Anwältin hält Anklage teilweise für fehlerhaft
Heilbronn - Mit Metallschleusen am Eingang, intensiven Körper- und Taschenkontrollen bei Besuchern und bewaffneten Polizisten im Gerichtssaal hat am Heilbronner Landgericht am Dienstag der Prozess gegen sieben Mitglieder der rockerähnlichen Bande Black Jackets begonnen.
Heilbronn - Mit Metallschleusen am Eingang, intensiven Körper- und Taschenkontrollen bei Besuchern und bewaffneten Polizisten im Gerichtssaal hat am Heilbronner Landgericht am Dienstag der Prozess gegen sieben Mitglieder der rockerähnlichen Bande Black Jackets begonnen. Bandendiebstahl, schwerer Raub, Freiheitsberaubung, gefährliche Körperverletzung, versuchte Nötigung und Drogenhandel wirft die Staatsanwaltschaft der Gruppierung in 27 Fällen vor.
Unter anderem sollen Mitglieder der hierarchisch gegliederten Gruppe zwei Tankstellen in Heilbronn und Schwaigern überfallen, die Kassiererinnen mit einer Schusswaffe bedroht und einige tausend Euro erbeutet haben. Beide Kassiererinnen hatten durch die Taten unter starken psychischen Folgen zu leiden. Diebstähle von Tresoren und eine Reihe von Drogengeschäften listete die Staatsanwältin in ihrer einstündigen Verlesung der Anklageschrift ebenso auf wie die Misshandlung eines Schuldners und die Bedrohung der Freundin eines abtrünnigen Mitglieds mit einem Butterflymesser.
Hauptangeklagte sind der Präsident und der Vizepräsident der Heilbronner Gruppe, ein 37-jähriger Türke aus Heilbronn und ein 21 Jahre alter Deutscher iranischer Abstammung, der bis zu seiner Verhaftung in Leingarten wohnte. In Trainingsanzug mit goldenen Streifen trat der angeklagte Präsident in den Gerichtssaal, der mutmaßliche Vizepräsident erschien in ganz anderer Kleidung mit Pullover, Hemd und Krawatte.
Die Angeklagten im Alter von 19 bis 37 Jahren gaben an, arbeitslos zu sein.
Gleich zum Auftakt des bis Juni terminierten Mammutverfahrens mit 62 Zeugen und neun Verteidigern wurde deutlich, dass es ein zäher Prozess werden kann. Eine „teilweise grob fehlerhaft Anklageschrift“ warf die Verteidigerin des Black-Jackets-Präsidenten der Staatsanwaltschaft vor. Ihr Mandant sei zum Zeitpunkt, als ihm die ersten Straftaten zugeschrieben werden, im–Rahmen einer Haftstrafe noch in einer stationären Therapieeinreichtung gewesen, sagte Anwältin Anke Stiefel-Bechdolf. Die Gretchenfrage ist für sie zudem, ob die Taten wirklich bandenartig gewesen seien und von Präsident oder Vizepräsident „angewiesen und gebilligt“.
Auf die Spur kam die Polizei der Bande durch Drogenkäufe mit verdeckten Ermittlern. Zudem gab es ein früheres Mitglied, das sich der Polizei anvertraute und in dem Prozess als Kronzeuge eine ganz entscheidende Bedeutung haben wird. cf


Stimme.de