Auf der Autobahn kontrolliert ein Weltmeister
Heilbronn - Michael Smolik, Polizeimeister der Autobahn- und Verkehrspolizei Heilbronn, ist als Doppelweltmeister der Amateure im Kickboxen vom Weltturnier in Orlando/USA in die Region Heilbronn zurückgekehrt.

Heilbronn - Straftäter sollten sich mit ihm besser nicht anlegen: Michael Smolik (21), Polizeimeister der Autobahn- und Verkehrspolizei Heilbronn, ist als Doppelweltmeister der Amateure im Kickboxen vom Weltturnier in Orlando/USA in die Region Heilbronn zurückgekehrt.
Zehenbruch
Mit Stolz präsentiert er die Goldmedaillen im Einzel- und Teamwettbewerb. In zweifacher Hinsicht ist der Erfolg bemerkenswert: Zum einen ist der Satteldorfer erst seit gut einem halben Jahr Kickboxer − zuvor war Taekwondo 15 Jahre sein Kampfsport. Zudem kugelte sich der junge Amateur während des Turniers die Schulter aus, brach sich einen Zeh und prellte sich den Spann − doch Aufgeben oder Krankschreibenlassen ist für ihn kein Thema. Er arbeitet ganz normal. Alles halb so wild.
Den Einzug ins Finale mit klarem Punktsieg gegen den bisherigen Weltmeister aus England erlebte er wie in Trance; nach dem WM-Sieg vergoss er vor der Nationalhymne kurz Freudentränen. "Es war ein wahnsinniges Gefühl." Doch erst auf dem Heimflug ist ihm das Geschehene richtig bewusst geworden, der ganze Druck von ihm abgefallen.
Wie er das geschafft hat? 1,90-Meter-Mann Smolik hat einen eisernen Willen. "Man braucht Durchhaltevermögen. Die stärkste Waffe eines Menschen ist der Kopf", sagt er. Sechs Mal die Woche hat er nach jeder Polizeischicht vor der WM trainiert. Bei Kickübungen mit elastischen Bändern war er anfangs nach 50 Wiederholungen platt. Am Ende seien 2000 kein Problem gewesen. "Gesprungene Drehkicks" nennt er beim Kickboxen seine Spezialität. Ein brutaler Sport? Sogenannte Käfigkämpfe ohne großen Schutz seien brutal, sagt er. Bei Amateuren aber gebe es Boxhandschuhe und Kopfschutz. Und er habe immer Respekt vor dem Gegner − auch wenn das Ziel der K.o. ist. Trotz der WM-Blessuren ist er überzeugt: Es gibt beim Kickboxen "weniger Verletzungen als beim Fußball".
Traum Olympia
Offen und sachlich berichtet Smolik von seinem Sport. Eine Freundin habe er "zum Glück" derzeit nicht. Weil eine Beziehung bei seinem Trainingspensum zeitlich "nicht gegangen wäre". Bei der Autobahnpolizei ist er viel auf Streife unterwegs, prüft Fahrer auf Drogen oder Alkohol. Ob er Kickbox-Technik in brenzligen Situationen anwenden darf? "Wenn es verhältnismäßig ist." Bisher hat er normale Polizeigriffe eingesetzt. Vor dem Widerstand aggressiver Zeitgenossen hat er keine Angst. "Man wird durch das Training selbstbewusster."
Weltmeister mit 21 − was bleibt da noch an Zielen? Eine Teilnahme bei Olympia wäre ein Traum. Und das Fachabitur machen und für den gehobenen Dienst der Polizei studieren. Was mit Freundin oder Familie ist? "Wenn die Richtige kommt", sagt er, "dann merke ich es schon."
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