Original Erlenbacher Weinfest: Der Funke springt auch auf junge Leute über
Viele Gäste strömen seit vergangenem Freitag nach Erlenbach, um die 45. Ausgabe des Original Erlenbacher Weinfests zu erleben. 150 Weine vom Kayberg sorgen bis Montag für Abkühlung bei tropischen Temperaturen.

Hinter dem Backhaus bereiten am Samstagmittag die Backfrauen Zwiebel- und Peterlingkuchen vor. Zuerst werden die Zwiebeln von Hand geschält, dann in einer Schneidemaschine geschnitten, im Anschluss zehn Minuten vorgedämpft. Dann können sie zu einer Masse weiterverarbeitet werden, die später auf die Teiglinge kommt. "Nur die ersten zehn Minuten tränen die Augen beim Zwiebeln schälen, dann geht es", sagt Regina Horst, die seit 40 Jahren beim Erlenbacher Musikverein ist und seither beim Original Weinfest als Backfrau mithilft.
"Das ist wie in einer Produktionsstraße. Das ganze Dorf ist im Einsatz." Auch bei der Petersilienstation geht es eifrig her. Die vielleicht jüngsten Helfer sind Laura und Victor aus Hemsbach: Mit ihrer Großmutter sind sie angereist, um im Erlenbacher Backhaus mitzuhelfen. Victor taucht die Petersilie konzentriert in den Zuber ein. "Ein echtes Weinfestkind", erzählt seine Großmutter. "Er ist an einem Weinfest-Freitag geboren. Am Montag wird Victor dann acht."
"Unglaublich, was die Vereine jedes Jahr auf die Beine stellen"

"Der Funke springt auf die jüngere Generation über", sagt Bürgermeister Uwe Mosthaf, der sich am späten Samstagnachmittag mit Veranstalter Florian Diefenbach bei einem Gläschen Grauburgunder und einem Zwiebelkuchen eine Auszeit gönnt. Das Weinfest ist für Mosthaf eine Tradition, die er beibehalten und weitergeben will. "Was die Vereine hier jedes Jahr auf die Beine stellen, dieser unglaubliche Zusammenhalt ist das, was das Weinfest ausmacht, findet auch Maria Mosthaf, die sich mit einem Gläschen dazugesellt. Der Marktplatz hat sich inzwischen gefüllt. Gar nicht mehr so einfach, den Weg durch die lachenden und schlendernden Besucher zu finden. Weinstand reiht sich an Weinstand, festlich geschmückt mit Kränzen und frechen Sprüchen.
Weinprinzessin Birthe Meseke aus Stuttgart begrüßt auf der Bühne am Marktplatz die Besucher und gibt ihre Einschätzung zur kommenden Weinlese: "Auch wenn das Wetter in der letzten Zeit regnerisch und für viele, die sich auf die Sommerferien freuten, nicht schön war, haben das die Trauben gebraucht, um zu reifen. Die Prinzessin im roten Kleid tippt auf eine gute Weinlese und zeigt sich begeistert vom Fest. "Das Original Erlenbacher Weinfest feiert bestimmt nicht ohne guten Grund das 45. Jubiläum. Und es werden bestimmt weitere 45 folgen," strahlt die Kellermeisterin und nimmt einen kräftigen Schluck aus dem Römer.
Bei einem Rundgang mit der Weinprinzessin gibt es den Blick hinter die Kulissen

Bei einem Rundgang durch den Altstadtkern macht die Weinprinzessin Halt am traditionellen Backhaus, in dessen beiden Öfen das Feuer lodert. Sie will erfahren, wer die köstlichen Zwiebel- und Peterlingkuchen macht. Die Weinprinzessin trifft auf Anna Meier, ehemalige Zwiebelkönigin und seit 25 Jahren als Backfrau tätig. Im Backhaus schätzt sie die Temperatur auf etwa 34 Grad. Direkt an den Öfen ist es besonders heiß. Eine Helferin weiß: "In den Öfen sind es 320 Grad."
Am Montag steht zum Festabschluss die Wahl der Zwiebelkönigin an. Beste Chancen habe, wer lange dabei ist, sagt Anna Meier, bevor sie sich wieder dem Backofen zuwendet. Weiter geht es zum Stand der Pfadfinder, "Pfadis" genannt. Helfer Felix schenkt gerade einen Spätburgunder Weißherbst ein, den nicht nur er gerne im Glas hat. "Die Besucher nehmen den Wein bei uns flaschenweise mit."
Bei der Privatkellerei von Martin Keicher gibt es einen "Schlüpferstürmer". Der Weincocktail mit Johannisbeere sei eine Erfindung seines Vaters gewesen, erzählt Martin Keicher. "Jetzt brauche ich aber einen alkoholfreien Wein, lacht Birthe Meseke.
Ein kühler Wind hat mit Einbruch der Dämmerung eingesetzt, während die Studenten Denis, Marc und Laura Richtung Marktplatz schlendern. "Wir treffen uns jedes Jahr hier mit unseren Freunde aus Schulzeiten", sagt Marc. "Es ist das beste Weinfest in der ganzen Region", ergänzt Laura.



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