Geschwister aus Schwaigern gelten nach Fernsehteam-Attacke als tatverdächtig
Ein Fernsehteam der "Heute-Show" wurde am 1. Mai mit Schlagwaffen und Tritten verletzt - der Chef der Produktionsfirma spricht von einer geplanten Aktion. Unter den Tatverdächtigen sollen zwei Personen aus Schwaigern sein. Eine Spurensuche.

Noch scheint vieles unklar zu sein, was einem Fernsehteam der ZDF "Heute-Show" am 1. Mai in Berlin widerfahren ist. Die Berliner "TV United Film- und Fernsehproduktion" berichtet für die Satire-Show von einer Demonstration gegen die Corona-Maßnahmen in der Nähe des Alexanderplatzes. Als die Mitarbeiter nach Drehende in einer Seitenstraße zusammensitzen, greifen nach Angaben der Polizei Berlin zwischen zehn und 25 Personen das Fernsehteam an.
Unklar ist die Rolle eines Geschwisterpaares aus Schwaigern. Eine 27-Jährige und ihr 25-jähriger Bruder (Namen liegen der Redaktion vor) sind mit vier Angreifern in Tatortnähe festgenommen worden. Nach Auskunft der Generalstaatsanwaltschaft Berlin sind die beiden tatverdächtig. "Der Tatverdacht ist aber nicht ausreichend, um einen Haftbefehl zu erwirken", sagt Oberstaatsanwalt Martin Steltner. Ein Kontakt zu den Geschwistern ließ sich nicht herstellen. Ihr Vater möchte sich nicht äußern.
Opfer mussten medizinisch behandelt werden
Laut einer Pressemitteilung der Polizei und der Generalstaatsanwaltschaft Berlin sind die Angreifer "unter anderem mit einem metallenen Gegenstand" auf das Team losgegangen. Die Ermittlungen seien "angesichts der Dynamik und der Unübersichtlichkeit des Geschehens aufwendig und schwierig". Vier Mitglieder seien verletzt worden, erklärt eine Polizeisprecherin. "Sie wurden alle ambulant behandelt. Bei einigen sind medizinische Folgebehandlungen nötig."
Harald Ortmann, Geschäftsführer der Produktionsfirma, sagt, dass sein Team gezielt angegriffen worden sei. Fluchtwagen und -fahrräder hätten bereitgestanden. Seit sein Unternehmen auch bei Pegida-Demonstrationen filmt, habe er bei Drehs Sicherheitskräfte dabei. Die Angreifer seien mit Sturmhauben vermummt und mit Schlagstöcken bewaffnet auf seine Mitarbeiter losgegangen. "Die Täter haben in Kauf genommen, dass Menschen sterben oder bleibende Behinderungen davontragen."
Einer der Verletzten aus seinem Team habe aufgrund von mehreren Hämatomen am Kopf Probleme, nachts zu schlafen, weil er sich nicht schmerzfrei hinlegen könne. Auch für Ortmann stellt sich die Frage nach dem Motiv der Täter. Er geht nicht davon aus, dass es sich um eine Verwechslung handelt. "Das war eine geplante Aktion." Der Produktionschef hält die Tat weder von links noch von rechts politisch motiviert. Wahrscheinlicher scheint ihm ein Angriff auf die Presse zu sein.
Zurück in die Region: Ob das Geschwisterpaar bei der Polizei Heilbronn bekannt ist, kann Sprecher Frank Belz mit Blick auf die laufenden Ermittlungen nicht beantworten. Die Geschwister waren ab und zu Gast im "sozialen Zentrum Käthe" in Heilbronn, einem Treffpunkt der linken Szene.
Heilbronner Soziales Zentrum verurteilt den Überfall
In einer Pressemitteilung verurteilt "Käthe" den Überfall aufs Schärfste. Der Angriff sei mit nichts zu rechtfertigen. Da noch unklar sei, in welcher Form die Geschwister an dem Überfall beteiligt gewesen sind, "erwarten wir eine Aufklärung des Tatgeschehens und eine klare und unmissverständliche Kommunikation". Sollten sich die Vorwürfe bewahrheiten, "gibt es für uns einiges aufzuarbeiten". Auf Nachfrage stellt sich Stefan Reiner von der "Käthe" die Frage, weshalb jemand, der zu Treffen in das soziale Zentrum kommt, "offensichtlich keine Übereinstimmung mit unseren Grundwerten vertritt". Dazu gehöre auch der Verzicht auf Gewalt.
Im selben Gebäude, in dem die "Käthe" ihren Sitz hat, ist auch die "Rote Hilfe" untergebracht. Sie unterstützt linke Aktivisten. Die Verfassungsschutzbehörden von Bund und Ländern stufen den Verein als linksextremistisch ein. "Wir stellen uns gegen Angriffe auf Pressevertreter", sagt ein Sprecher der "Roten Hilfe". Das Etikett linksextremistisch lehnt er ab.
Reaktionen und vorgeworfene Delikte
Nach Angaben eines Polizeisprechers hat der polizeiliche Staatsschutz beim Landeskriminalamt Berlin und das Dezernat, das für linksextremistische Straftaten zuständig ist, die Ermittlungen übernommen. Die Tatvorwürfe lauten: Verdacht des Landfriedensbruchs, der gefährlichen Körperverletzung, der Sachbeschädigung und Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte in einem Fall. Etwa 20 Polizisten waren im Einsatz. Die Bundesregierung hat die Angriffe auf das Fernsehteam verurteilt. "Wer Journalisten angreift, bedroht, verletzt, der steht weit außerhalb unserer demokratischen Ordnung", sagte Regierungssprecher Steffen Seibert.
Junge Union und Junge Liberale verurteilen Angriff
Vertreter der Jungen Liberalen und der Jungen Union aus der Region verurteilen den Angriff. Sie kritisieren vor allem das "Soziale Zentrum Käthe". Für die beiden Jugendorganisationen der CDU und FDP sei "die Käthe offenbar ein Treffpunkt für linksextremistische Organisationen, die ganz offensichtlich nicht vor Gewalt zurückschrecken, heißt es in einer gemeinsamen Pressemitteilung. Da Räumlichkeiten von Käthe "bereitwillig zur Verfügung gestellt werden, werden diese Strukturen und Netzwerke weiter gefördert".
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Kommentare
Fritz Gommlich am 13.05.2020 11:20 Uhr
Die Typen sollte man gleich wegsperren oder ins Salzwerk schicken zum Salz laden ,damit sie wieder zur Vernunft kommen.