Heilbronner Polizeisprecher ist sauer auf die ZDF-Heute-Show
Die Satiresendung "heute show" zeigte am Freitagabend eine Fotomontage mit dem Heilbronner Polizeisprecher Gerald Olma beim Joint-Anzünden. Verletzt das ZDF damit Olmas Persönlichkeitsrechte? Die Polizei prüft rechtliche Schritte gegen den Fernsehsender.

Wer am Freitag gegen 23 Uhr das ZDF und die Satiresendung "heute show" einschaltete, konnte den Sprecher der Heilbronner Polizei, Gerald Olma, in Aktion erleben. Mit einem Feuerzeug in der Hand zündet er einer Dame einen Joint an. Oder doch nicht?
Die Redaktion der Show bebilderte einen Beitrag der "heute show" über die Legalisierung von Cannabis unter anderem mit Gerald Olma - das für die Sendung verwendete Foto ist aber eine Montage. Auf diesen Umstand wird jedoch nicht hingewiesen. Das Original stammt von der Präsentation von Spuckschutzhauben in Heilbronn im April. Eine Erlaubnis zur Verwendung des Fotos hat Olma nicht erteilt.
„Niemand vom ZDF hat sich erkundigt oder um Erlaubnis zur Verwendung des Fotos für diesen Zweck gebeten.“
von Gerald Olma
Er sei von der Verwendung der Fotomontage in der "heute show" total überrascht gewesen, sagt Gerald Olma. "Kollegen haben mich kurze Zeit später darauf aufmerksam gemacht. Mittlerweile erreichen mich E-Mails und Anrufe von vielen Seiten." Für ihn als Polizeisprecher und auch persönlich eine unangenehme Situation.
"Niemand vom ZDF hat sich erkundigt oder um Erlaubnis zur Verwendung des Fotos für diesen Zweck gebeten", sagt Gerald Olma. Das ursprüngliche Foto sei in einem völlig anderen Kontext entstanden und hat mit der aktuellen Diskussion um die Freigabe von Cannabis nichts zu tun. "Sowohl die Polizei als auch ich persönlich prüfen jetzt, ob und welche rechtlichen Schritte möglich und sinnvoll sind."
Reaktion des ZDF
Das Bild in der satirisch überspitzten Fotomontage diene lediglich als Symbolfoto für die in der Sendung dargelegte These, dass die Legalisierung von Cannabis die Polizei deutlich entlasten würde, schreibt das ZDF in einer Mitteilung. Das Foto entstamme einer Fotodatenbank. "In dem Beitrag ging es nicht darum, die Arbeit der Polizei oder sogar eine bestimmte Person herabzuwürdigen."
„In dem Beitrag ging es nicht darum, die Arbeit der Polizei oder sogar eine bestimmte Person herabzuwürdigen.“
von ZDF
Just der Umstand, dass es sich um ein Symbolfoto handelt, sieht Katrin Freihof kritisch. Sie ist auf Medienrecht spezialisierte Rechtsanwältin bei einer der drei Kanzleien des Unternehmens Resmedia in Mainz, Köln und Berlin. "Es stellt sich schon die Frage, warum die Redaktion sich genau für das Foto mit ihm entschieden hat", sagt die Anwältin. Es wäre ein Leichtes gewesen, für die Illustrierung des Themas eine Person zu finden, deren Zustimmung vorgelegen hätte. "Nur weil ein Foto einmal in der Datenbank einer Presseagentur landet, muss der Abgebildete ja nicht für alle Zeit alles hinnehmen."
Sie sieht möglicherweise das Persönlichkeitsrecht von Gerald Olma verletzt. Meinungsfreiheit und Kunstfreiheit auf der einen und Persönlichkeitsrecht auf der anderen Seite müssten Fall für Fall abgewogen werden. "In diesem Fall sehe ich die Verwendung des Fotos skeptisch." Es gebe keinen zeitlichen oder inhaltlichen Zusammenhang mit dem ursprünglichen Ereignis mehr, der Heilbronner Polizeisprecher sei auch nicht so prominent, als dass er die Veröffentlichung hinnehmen müsste. "Allerdings muss man in so einem Fall auch das Thema Satire diskutieren."
Unterlassung und Schadenersatz denkbar
Als Reaktion kommt aus Freihofs Sicht vor allem eine Unterlassungserklärung in Betracht. "Wobei fraglich ist, ob angesichts sicher hoher Schnittkosten die Kosten einer Unterlassungserklärung nicht das kleinere Übel sind", erläutert die Anwältin. "Möglicherweise haben die Macher des Beitrags das Risiko schlicht in Kauf genommen." Eine Unterlassungserklärung habe jedoch nur eine Wirkung in die Zukunft - das Foto dürfte nicht ungestraft erneut verwendet wird. Für den Ausgleich des möglichen Schadens komme die Forderung nach Schadenersatz infrage.
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Kommentare
jonny berger am 06.11.2019 22:35 Uhr
Also bitte mal nicht übertreiben, komischerweise hat kaum einer ein Problem damit sich mit der harten Droge Alkohol ablichten zu lassen obwohl diese jährlich ca. 75.000 Tote fordert im Gegensatz zu 0 Cannabistoten. Hier wird auch niemand zum Freiwild eher sollte man sich Gedanken machen ob das auf Rassenhass basiernde Hanfverbot des US Rassisten Anslinger wirklich noch Zeitgemäß ist, im 21. Jahrhundert. Man sollte auch den Augenschein auf die wirklichen Todesdrogen Tabak und Alkohol legen und nicht schon 16 Jährige legal saufen lassen. Während dagegen harmlosere Drogen wie Hanf oder Psylocibin massiver Strafverfolgung ausgesetzt wird was nicht selten die soziale wie beruflicher Zerstörung zur Folge hat.
Gerd Hofmann am 06.11.2019 17:47 Uhr
Diese Meldung ist kein verfrühter Aprilscherz?
Claus Rehder am 06.11.2019 14:03 Uhr
Es kann nicht angehen, dass ein Polizeibeamter mit derartigen Dingen in Verbindung gebracht wird. Satire und Spass hin oder her, sowas darf in unserem Staat einfach nicht geduldet werden. Ohne zu fragen, ob man das Bild verwenden darf greift nach meinem Verständnis eindeutig in die Persönlichkeitsrechte ein. Und mit einer Unterlassungserklärung ist es, wenn man mich fragen würde, auch nicht getan. Hier befürworte ich es eindeutig, wenn sich Polizeipräsidium und Staatsanwaltschaft klar positioniert und sich schützend vor den Mitarbeiter stellt. Staatsdiener, vor allem wenn sie tagtäglich den Kopf für uns hinhalten, dürfen nicht zum Freiwild werden....und das für niemanden. Weder für rechte oder linke Gruppierungen und gleich garnicht für das öffentlich-rechtliche Fernsehen, welches durch uns auch noch finanziert wird.
Claus Rehder
Alex Angelos am 06.11.2019 10:58 Uhr
was möchte man von einem Vertreter der Staatsmacht und dann nach dazu aus dem prüden und langweiligen Heilbronn auch anderes erwarten. Das ist die schwäbische Kleinkariertheit par excellence.
am 06.11.2019 22:05 Uhr
in eine großkarierte , kurzweilige andere Stadt umziehen,
in der es keine Vertreter der Staatsmacht und keine Persönlichkeitsrechte gibt!
Für Sie ein Ort zum Wohlfühlen!