Tumultartige Szenen beim Black-Jackets-Prozess
Heilbronn - Am Donnerstag sagte der wichtigste Zeuge im Black-Jackets-Prozess vor dem Heilbronner Landgericht aus. Die Vernehmung wurde aus Sicherheitsgründen per Video-Liveschaltung übertragen.

Heilbronn - Am Donnerstag sagte der wichtigste Zeuge im Black-Jackets-Prozess vor dem Heilbronner Landgericht aus. Die mit Spannung erwartete Vernehmung wurde aber aus Sicherheitsgründen nur per Video-Liveschaltung in den Gerichtssaal übertragen. Denn der Kronzeuge ist früheres Bandenmitglied, gilt bei den Jackets als Verräter und muss deshalb um sein Leben fürchten. Er ist deshalb im Zeugenschutzprogramm des Landes.
Geschrei
Während des Prozesses wäre es fast zum Eklat gekommen: Alle Verteidiger der sieben Angeklagten weigerten sich nach einer Verhandlungspause wieder Platz zu nehmen. Die Rechtsanwälte drohten an, den Gerichtssaal zu verlassen, wenn die Verhandlung so weitergehe wie bisher und die Vorsitzende Richterin Eva Bezold sich weiterhin weigere, den Verteidigern das Wort zu erteilen.
„Sie wollen doch nur die Vernehmung des Kronzeugen stören“, verteidigte sich die Richterin, die Probleme hatte, sich bei dem Geschrei im Saal Gehör zu verschaffen. „Sie halten jetzt alle den Mund“, sagte sie. Verteidiger Rüdiger Böhm erwiderte: „Was ist denn das für ein Kasernenton.“
Den traurigen Höhepunkt markierte ein Angeklagter. Als die Richterin ihn aufforderte, den Kaugummi aus dem Mund zu nehmen, weigerte er sich zuerst, dann spuckte er ihn mit großer Geste auf den Boden.
Aussagen
Der wichtigste Zeuge in dem Verfahren gegen die Black Jackets konnte dann doch mehr oder weniger zusammenhängend seine Angaben machen. Der 20-Jährige war früher selbst Mitglied in der Führungscrew.
Die Gruppe sei streng hierarchisch geordnet gewesen, er habe mitbekommen, wie mehrere Straftaten begangen wurden. Es ging um Drogen und Diebstähle. Die Straftaten seien von dem Vizepräsident der Jackets genehmigt oder befohlen worden. Ein Teil der Beute musste in die Kasse des Clubs gezahlt werden.
Wenn Leute rausgeworfen wurden, bekamen sie mitunter Heilbronn-Verbot. Tauchten sie dennoch in der Stadt auf, wurde geschlägert. Der Kronzeuge berichtete von einer Strafaktion gegen einen „Verräter“, der sich weigerte eine Strafe in die Kasse zu zahlen. Er selbst habe ihn geschlagen und ihn mit einem Messer in die Wange geschnitten.

Stimme.de