Flucht und Vertreibung im und nach dem Zweiten Weltkrieg

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Durch den Zweiten Weltkrieg mussten Millionen Deutschstämmige aus Osteuropa zurück in das Land ihrer Vorfahren. Vor 75 Jahren waren viele Deportationszüge unterwegs - auch in die Region Heilbronn.

Ein Zugtransport mit Ungarndeutschen aus St. Peter vor der Abfahrt im Frühjahr Jahr 1946.
Foto: Joschi Ament
Ein Zugtransport mit Ungarndeutschen aus St. Peter vor der Abfahrt im Frühjahr Jahr 1946. Foto: Joschi Ament  Foto: Alternativer Fotograf

Der von Nazi-Deutschland angestiftete Zweite Weltkrieg kostet nicht nur weit über 60 Millionen Menschen das Leben. Er entwurzelt auch zahlreiche Menschen in Europa. Als das Ende absehbar ist, setzen sich im Herbst 1944 große Flüchtlingsströme aus Ostpreußen, Pommern, Schlesien, Ostbrandenburg und dem Sudetenland Richtung Westen in Bewegung: angeordnet von deutschen NS-Behörden oder "freiwillig" aus Angst vor der näherrückenden Front. Berichte und Gerüchte über Racheakte, Vergewaltigungen und Plünderungen der Roten Armee oder von Partisanen tun ein Übriges.

Zwölf Millionen Menschen verloren ihre Heimat

Gleichzeitig beginnt noch während des Kriegs die gewaltsame Vertreibung deutscher Minderheiten aus Ost-, Mittel- und Südosteuropa. Etwa zwölf Millionen Deutsche verlieren ihre Heimat. Wie viele Menschen in den chaotischen Ereignissen sterben, ist bis heute unklar. Schätzungen sprechen von bis zu zwei Millionen Opfern.


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Ein Zugtransport mit Ungarndeutschen aus St. Peter vor der Abfahrt im Frühjahr Jahr 1946.
Foto: Joschi Ament
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Flucht und Vertreibung im und nach dem Zweiten Weltkrieg


Hunger, Kälte und Krankheiten begleiten die wochen- und monatelangen Märsche mit dem Pferdefuhrwerk, Handwagen, Rucksack, Koffer. Viele Familien werden auseinandergerissen, viele sind auf der Suche nach ihren verlorenen Angehörigen.

Züge aus Ungarn ins Unterland und nach Hohenlohe

Auf die oft chaotische Flucht und die wilde Vertreibung folgt nach Kriegsende von 1946 bis 1950 die auf der Potsdamer Konferenz von den Alliierten beschlossene "Aussiedlung" der Deutschen aus den Ostgebieten, Polen, der Tschechoslowakei und Ungarn.

Unweit der Grenze zu Österreich beginnt die Vertreibung im Januar 1946. Als erster Ort ist Wudersch (Budaörs) bei Budapest betroffen, bis Dezember 1946 folgen etliche andere, im März Etyek (Edeck). Die Züge fahren über Wochen in die Besatzungszonen, am 31. März erreicht einer Heilbronn.

Sprach- und noch ganz andere Probleme

Die alliierten Militärregierungen bringen Flüchtlinge und Vertriebene in Lagern wie am Weinsberger Weissenhof, in Notquartieren oder bei Privatfamilien unter. Nicht überall läuft das verordnete Zusammenleben von Einheimischen und Heimatvertriebenen reibungslos. Im Schwäbischen und Nordbadischen funktioniert die Völkerverständigung oft gut, vor allem unter der Landbevölkerung und unter Gleichgläubigen. Bei der ersten Volkszählung im Oktober 1946 werden in Deutschland 9,6 Millionen Flüchtlinge und Vertriebene gezählt. 1950 leben acht Millionen in der Bundesrepublik und vier Millionen in der DDR. Ihnen folgen bald sogenannte Übersiedler aus dem Ostblock. 

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