In Bad Wimpfen hängt eine antisemitische Skulptur
Ein Gericht hat entschieden, dass judenfeindliche Schmähskulpturen an Kirchen hängenbleiben dürfen. Auch an der Außenfassade der Ritterstiftskirche St. Peter in Bad Wimpfen hängt ein sogenanntes "Judensau"-Relief. Was Kommunalpolitiker, Kirchenvertreter und jüdische Vereine dazu sagen.

Dürfen judenfeindliche Schmähskulpturen an den Kirchen hängenbleiben? Das Oberlandesgericht in Naumburg sagt ja und bezieht sich damit auf die rund 700 Jahre alte Skulptur an der Fassade der Stadtkirche in Wittenberg.
Auch in Bad Wimpfen befindet sich ein solches Sandstein-Relief, das erstmals im 13. Jahrhundert an der Ritterstiftskirche angebracht wurde. Schaut man sich die Außenfassade genauer an, erspäht man dort in rund sieben Meter Höhe eine sogenannte "Judensau", an deren Zitzen ein Rabbiner saugt. Deutschlandweit gibt es rund 25 solcher antisemitischen Darstellungen, die sich üblicherweise in oder an Kirchen befinden.
Eine Informations-Tafel soll aufklären
Skulpturen wie diese sollten im Mittelalter das jüdische Volk nicht nur erniedrigen, sondern es auch davon abhalten, sich in der Stadt niederzulassen. In den 80er Jahren noch erneuert, geriet die Skulptur in Bad Wimpfen 2012 in die Kritik. Das Bistum Mainz, das die Ritterstiftskirche verwaltet, brachte daraufhin eine aufklärende Tafel im Außenbereich der Kirche an.
Sie soll helfen, das Geschehene in einen historischen Kontext einzuordnen. Für Günther Haberhauer, Ehrenbürger von Bad Wimpfen, ist das ein "verantwortungsvoller Umgang mit der Vergangenheit". Die Tafel erinnere an einen düsteren, aber wichtigen Teil der Geschichte, den man nicht verleugnen dürfe. Abgesehen davon könnten auch die in Bad Wimpfen verlegten Stolpersteine oder die Gedenktafeln als weitere Wege angesehen werden, an die Opfer des Nationalsozialismus zu erinnern.
Bürgermeister Claus Brechter kann diese Aussage nur unterstreichen. Bad Wimpfen habe sich schon immer darum bemüht, das Thema des Antisemitismus aufzuarbeiten. Man müsse alles dafür tun, dass sich so etwas nicht wiederholt. "Antisemitismus ist nicht akzeptabel. Umso notwendiger ist es, Position zu beziehen."
Die Kirche stellt sich der Vergangenheit
Auch Bad Wimpfens ehemaliger evangelischer Stadtpfarrer Bernd Göller hat eine klare Meinung: "Isoliert betrachtet, ist die Skulptur eine Diskriminierung und hat keinen Platz an der Kirche", kritisiert er. Die Anbringung der Tafel heißt er aber willkommen: "Damit stellt sich die Kirche ihrer Geschichte."
Roman Statler, langjähriges Mitglied beim Verein jüdisches Leben im Kraichgau, spricht sich gegen die Entfernung des Reliefs an der Ritterstiftskirche aus: "Das wäre eine Leugnung der Geschichte." Elisabeth Hilbert, die dem gleichen Verein angehört, sagt: "Es ist schändlich, wie sich die Christen über die Juden erhoben haben." Eine erklärende Tafel gehöre für sie in der heutigen Zeit deshalb ohne jede Frage dazu.
Bezüglich des Falls in Wittenberg ist das letzte Wort noch nicht gesprochen. Der Kläger, ein jüdisches Gemeindemitglied aus Berlin, will nun Revision einlegen und den Fall vor den Bundesgerichtshof in Karlsruhe bringen.
Kommentare öffnen
Stimme.de
Kommentare