Stimme+
Pläne in England
Zur Merkliste Lesezeichen setzen

Rektorin aus Bad Rappenau zu Handyverbot an Schulen: "Medium nicht verteufeln"

   | 
Lesezeit  2 Min
Erfolgreich kopiert!

Die britische Regierung will Mobiltelefone an Schulen komplett verbieten, in den Niederlanden greift ein solches Gesetz bereits ab dem kommenden Jahr. Ein generelles und flächendeckendes Verbot gibt es in Deutschland bisher nicht – es sprechen mehrere Aspekte dagegen.

Sie lenken ab, animieren zu Mobbingaktionen und stören den Unterricht: Handys an Schulen sind ein weit verbreitetes Problem. Dem will die britische Regierung jetzt Einhalt gebieten und die Nutzung gesetzlich verbieten.

In den Niederlanden ist man schon ein Stück weiter, dort soll ab dem kommenden Jahr eine entsprechende Verordnung greifen. Und auch in Deutschland wird ein solches Verbot immer wieder diskutiert. Rechtlich ist das aber bisher nicht in allen Bundesländern möglich.

Baden-Württembergisches Schulgesetz lässt kein Handyverbot an Schulen zu

Im baden-württembergischen Schulgesetz heißt es, dass sich ein solches Verbot nicht aus den Aufgaben der Schulen begründen lasse. Allerdings dürfen die Einrichtungen individuelle Entscheidungen treffen. Dazu gehört die Pflicht, das Smartphone vor Unterrichtsbeginn auszuschalten. Auch ein Einsammeln ist möglich, wenn das Gerät nach Unterrichtsende wieder zurückgegeben wird.

Anders sieht es in Bayern aus. Dort dürfen die Schulen verlangen, die Handys auszuschalten. Generell verbieten dürfen sie aber auch dort das Mitführen nicht. Auch in Berlin lässt das Schulgesetz ein Handyverbot ausdrücklich zu. Allerdings gibt es keine allgemeine Regel, die für das gesamte Bundesland gilt. 

Deutscher Lehrerverband lehnt "absolutes" Handyverbot an Schulen ab

Der deutsche Lehrerverband hingegen lehnt Pläne wie in Großbritannien ab. "Ein absolutes Handyverbot für alle Altersgruppen und den gesamten Schulbereich kann man nicht durchsetzen", sagte Verbandspräsident Stefan Düll der Deutschen Presse-Agentur. Viele Eltern wollten, dass ihre Kinder sich für kurzfristige Absprachen etwa im Fall von Unterrichtsausfällen melden können.

Die Geräte werden aber auch im Unterricht eingesetzt. Das handhabt auch die Verbundschule in Bad Rappenau so. "Man sollte das Medium nicht verteufeln", sagt Rektorin Yvonne Geier, "sondern im Kontext nutzen." Auf dem Gelände sei die Nutzung allerdings verboten, sobald es nicht um unterrichtsrelevante Dinge geht. Das ist auch in einem digitalen Verhaltenskodex festgelegt.

Bad Rappenauer Rektorin hält nichts von einem generellen Handyverbot an Schulen

Außerdem können die Schülerinnen und Schüler ab der achten Jahrgangsstufe seit einiger Zeit am Graduierungssystem teilnehmen. Dabei werden Freiheitsgrade erworben, die auch die Möglichkeit einer uneingeschränkten Nutzung möglich machen würden. "Aber das System ist noch recht neu, so weit ist noch niemand", so Geier. Von einem generellen gesetzlichen Verbot hält sie nichts. Smartphones seien kaum noch wegzudenken und Alltagsgegenstände, die auch im medizinischen Bereich wie bei der Überwachung des Blutzuckerspiegels genutzt werden. "Unser Auftrag ist es, mündige Bürger zu erziehen", sagt die Rektorin. Der Umgang mit den Geräten sei entscheidend. 

Neues Konzept am HCG in Beilstein

Ähnlich sieht es der Rektor des Herzog-Christoph-Gymnasiums (HCG) in Beilstein: "Reine Verbote sind schwierig", sagt Felix Stadtfeld. Sie seien nur umsetzbar, wenn Handys im Unterricht nicht benutzt werden müssen. Da seine Schüler allerdings nicht mit digitalen Endgeräten ausgestattet werden, benötigten sie ihre eigenen Smartphones. Auch in der Mittagspause sowie während der Freistunden, die im Aufenthaltsraum verbracht werden, dürfen die Geräte am HCG benutzt werden. Letzteres gilt allerdings nur für die Oberstufenschüler. Ansonsten ist die Nutzung nur in den letzten fünf Minuten der Pause und zu Unterrichtsbeginn erlaubt. Und dann auch nur, um einen kurzen Blick auf die Vertretungs- und Buspläne zu werfen. Danach müssen alle ihre abgeschalteten Smartphones in einem "Handyhotel" auf dem Pult ablegen. Dieses Konzept sei noch relativ neu, sagt Felix Stadtfeld. Bis zu den Herbstferien werde es erprobt, danach geht es an die Evaluierung. 

Wer sich am HCG nicht an die Regeln hält und erwischt wird, der muss sein Handy im Sekretariat abgeben. Passiert das drei Mal, müssen die Eltern der Schüler kommen und das Gerät abholen.

Auch in England gibt es Widerstand. Das geplante Verbot sei "nicht durchsetzbar" und wirkungslos, kritisierte der Chef der Lehrergewerkschaft NASUWT, Patrick Roach. Wichtiger wäre Hilfe für Eltern und Lehrer, da die negativen Folgen von Smartphone-Nutzung nicht aufs Klassenzimmer beschränkt seien.

 

 

Kommentare öffnen
Nach oben  Nach oben