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Heilbronn

Gärtner aus Leidenschaft: Klaus Kölle wird 85 Jahre alt

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Der Heilbronner Unternehmer Klaus Kölle wird 85 Jahre alt. Seinen Geburtstag feiert er bei guter Gesundheit. Seit 1984 steht Klaus Kölle an der Spitze des mittelständischen Betriebes mit mehr als 200 Millionen Euro Umsatz und über 1500 Mitarbeitern.

Klaus Kölle inmitten seiner geliebten Rosen hat gut lachen: Der mittelständische Unternehmer feiert heute bei guter Gesundheit seinen 85. Geburtstag.
Foto: Mario Berger
Klaus Kölle inmitten seiner geliebten Rosen hat gut lachen: Der mittelständische Unternehmer feiert heute bei guter Gesundheit seinen 85. Geburtstag. Foto: Mario Berger  Foto: Berger, Mario

Unsere Kunden sind unsere Gäste" ist das Motto des traditionsreichen Heilbronner Familienunternehmens Pflanzen-Kölle. Zum Erfolg der Firma mit einem Jahresumsatz von mehr als 200 Millionen Euro hat ganz entscheidend Klaus Kölle beigetragen, der am Dienstag bei guter Gesundheit 85 Jahre alt wird.

Herr Kölle, was hat Sie in Ihrem Leben geprägt?

Klaus Kölle: Das waren die entbehrungsreichen Kriegsjahre mit dem 4. Dezember 1944 und die schlimmen vier Jahre Exil in Talheim.

Was war in Talheim so schlimm?

Kölle: Wir waren Vertriebene und wurden täglich von den gutgenährten Bauernbuben durch das Dorf getrieben und verprügelt. Und die Erwachsenen haben zugeschaut.

Was haben Sie daraus gelernt?

Kölle: In der Folgezeit habe ich mich auch für die Schwächeren eingesetzt und mein Vater Hugo hat uns von klein auf bestärkt: "Trampelt nie auf jemandem herum, der schon am Boden liegt." Geblieben ist auch eine soziale Verantwortung für die Schwächeren wie das Engagement für die Südstadtkids.

Gab es denn auch positive Erinnerungen an Ihre Kindheit?

Kölle: Insgesamt erinnere ich mich nur an schöne Dinge. Unbeschwert sind wir jahrelang vom Frühjahr bis zum Herbst nur in Lederhosen und barfuß herumgetobt.

Sind Sie gerne zur Schule gegangen?

Kölle: Nein, die Schule war für mich zu oft langweilig. Wir hatten im Gymnasium zu Beginn schlechte Bücher und nur wenige gute Lehrer.

Dann waren Sie kein guter Schüler?

Kölle: Nein, ich war sogar ein sehr aufmüpfiger Schüler. Ich habe mich auch gegen ungerechte Lehrer aufgelehnt.

Wie ging es beruflich für Sie weiter?

Kölle: Schon immer war meinem Vater klar, dass ich nach dem Einjährigen eine Gärtnerlehre in der Fremde machen muss. Denn er war der Meinung, es genügt, wenn mein Bruder studiert.

Wo waren Sie beruflich unterwegs?

Kölle: Nach meiner Lehrzeit habe ich als Gärtnergehilfe für 1,09 Reichsmark pro Stunde in Schleswig-Holstein in Baumschulen gearbeitet und habe dann je eine Sommersaison in Frankreich und 1958 in England gearbeitet.

Wie ging es dann beruflich weiter?

Kölle: Ich habe 17 Jahre lang als "Lehrling" bei meinem Vater gearbeitet, der sein Unternehmen als Patriarch geleitet hat. Das waren 17 harte Lehrjahre. Da mein Vater nicht mit 70, wie angesagt, sondern erst mit 90 den Betrieb übergeben wollte, hat dazu geführt, dass ich mich 1972 mit Blumenmärkten in den Breuningerländern selbstständig gemacht habe.

Waren Sie damit erfolgreich?

Kölle: Ja. Ich habe fünf Blumenmärkte aufgebaut und habe dabei drei Dinge gelernt: Dankbarkeit, Dienen und Demut.

War die Nachfolge so geplant?

Kölle: Nein, 1984 ist mein Vater überraschend gestorben und ich musste die Nachfolge antreten.

War der Aufstieg von Pflanzen-Kölle so vorhersehbar?

Kölle: Nein, das war er sicher nicht so, denn die letzten Jahre vor dem Tod meines Vaters haben wir intensiv nach einer Lösung gesucht, damit das Kölle-Familienunternehmen über die vierte Generation hinaus Bestand hat.

Das heißt, dass Sie erst nach dem Tod Ihres Vater den Betrieb übernommen haben?

