Glaszentrum Schweikert am Ende
Die Sanierung beim insolventen Heilbronner Traditionsunternehmen ist gescheitert. 31 Mitarbeiter verlieren ihren Job.

Aus für das Glaszentrum Schweikert. Am 25. September endete in der Salzstraße eine traditionsreiche Firmengeschichte. Das 1885 in Heilbronn gegründete Unternehmen hat seinen Geschäftsbetrieb endgültig eingestellt.
Eigenverwaltung startete vielversprechend
"Es wurde eine Menge erreicht, aber es hat am Ende leider nicht gereicht", sagte Insolvenzverwalter Olaf Spiekermann auf Anfrage der Heilbronner Stimme. Das Glaszentrum Schweikert hatte Ende Juni 2017 beim Amtsgericht Heilbronn Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens in Eigenverwaltung gestellt.
Geschäftsführer Wolf von Trotha und der Insolvenzexperte Steffen Reusch waren damals guter Dinge, das Traditionsunternehmen trotz der schwierigen Branchensituation wieder auf die Erfolgsspur zu führen. Etwa 70 Mitarbeiter zählte das Glaszentrum Schweikert damals noch - in den besten Zeiten waren es mehr als 100.
Umstrukturierung und Fokussierung
Zunächst sah es auch so aus, als könnte die Sanierung gelingen. Die meisten Mitarbeiter blieben an Bord, auch Kunden und Lieferanten hielten Schweikert die Treue. "Ich glaube an die Zukunft der Firma", hatte von Trotha im August 2017 gegenüber der Stimme gesagt. Er und Steffen Reusch strukturierten das Unternehmen um, trennten sich von unprofitablen Bereichen und konzentrierten sich auf vermeintlich zukunftsträchtige Segmente wie Gläser für die Solarindustrie und Strahlenschutz in der Medizinbranche.
Erfolglose Suche nach Investoren
Doch seit diesem Sommer sei es wirtschaftlich nicht mehr gut gelaufen, berichtet Spiekermann, der zunächst Sachwalter und später Insolvenzverwalter war. "Die Prognosen haben sich nicht erfüllt, und es ist den Geschäftsführern auch nicht gelungen, einen Investor oder Übernehmer zu finden", sagt der Mannheimer Rechtsanwalt.
Insolvenzverwalter sah keine Perspektive mehr
Also beantragten die beiden Geschäftsführer beim Amtsgericht Heilbronn die Aufhebung der Eigenverwaltung, so dass Olaf Spiekermann nun entscheiden musste, ob es mit dem Glaszentrum weitergehen kann. "Ich habe die Situation ausführlich analysiert, mir alles vor Ort angeschaut", sagt der Insolvenzverwalter, der schließlich zu dem Schluss kam, dass es keine wirtschaftliche Perspektive für das Unternehmen gibt, bei dem zuletzt noch 31 Mitarbeiter tätig waren.
"Das ist traurig, wenn eine mehr als 130-jährige Geschichte der Heilbronner Glasindustrie zu Ende geht", betont Spiekermann. Man habe wirklich alles versucht, letztlich aber ohne Erfolg. Der Rechtsanwalt verweist auf die sehr schwierige Lage in der deutschen Glasindustrie, in der es in den vergangenen Jahren zahlreiche Insolvenzen gegeben habe.
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