Stimme+
Heilbronn

Handballer-Fasching in Horkheim wird begraben

   | 
Lesezeit  2 Min
Erfolgreich kopiert!

Der TSB Horkheim begräbt seinen großen Handballer-Fasching in der Stauwehrhalle. Das hat vielschichtige Gründe. Über den Abschied von einem Kult-Event.

Zum 80. Mal wird der Horkheimer Handballer-Fasching nicht mehr gefeiert. Foto: Archiv/Mugler
Zum 80. Mal wird der Horkheimer Handballer-Fasching nicht mehr gefeiert. Foto: Archiv/Mugler  Foto: Mugler, Dennis

Er galt weit und breit als Kult-Veranstaltung. Dieses Jahr wäre der Fastnachts-Klassiker bereits zum 80. Mal gefeiert worden. Bisher war die große Party nur einmal ausgefallen: 1991, wegen des Golfkriegs. Dieses Jahr ist alles vorbei. Der TSB Horkheim hat seinen Handballer-Fasching begraben. Der Kinderfasching am Faschingssonntag bleibt bestehen, auch das Oktoberfest.

Es liegt nicht nur an der Konkurrenz

Schon in den Vorjahren hatte der Veranstalter, der TSB Horkheim, in der toll dekorierten Stauwehrhalle mit einem Besucherrückgang zu kämpfen. Der hohe Aufwand habe sich am Ende kaum noch rentiert, erklärt TSB-Vorsitzender Herwig Jarosch auf Anfrage der Heilbronner Stimme. "Die Gründe sind vielschichtig", sagt der erfahrene Sportsmann, allein an den vielen Konkurrenz-Veranstaltungen im Umland liege das nicht.

Wegen Brandschutz weniger Besucher zugelassen

Als Hauptgrund für den schleichenden Niedergang nennt der Vorsitzende, der auch Event-Manager ist, gesetzliche Rahmenbedingungen. Zunächst seien die Brandschutzmaßnahmen in den vergangenen Jahren immer mehr verschärft worden, weshalb zuletzt nur noch 1342 Personen in der weitläufigen Halle hätten feiern dürfen, viel weniger als zu Hochzeiten. "Die Stimmung hat früher vom Gedränge und Stehen gelebt, das war unser Markenzeichen", berichtet Jarosch.

Damit sich nicht alles verlaufe, habe man in den Vorjahren mit gestalterischen Änderungen eine heimeligere Atmosphäre schaffen wollen. So sei die Halle nur noch zu zwei Dritteln bespielt, das Foyer und die Garagen rausgenommen, die Bar in die Halle verlegt worden. "Aber das hat wenig gefruchtet."

Ein weiterer Knackpunkt fürs Aus

Und: Inzwischen trage nicht mehr der Hallenmieter, also der TSB, die Gesamtverantwortung, sondern der Hallenvermieter, die Stadtverwaltung Heilbronn. Das Rathaus achte "mit Argusaugen", so Jarosch, auf die Einhaltung der Vorschriften.

Keinen Aufwand habe der Verein unter anderem beim Sicherheitsdienst gescheut, wo die Security darauf schaute, "dass keine Betrunkenen reinkommen und kein Alkohol selbst mitgebracht werde - etwa im Rucksack von närrischen Bergvagabunden. Zudem sei der Eintritt erst ab 18 Jahren erlaubt gewesen.

Abschied fällt Verantwortlichen schwer

Die Absage der Kult-Veranstaltung habe sich der Verein gewiss nicht leicht gemacht. Die Problematik sei immer wieder im zuständigen Veranstaltungsausschuss, im Hauptausschuss und auch bei der Mitgliederversammlung diskutiert worden. 2019 versuchte man noch mit einer Werbeoffensive gegenzusteuern. "Aber der Erfolg hat sich nicht eingestellt," bedauert Jarosch. Selbst mit den Eintrittspreisen sei man von ehemals 20 D-Mark über 13 Euro und 17 Euro zuletzt auf 15 Euro runtergegangen, inklusive Freisekt. 

Wer den Handballer-Fasching 2019 noch einmal Revue passieren lassen möchte, dem sei diese Bildergalerie empfohlen:


Und: Schon früh habe der Verein statt zwei Bands nur noch eine engagiert. Unterm Strich habe sich der große Aufwand mit 50 Helfern zur einwöchigen Aufbauphase, 100 am Abend und etlichen zum Aufräumen nicht mehr gelohnt. So sei zuletzt nur noch ein kleiner vierstelliger Betrag übrig geblieben. Die ehrenamtlichen Helfer aus dem Verein habe dies nicht gerade motiviert.

Oktoberfest und Kinderfasching bleiben bestehen

Gleichzeitig beobachtet Herwig Jarosch ein gewandeltes Besucherverhalten. In Horkheim gehe der Trend zum Oktoberfest. Dieser Klassiker werde 2020 selbstverständlich wieder stattfinden, ebenso wie der beliebte Kinderfasching am Fastnachtssonntag.

Kommentare öffnen
Nach oben  Nach oben