Kein Blitzer, sondern eine Lkw-Mautsäule
Bei Willsbach steht seit wenigen Tagen die erste Mautkontrollsäule für Lastwagen auf einer Bundesstraße in der Region Heilbronn. Weitere sollen in den nächsten Monaten folgen.

Bis zum 1. Juli sollen es insgesamt 55 solche Säulen in ganz Baden-Württemberg sein, teilt der Mautbetreiber Toll Collect mit. Deutschlandweit würden etwas mehr als 600 Stück aufgebaut.
Viele Autofahrer sind verdutzt und fragen sich, ob es sich um einen Blitzer handelt. „Das Gerät blitzt definitiv nicht“, sagt Toll-Collect-Sprecherin Antje Schätzel. Sie hätten gehofft, dass den meisten Autofahrern gleich bewusst sei, dass es sich nicht um einen Blitzer handelt –die vier Meter hohen Säulen seien ja auch blau lackiert und nicht in Tarnfarben.
Ausweitung des Mautsystems auf Bundesstraßen
Hintergrund für den Aufbau der Säule bei Willsbach ist die Ausweitung des Lkw-Mautsystems von Autobahnen auf Bundesstraßen. Mautstart soll am 1. Juli sein. Baden-Württemberg ist mit 60 Bundesstraßen und rund 4300 Kilometern Streckenlänge besonders betroffen.
Im Landkreis Heilbronn ist nach Angaben des Landratsamts eine weitere Mautsäule geplant und zwar ebenfalls auf der B39 – zwischen Kirchhausen und Frankenbach. Wann sie aufgebaut wird, sei noch unklar.
Auf Speditionen kommen wegen der Maut-Ausweitung deutliche Zusatzkosten zu. „Diese Mehrbelastungen müssen am Markt eingepreist werden“, sagt Timo Didier, Vorstandsmitglied des Baden-Württembergischen Vekehrsgewerbes. Letztlich zahle der Auftraggeber der Speditionen, der wiederum an den Endkunden weiterberechne.
Zweimalige Kostensteigerungen für Spediteure

Für das Verkehrsgewerbe sei die zentrale Frage, wie die Mautsätze künftig bemessen sein werden, so Didier – und diese sei noch immer unbeantwortet. Am 1. Oktober sollen dann die neuen Mautsätze gelten. Für die Transportbetriebe „verkompliziert das die Lage“, denn sie müssten wegen der zweimaligen Kostensteigerungen jeweils mit den Kunden neu verhandeln. Didier: „Besser wäre es, Mautausweitung und neue Mautsätze zeitgleich mit einer Vorlaufzeit von mindestens sechs Monaten umzusetzen.“
Entscheidend aus Sicht des Verkehrsgewerbes seien einheitliche Mautsätze für Bundesstraßen und Bundesautobahnen, was nunmehr ja auch im künftigen Koalitionsvertrag so vorgesehen sei. „Alles andere hätte gerade für die baden-württembergische Wirtschaft katastrophale Folgen“, erklärt Didier weiter. „Industrieunternehmen und auch Speditionen ohne ortsnahen Autobahnanschluss müssten empfindliche Standortnachteile fürchten.“
Mit der Ausdehnung der Maut auf alle Bundesstraßen verfolgt die Bundesregierung das Ziel, die Finanzierung der Bundesstraßen zu verbessern. „Darum soll die Nutzerfinanzierung konsequent vorangetrieben werden“, heißt es auf der Webseite von Toll Collect.
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