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Kreissparkasse Heilbronn dünnt Filialnetz aus

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Das Kreditinstitut wandelt 17 Standorte in SB-Filialen um und reagiert damit auf die fortschreitende Digitalisierung des Bankgeschäftes. Im Jahr 2020 konnte die Kreissparkasse in allen wichtigen Bereichen zulegen. Der Vorstand bleibt trotz Corona optimistisch.

Die Kreissparkasse (KSK) Heilbronn stellt nach einem guten Jahr 2020 die Weichen für die Zukunft. Dabei bleibt das größte Kreditinstitut der Region seiner Strategie treu: Mehr Digitalisierung, mehr Beratung in großen Filialen, dafür weniger Standorte in der Fläche.

17 kleinen Filialen werden zu SB-Standorten

Konkret heißt das: Zum 1. Mai werden 17 kleine Filialen, die bisher mit Mitarbeitern besetzt waren, in Selbstbedienungs-Stellen umgewandelt. Betroffen sind die Filialen in Abstatt, Neckarsulm-Amorbach, Eberstadt, Ellhofen, Eppingen-Elsenz, Erlenbach, Neudenau-Herbolzheim, Heilbronn Cäcilienbrunnen, Heilbronn-Horkheim, Heilbronn-Kirchhausen, Heilbronn Marktplatz, Jagsthausen, Eppingen-Kleingartach, Massenbachhausen, Neckarwestheim, Neckarsulm-Obereisesheim und Zaberfeld.

Service verlagert sich ins Internet

Gegenüber der Heilbronner Stimme begründet KSK-Vorstandsvorsitzender Ralf Peter Beitner den Schritt mit dem "drastischen Rückgang bei den von Mitarbeitern unterstützten Kassentransaktionen von bis zu 50 Prozent". Serviceleistungen verlagerten sich immer mehr ins Internet. Privatkundenvorstand Bernhard Steck ergänzt: "An kleineren Standorten besucht uns im Durchschnitt gerade noch ein Kunde pro Stunde." Das sei betriebswirtschaftlich nicht sinnvoll.

Künftig bleibe die Kreissparkasse mit 39 mitarbeiterbesetzten Filialen und 60 SB-Stellen in der Region präsent, betont Steck. Parallel zur Filialbereinigung soll das Angebot in größeren Beratungs-Centern ausgebaut werden. Dort soll der Kunde ein umfassendes Angebot zu Finanzdienstleistungen erhalten. Steck verweist auf die guten Erfahrungen, die man mit der neuen Filiale in Weinsberg gemacht habe. Derzeit entstehen Beratungs-Center in Lauffen und Bad Friedrichshall, weitere sind geplant.

80 Prozent der Kunden nutzen Online-Banking

Die Digitalisierung des Bankgeschäftes und das veränderte Kundenverhalten hätten sich durch Corona beschleunigt, hat KSK-Chef Beitner beobachtet. Einerseits nehme die Nachfrage nach Bargeld ab, andererseits steige die Nutzung digitaler Angebote. So seien mittlerweile 80 Prozent der Kundenkonten fürs Online-Banking freigeschaltet. Und die Internet-Filiale verzeichnete 2020 rund 176.000 Zugriffe pro Tag. "Die Entwicklung zur Digitalisierung ist ungebrochen", sagt Beitner.

Mit dem Jahr 2020 zeigte sich der Vorstandschef zufrieden. Die KSK steigerte ihre Bilanzsumme und überschritt erstmals die Marke von elf Milliarden. Die Kundeneinlagen legten um 9,7 Prozent auf 8,04 Milliarden Euro zu, die Kredite wuchsen um 4,3 Prozent auf 8,05 Milliarden Euro. Der Jahresüberschuss blieb mit 11,8 Millionen Euro stabil.

Immobilienboom hält unvermindert an

Wachstumstreiber war das Immobiliengeschäft, wo die KSK neue Höchstwerte erreichte. 2020 wurden 2496 (Vorjahr: 2400) neue Immobilienfinanzierungen mit einem Volumen von 648 (566) Millionen Euro abgeschlossen. Die KSK-Makler vermittelten zudem Wohnimmobilien mit einem Gesamtwert von 81,5 (73) Millionen Euro. "Wir könnten noch viel mehr Immobilien verkaufen", sagt Steck.

Gewachsen ist auch das Versicherungsgeschäft, das die KSK weiter ausbauen möchte. Derzeit betreut das Institut in diesem Bereich rund 55.000 Kunden. Im Wertpapiergeschäft zog die Nachfrage nach Aktien um 35 Prozent an, während festverzinsliche Wertpapiere und Investmentfonds weniger gefragt waren. In der Summe blieb das Wertpapiergeschäft mit 771 Millionen Euro leicht unter dem Vorjahr.

Zuversicht für das laufende Jahr trotz Risiken

Für das laufende Jahr zeigte sich Beitner optimistisch, ähnlich gut wie 2020 abschneiden zu können. Allerdings rechnet er mit negativen Effekten der Corona-Krise, die auch in der Region zu Insolvenzen und Kreditausfällen führen werde. Dennoch bleibt Beitner gelassen. "Wir haben in den letzten Jahren eine gute Risikotragfähigkeit aufgebaut."

 


Kommentar

Die Kreissparkasse Heilbronn setzt ihren vor einiger Zeit eingeschlagenen Weg konsequent fort. Sie wandelt weitere 17 Kleinfilialen in Selbstbedienungs-Standorte um. Wenn sich pro Stunde nur ein Kunde in eine Filiale verirrt, ist das weder kunden- noch mitarbeiterfreundlich – und betriebswirtschaftlich nicht zu verantworten.

Bevor Kritiker nun wieder das Klagelied vom Rückzug aus der Fläche anstimmen, sollten sie sich fragen, wann sie das letzte Mal in einer Bankfiliale waren und was sie dort getan haben. Es ist schon lange so, dass die wichtigen Beratungen in den Kleinfilialen gar nicht mehr angeboten werden, sondern vernünftigerweise an den größeren Standorten gebündelt werden. Wer eine Baufinanzierung oder eine Altersvorsorge abschließen möchte, dem ist durchaus zuzumuten, ein paar Kilometer zu fahren, um dann hoffentlich ordentlich beraten zu werden. Und wer Bargeld oder Kontoauszüge holen möchte, kann dies weiterhin an den SB-Standorten tun. Alles andere lässt sich heute problemlos mit dem Tablet oder Smartphone erledigen – das haben in der Corona-Pandemie immer mehr Kunden schätzen gelernt.

Es ist nun mal Fakt, dass das Bankgeschäft immer digitaler wird. Für die Kreditinstitute ist dies freilich Verpflichtung, ihren Kunden alle Dienstleistungen so einfach und bequem wie möglich zur Verfügung zu stellen – und zwar über die Kanäle, die der Kunde auch nachfragt. Die Kleinfiliale gehört offensichtlich nicht mehr dazu.

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