Fasching ist ein teurer Spaß
Die Saison kostet einen Faschingsverein schon mal eine sechsstellige Summe. Der Vorsitzende des größten Vereins der Region kann das genau vorrechnen.

Ein günstiges Vergnügen ist die Faschingszeit nicht. Eintrittsgelder für Prunksitzungen und Bälle, aufwendige Kostüme, Umzüge, der Alkohol - da kommen für echte Faschingsliebhaber schnell ordentliche Summen zusammen. Verglichen mit den Ausgaben der Fastnachtsvereine sind das jedoch reine Peanuts.
Einer, der es wissen muss, ist Hans-Peter Bechtold (56). Fast 20 Jahre ist er schon in der Vereinsführung im Gundelsheimer Carneval-Verein (GCV) aktiv. Seit 13 Jahren ist er Präsident des GCV, davor war er sechs Jahren Schatzmeister. Da weiß Bechtold über das Thema Finanzen gut Bescheid. Wofür Geld draufgeht und wie es wieder reinkommt, erklärt er ganz genau.
Hohes Jahresbudget und teure Kostüme
1962 gegründet, gehört der Verein heute zu den größten im Landesverband Württembergischer Karnevalvereine. Zwischen 130.000 und 140.000 Euro liegt das Jahresbudget des Vereins. Über 80 Prozent davon kostet den Verein eine Kampagne, also die Fastnachtszeit selbst.
Was wäre Fasching ohne schillernde und glitzernde Kostüme? Mehr als 20.000 Euro investiert der Verein dafür jährlich. Circa 5000 Euro gibt der Verein allein für die Orden aus. 300 Ansteckorden und 500 Halsorden sind es.
Dazu kommen jährlich 8000 bis 10.000 Euro für Technikinvestitionen, Bühnenbild-, Licht- und Tontechnik. "Allein das Bühnenbild hat uns im vergangenen Jahr 4800 Euro gekostet", sagt Bechtold. Kosten für Musikband und Saalkapelle betragen 13.000 Euro. Die Deko versuchen die Gundelsheimer möglichst wiederverwertbar zu gestalten. Mehr als 1000 Euro pro Jahr fallen dennoch an.
Immer wieder: Gema-Gebühren
Dann wären da noch die Gema-Gebühren. 830 Euro sind es pro Veranstaltung. Bei acht Prunksitzungen, Senioren- und Kindersitzung, Ordensball Rosenmontagsball, Rock in den Mai und dem Gundelsheimer Umzug werden da schnell 10 000 Euro fällig.
Apropos Faschingsumzug: Bei den Umzügen entstehen Kosten von 3000 Euro für Musikgruppen und 4000 Euro für Materialien wie die Kamellen (von den Wagen geworfene Bonbons und Geschenke).
Damit im wahrsten Sinne alles läuft, wollen die Umzugswagen in Schuss gehalten sein: Für die Unterhaltung und Sanierung fallen mindestens 1500 Euro im Jahr an. Und dann sind da noch die Fahrten zu auswärtigen Umzügen. 6000 Euro kosten die Busse dorthin.
Umzugseintrittsgeld ist umstritten
In den vergangenen Jahren haben die Gundelsheimer bei ihrem Umzug 2,50 Euro "Umzugseintrittsgeld" pro Nase eingesammelt. Etwas, das manchem Feiernden nicht gefallen hat, wie sich Bechtold erinnert. Am Ende sei man damit zwar auf etwa 6000 Euro reine Einnahmen gekommen, dennoch sei so ein Umzug "ein reines Drauflegergeschäft".
Das meiste Geld holt der Verein über seine Prunksitzungen wieder rein. Etwa 54 000 Euro kamen dabei im vergangenen Jahr zusammen. "Die Halle mit 480 Plätzen ist meistens ausverkauft." Im Schnitt kostet eine Karte 20 Euro - 24 Euro im Saal, 19 Euro auf der Empore.
Über Eintrittsgelder allein könnte sich die Kampagne aber nicht finanzieren. Auch Zuschüsse bekomme der Verein - abgesehen von jährlich knapp 2000 Euro durch die Vereinsförderung für Jugendliche - keine. Über Spenden kommen etwa 5000 Euro in die Vereinskasse.
Werbepartner sind wertvoll
Besonders wichtig sei die Werbung im Jahresheft: Etwa 150 Werbepartner schalten darin auf den 210 Din-A-5-Seiten ihre Anzeigen. 130 Euro zahlt der Kunde für eine halbe, 190 Euro für eine ganze Seite. 3500 Exemplare drucken die Gundelsheimer. 7000 Euro kostet das den Verein laut Bechtold.
Dann gibt es noch die Traktorwerbung. Die befindet sich auf der Schutzverkleidung, welche Feierwütige davor bewahren soll, unter den Rädern zu landen. 250 bis 500 Euro kostet die Werbung.
Immer wieder Werbepartner zu akquirieren, aktiv im Umfeld zu suchen, das sei auch Aufgabe der 300 aktiven Mitglieder. Insgesamt hat der Verein 1100 Mitglieder. Der Mitgliedsbeitrag beträgt zehn Euro im Jahr. "Finanziell gesehen machen Mitglieder nicht viel aus. Die Zahl ist bedeutend für den Bekanntheitsgrad, das Netzwerk." Die aktiven Mitglieder arbeiten ehrenamt- lich, wie Bechtold betont. "Anders würde es nicht funktionieren."
Wirtschaftsstimme
Dieser Artikel erscheint in der Wirtschaftsstimme, die am Dienstag, 25. Februar, unserer Zeitung beiliegt. Die neue Ausgabe beschäftigt sich mit Genossenschaften in der Region sowie Hotels, Tagungen und Gastronomie

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