Gastgewerbe in der Region klagt über hohe Verluste
Hotels, Restaurants und Caterer in der Region leiden immer stärker unter den Folgen der Coronavirus-Ausbreitung. Der Vorsitzende des Dehoga-Kreisverbands Heilbronn befürchtet ein Gaststättensterben vor allem von inhabergeführten Betrieben.

Martin Kübler, Vorsitzender des Dehoga-Kreisverbands Heilbronn, spricht von einer "dramatischen Situation" für die Betriebe. "Es geht ans Eingemachte." Der Hotel- und Gaststättenverband erwartet nach den Worten von Kübler dringend staatliche Soforthilfen wie die Reduzierung der Umsatzsteuer für Essen von 19 auf sieben Prozent. Trotzdem befürchtet Kübler ein Gaststättensterben vor allem von inhabergeführten Betrieben. Allein im März gingen in seinem Ballei- Restaurant 85 Prozent Absagen ein.
Seit dem Ausbruch der Coronakrise verzeichnete Edgar Rauer von Rauers Gute Stube in Untereisesheim rund 800 Stornierungen: "Das bedeutet für uns einen finanziellen Ausfall von etwa 25.000 Euro", sagt der Gastronom und ergänzt: "Stünden wir nicht so gut da, wären wir existenzgefährdet." Verstärkt abgesagt würden auch Veranstaltungen in der angegliederten Frankenhalle. So hätten beispielsweise die Allianz und ein Pflegeheim ihre Buchungen storniert. Auch die Seniorennachmittage der Gemeinde seien abgesagt worden.
Fast keine Auswirkungen hat das Coronavirus auf sein Catering-Geschäft. "Der Grund ist einfach: Es gibt noch keine großen Events", sagt Edgar Rauer. Eine Einschätzung, die Veranstaltungs-Gastronominnen Uschi und Hanne Schröter teilen: "Wir haben das Glück, dass es auf der Cateringseite noch ruhig ist." Überrascht war Uschi Schröter über den "großen Andrang" am letzten Sonntag bei der Eröffnung der "Seeterrasse" am Breitenauer See: "Wir haben noch keine Zurückhaltung gemerkt."
"Laube" läuft noch
Mehrere hundert Besucher zählt Matthias Kern pro Abend in der "Laube". "Das Coronavirus ist bei den jungen Leuten nicht unbedingt das Thema. Sie lassen sich im Großen und Ganzen von der Hysterie nicht anstecken", sagt Geschäftsführer Matthias Kern. Der Gastronom des Szenelokals vermisst aber eine klare Ansage der Politik: "Bis jetzt war vieles nur Giggelgaggel. Da ging Vertrauen verloren."
Absagen im Ratskeller
Schlaflose Nächte hat Rainer Mosthaf vom Ratskeller: "Corona trifft uns hart." Geschäftsessen wurden reihenweise abgesagt. "Und es kommen derzeit auch keine Neuanfragen", berichtet Mosthaf. Ebenfalls spürbar sei eine Zurückhaltung beim Mittagstisch: "Diese Woche ist es deutlich ruhiger als üblich." Die Zahl der Gäste schätzt er noch maximal auf zwei Drittel. Niemand wisse, wie es in vier Wochen aussieht. Beim Personal hat Mosthaf bereits reagiert. Zuerst seien seine Aushilfskräfte betroffen: "Die brauche ich vorerst nicht."
Im Besen Begrüßung per Fußkick
Erste Folgen spürt auch der Gundelsheimer Besen "Weinbau Pavillon": Am Mittwoch um die Mittagszeit machten sich die Gäste rar, in der Vorwoche war es um diese Uhrzeit noch brechend voll. Von Stornierungen ist Betreiber Norbert Greiss bislang verschont: "Bei uns feiern Privatleute." Für die nächste Zeit sieht er allerdings schwarz: "Experten prophezeien Verhältnisse wie in Italien." Wenn dann größere Feiern abgesagt werden, "dann muss ich Leute entlassen, und wir können zusperren." Davon sei man zum Glück noch ein Stück entfernt. Ein neues Willkommensritual hat in seinem Besen aber Händeschütteln und Umarmungen abgelöst: "Wir begrüßen uns nun per Fußkick."
Erst Reiseverbot, dann Stornos
Heftige Folgen hat die Epidemie für die Hotellerie, vor allem, nachdem viele Firmen ein Reiseverbot verhängt haben. "Bei uns sind rund 300 Zimmer aus der Buchung gefallen", sagt Stephanie Landerer. Für die Geschäftsführerin des Insel-Hotels in Heilbronn ist das aber nur die Spitze des Eisbergs: "Ich befürchte, dass das Dreifache an Buchungen erst gar nicht getätigt wurde." Die Situation sei gespenstisch, dennoch sagt sie: "Unser Betrieb läuft."
Auch Dienstleister wie Wäscherei betroffen
"Bei uns hat die große Stornowelle bereits Ende Februar eingesetzt", sagt Sebastian Huber vom Heilbronner Harbr Hotel. "Wir haben bereits 250 Übernachtungen verloren, und ich kann nicht sagen, wie viele Buchungen nicht erfolgt sind." Aktuell zumindest kommen keine neuen Anfragen rein. Beim Personal musste Huber noch keine Konsequenzen ziehen. Aber Dienstleister wie die Wäscherei spüren bereits die Folgen: "Sie haben ein deutlich geringeres Auftragsvolumen."
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