetten erfolgreich gemeistert und ist damit die erste Werkpolierin in Baden-Württemberg.
Sechs Bauleiter auf einer Baustelle
Auf fast vier Millionen Euro beliefen sich die Bauarbeiten der Ortsdurchfahrt in Klingenberg. Die Leitungen für Gas, Wasser und Strom wurden neu verlegt, 120 Hausanschlüsse hergestellt, schnelles Internet wurde installiert. Sechs Bauleiter der KTS und der Auftraggeber, den Heilbronner Versorgungsbetrieben (HNVG) und der NHF Netzgesellschaft, trafen sich wöchentlich zum Jour fixe, kümmerten sich um die Koordinierung, um das Nachverhandeln von Zusatzaufträgen, um die Einsätze der Kolonnen und vieles mehr - eine komplexe Aufgabe.
"Es hat richtig Spaß gemacht", sagt Häuser, trotz des Termindrucks, der Firmen immer im Nacken sitzt. Bei diesem Auftrag habe sie viel gelernt, arbeitete sie doch an der Seite ihres Chefs, KTS-Geschäftsführer Ivica Katic.
Perspektiven und Verantwortung
"Mein Chef hat mein Potenzial gesehen, unabhängig vom Geschlecht", sagt die Heilbronnerin. Dass sie in einer Männerdomäne arbeitet, steht für sie nicht im Fokus. "Es ging mir um die Möglichkeit, mich zu entwickeln, neue Perspektiven zu haben und Verantwortung zu übernehmen."
Natürlich fielen auf einer Baustelle manchmal Sprüche. Damit müsse man angemessen umgehen, je nach Situation reagiere sie mit Humor, kontere oder setze auch mal Grenzen. Bei der siebenwöchigen Fortbildung in Sachen Fach- und Führungsaufgaben in Geradstetten sei ihr hin und wieder ihr Alleinstellungsmerkmal vor Augen geführt worden - als einzige Frau unter 50 Männern. "Irgendwann nervt das schon", meint Häuser. Aber es überwogen Überraschung und Interesse, abwertende Stimmen habe sie nicht vernommen. Die erste Werkpolierin im Land zu sein, hat für sie keine große Bedeutung.
Zunächst schlug sie einen anderen Weg ein
Nach dem Gymnasium schlug die Heilbronnerin zunächst eine andere Richtung ein, machte bei Kaufland eine Ausbildung zur Einzelhandelskauffrau. Schon im Top-Azubi-Förderprogramm durchlief sie Schulungen für Führungsaufgaben. 2018 wechselte sie zur Talheimer Tiefbaufirma, wo sie zunächst für die Projektabwicklung zuständig war.
Häuser ist zielstrebig und ehrgeizig, wie sie sagt, und so nutzte sie die Chance, aufzusteigen. Sie absolvierte technische Schulungen und Fortbildungen und lernte die Praxis kennen. "Ich habe in Arbeitskleidung im Graben gestanden und mitgearbeitet", erzählt sie, die gerne auf Kreuzfahrten die Welt erkundet. So kann sie mit der Rüttelplatte Asphalt verdichten oder den Radlader bedienen.
Kein Acht-Stunden-Job
"Die Bauleiter-Tätigkeit ist kein Acht-Stunden-Job", sagt die Heilbronnerin. Man sei immer auf Abruf, wenn es Probleme gebe. Lösungen zu finden, das reizt sie an ihrer Aufgabe. Auch die Mischung zwischen Büro und Baustelle bei Wind und Wetter gefällt ihr.
Kommentare öffnen

Stimme.de
Kommentare