Kölle: Ja, das waren die drei Gartencenter Heilbronn, München und Stuttgart und unsere Baumschule. Die Jahre, bevor ich diese Aufgabe übernommen habe, waren meine schönste Zeit. Ich hatte endlich mehr Zeit für die Familie und für schöne gemeinsame Urlaube. Ich habe angefangen zu golfen und wurde ein begeisterter Golfer, bin aber nicht besonderes talentiert.

Welchen Stellenwert hat das Unternehmen für Sie?

Kölle: Wenn ein Mittelständler erfolgreich sein will, dann gibt es nur eine Priorität und die heißt: Zuerst kommt die Firma, dann kommt noch einmal die Firma et cetera. Notgedrungen leidet da auch die Familie drunter. Aber ich war und bin immer mit Herzblut im Unternehmen und auch heute noch mit 85 täglich im Betrieb. Trotzdem habe ich an meinem 70. Geburtstag die Leitung an meine Tochter Angelika übergeben.

Wie ist das Unternehmen heute in der Spitze aufgestellt?

Kölle: Wir haben vier Geschäftsführer, drei von ihnen sind ambitionierte Externe, die unter der Leitung von Jörg Greimel sehr erfolgreich sind. Zum Nutzen von über 1500 Mitarbeiterfamilien und den zwölf Gesellschafterfamilien. Ich bin stolz darauf, dass unsere Führungskräfte in allen 13 Betriebsteilen hervorragende Erfolge erwirtschaften.

Wie ist Pflanzen-Kölle für die Zukunft aufgestellt?

Kölle: Es gibt große Herausforderungen, insbesondere die Digitalisierung. Ebenso schwierig ist es für uns Mittelständler, im Online-Geschäft mitzuhalten und gleichzeitig die stationären Gartencenter voranzubringen. Ein neuer Geschäftszweig ist die Dienstleistung, um bei unseren Kunden die Gärten zu bepflanzen und zu pflegen.

Was tun Sie, damit Ihre Gartencenterfilialen auch in Zeiten des Online-Handels weiter Bestand haben?

Kölle: Der Kunde soll sich bei uns wohlfühlen, deshalb investieren wir ja auch in unsere bestehenden Gartencenter jährlich bis zu fünf Prozent unseres Umsatzes. Das ist ein enorm hoher Anteil, damit wir auch für unsere Kunden attraktiv bleiben.

Wie hat das Unternehmen die Herausforderungen der Corona-Pandemie gemeistert?

Kölle: Die wichtigste Entscheidung war, nicht nur unsere Kunden ausreichend mit Pflanzen zu versorgen, sondern unsere Liquidität durch Erhöhung der Kreditlinien zusätzlich zu sichern. Die grüne Branche hat Corona gut überstanden. Ein gesundes Familienunternehmen überlebt nur mit hohem Eigenkapitalanteil. Wir liegen bei 55 Prozent.

Wie halten Sie sich fit? Denn wie Sie mir sagten, sind Sie als Geschäftsführer für die Baumschule und Pflanzen-Anzucht noch täglich im Betrieb.

Kölle: Natürlich muss ich akzeptieren, dass alles etwas länger dauert und ich mehr Erholungspausen brauche. Trotzdem kann ich mich noch täglich begeistern, besonders für schöne Qualitätspflanzen aus unseren Gärtnereien und für Kultur. Das Wichtigste ist: Ich möchte mir meine Neugierde erhalten und Entwicklungen offen gegenüberstehen.

Was wünschen Sie sich noch?

Kölle: Meine Generation hatte das Glück, dass sich die DDR mit der BRD friedlich vereinigt hat. Den Mauerfall habe ich am Brandenburger Tor als Glücksfall erlebt. Heute möchte ich gesund und wach weiter altern und bin dankbar für den Erfolg und das Glück, das ich erleben durfte und noch darf.

Zur Person

Klaus Kölle ist ein Mann der Tat. Nur Urlaub und Nichtstun gibt es nicht, gab es nie. Der gebürtige Heilbronner ist verheiratet, hat drei Töchter, acht Enkel und vier Urenkel. Um sich fit zu halten, achtet Klaus Kölle darauf, täglich 5000 Schritte zu gehen. Zudem treibt er zwei Mal wöchentlich Sport in einer Sportgruppe. Akzente setzt der Unternehmer unter anderem beim WKO, als Spendensammler für die Süd- und Nordstadtkids, als Kümmerer im Lions-Club und als politisch interessierter Mensch, der bei der finanziellen Unterstützung von Wahlkämpfen mehr auf die Persönlichkeit schaut als auf das jeweilige Parteibuch.

 

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