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Große Verwirrung im Friseursalon

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Die geplante Notbremse der Bundesregierung stellt Friseure in der Region vor neue Herausforderungen. In der Branche herrscht Unklarheit über Testangebot und Testpflicht.

Maske ist Pflicht beim Friseurbesuch. Nun sollen mit der Notbremse auch noch eine Testpflicht für Kunden und Testangebote für Mitarbeiter eingeführt werden.
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Maske ist Pflicht beim Friseurbesuch. Nun sollen mit der Notbremse auch noch eine Testpflicht für Kunden und Testangebote für Mitarbeiter eingeführt werden. Foto: dpa  Foto: Ronny Hartmann

"Die Notbremse wird auf jeden Fall dazu führen, dass viele Kunden nicht mehr kommen", ist sich Jens Schmitt sicher. Für den Obermeister der Friseurinnung in der Kreishandwerkerschaft Heilbronn-Öhringen bringen die neuen Regeln zunächst vor allem eine "völlige Verunsicherung der Kollegen".

Land will Gesetze bereits am Montag umsetzen

Denn die Gesetzesregeln, die das Bundeskabinett beschlossen hat und die im Bundestag noch verabschiedet werden müssen, lassen Interpretationsspielraum zu. So heißt es dort, dass Friseurbesucher, "ein höchstens 24 Stunden altes negatives Testergebnis vorweisen müssen". Zudem müssen die Arbeitgeber für Ihre Beschäftigten mindestens zwei Mal in der Woche Schnelltests anbieten. "Unklar ist, was anbieten bedeutet und ob die Tests verpflichtend sind", sagt Jens Schmitt. Er ist gespannt, wie das Land die Frage interpretiert. Dort sollen die Regeln schon am Montag greifen.

Offene Fragen

Schmitt, der in Schwaigern seinen Friseursalon betreibt, hat eigens einen Lehrgang absolviert, um die geforderten Schnelltests abnehmen zu können. Er dürfte auch bei Kunden Tests durchführen. Wie das allerdings organisiert werden soll und ob das rein rechtlich möglich sein wird, steht derzeit noch in den Sternen.

Groß ist die Verunsicherung auch bei Ralph-Joachim Hoffmann. "Ich glaube, es wird ganz große Schwierigkeiten geben, weil noch keiner weiß, was die Beschlüsse bedeuten", betont der Geschäftsführer von Scissorys Friseure in der Heilbronner Kaiserstraße. "Was passiert mit den Geimpften und wo muss der Test gemacht werden?" will der 55-Jährige wissen. Eine Antwort darauf hat er bisher nicht bekommen, auch nicht beim Zentralverband der Friseure in Köln. "Ich habe dort angerufen, aber die wissen das auch nicht", sagt Hoffmann.

Kundenrückgang und Verluste

Er selbst hat schon 200 Tests gekauft und testet seine drei Mitarbeiter ohnehin schon seit drei Wochen. Darüber hinaus hat Hoffmann im Salon zwei Luftfilter und ein CO2-Messgerät einbauen lassen. 11 000 Euro hat sich das der Friseurmeister insgesamt kosten lassen. Deshalb ist er auch froh, dass die Geschäfte seit 1. März wieder öffnen durften. "Die ersten Wochen nach der Wiedereröffnung haben wir schon einen Boom erlebt, aber im April ist es wieder ruhiger geworden", so Hoffmann. Jetzt rechnet der 55-Jährige erneut mit Kundenrückgang und Verlusten. Im Nachbarland Österreich, wo ähnliche Gesetze gelten, ging die Zahl der Kunden um 30 bis 60 Prozent zurück. "Wir müssen schon kämpfen und ich hoffe, dass wir mit einem blauen Auge davonkommen", sagt Ralph-Joachim Hoffmann.

Auch Jens Schmitt ist froh, dass die Betriebe auch nach der Notbremse offen bleiben dürfen, doch er spürt unter den Kollegen derzeit viel Skepsis. "Momentan ist die Stimmung wieder sehr gedrückt", sagt der Obermeister: "Viele Salons denken wieder darüber nach, in Kurzarbeit zu gehen."


Nachgefragt: Skepsis unter Österreichs Friseuren wächst

In Österreich gilt die Pflicht für Kunden einen Eintrittstest vorzulegen, der nicht älter ist als 48 Stunden ist, schon seit der Wiedereröffnung der Friseursaloons nach dem dritten Lockdown am 8. Februar. Die Kunden reagieren auf diese Einschränkung mit Zurückhaltung, sagt der Innungsmeister der Friseurinnung Vorarlberg, Günther Plaickner (54), aus Götzis gegenüber der Stimme.

 

Herr Plaickner, wie sind Ihre Erfahrungen seit der Wiedereröffnung?

Plaickner: Bei mir lassen sich 90 Prozent meiner zwölf Mitarbeiter testen. Wer sich nicht testen lässt, muss eine FFP-2-Maske tragen. Wir hatten nach den ersten beiden Lockdowns jeweils einen riesigen Run auf die Friseursaloons. Nach dem dritten Lockdown blieb es ruhiger und seit zwei Wochen stellen wir fest, dass wir deutliche Kundenrückgänge von 30 bis 40 Prozent haben. In den grenznahen Regionen zur Schweiz liegen die noch höher weil hier die Grenzgänger wegbleiben.

 

Wie bewältigen Sie die Test-Herausforderungen?

Plaickner: Bei uns muss jeder die Tests selbst machen lassen. Dazu haben wir in den Orten Teststraßen eingerichtet, wo man sich sehr schnell und unkompliziert testen lassen kann. Selbsttests in den Saloons sind dagegen leider nicht erlaubt. Wir spüren aber, dass die Kunden möglichst unkompliziert zum Frisuer gehen wollen und dass Lauf- und Spontankunden wegbleiben.

 

Wie würden Sie derzeit generell die derzeitige Situation in der Branche bewerten?

Plaickner: Die Situation ist schon sehr angespannt und die Angst sitzt uns im Nacken. Zwar sind unsere Mitarbeiter durch die Kurzarbeit geschützt und wir bekommen einen gewissen Ausfallbonus bei Umsatzeinbußen ab 40 Prozent. Dennoch bleiben mindestens 20 Prozent Einbußen an jedem hängen. Zudem gibt es viele Testverweigerer und je länger die Maßnahmen dauern, desto weniger stehen die Friseure auch dahinter. 

 

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