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Heilbronn/Weinsberg

Einigung bei Läpple über Personalabbau

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Beim Heilbronner Autozulieferer Läpple sollen bis zu 300 Mitarbeiter freiwillig gehen. Besonders betroffen ist der Standort Weinsberg der Läpple-Tochter Fibro.

Auch der Bereich Rundtische bei Fibro in Weinsberg wird von dem jetzt vereinbarten Maßnahmenpaket betroffen sein.
Auch der Bereich Rundtische bei Fibro in Weinsberg wird von dem jetzt vereinbarten Maßnahmenpaket betroffen sein.  Foto: Läpple

Nach intensiven Verhandlungen mit den Arbeitnehmervertretern hat sich die Läpple-Gruppe auf ein Maßnahmenpaket zur Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit geeinigt. Kernpunkt der Einigung: Mit Hilfe eines Freiwilligenprogramms sollen bis zu 300 Arbeitsplätze an den vier deutschen Standorten der Gruppe abgebaut werden.

Fibro in Weinsberg besonders betroffen

Besonders betroffen ist der Standort Weinsberg der Läpple-Tochter Fibro. Vorstandssprecher Klemens Schmiederer und sein Kollege Stephan Itter hatten dies bereits im Oktober 2020 angekündigt und auch betriebsbedingte Kündigungen beim Spezialisten für Normalien und Rundtische nicht ausgeschlossen. Hintergrund ist der weltweit schwächelnde Werkzeugmarkt, der der einstigen Ertragsperle im Konzern seit vielen Monaten zu schaffen macht.

Die erzielte Vereinbarung sieht den Verzicht auf betriebsbedingte Kündigungen bis 30. September dieses Jahres vor. Bis dahin sollen möglichst viele Mitarbeiter in allen Unternehmensteilen die Läpple-Gruppe freiwillig verlassen. In einer Transfergesellschaft haben sie die Möglichkeit, sich bis zu zwölf Monate für einen neuen Job zu qualifizieren.

Fest steht: In Weinsberg wird der Produktbereich Stempelfertigung geschlossen. "Das war aus wirtschaftlichen Gründen unvermeidbar", sagt Schmiederer. Dieses Verschleißprodukt könne in China und Indien deutlich kostengünstiger hergestellt werden. "Diese Stempel verkaufen wir bisher mit Verlust", ergänzt der kaufmännische Vorstand Stephan Itter. Rund 40 Mitarbeiter sind von der Schließung dieses Bereichs betroffen. Ihnen sollen Stellen in anderen Unternehmensbereichen angeboten werden. "Das Interesse der Mitarbeiter, von Weinsberg nach Heilbronn zu wechseln ist groß", sagt Itter. Gerade im Automotive-Bereich habe man aufgrund der guten Auftragslage zusätzlichen Personalbedarf.

Alle Bereiche sind betroffen

Insgesamt sollen am Fibro-Standort Weinsberg rund 90 der gut 250 Arbeitsplätze wegfallen. Der Rest verteilt sich auf die weiteren Standorte der Gruppe in Haßmersheim, Heilbronn und im bayerischen Teublitz. Insgesamt beschäftigt Läpple rund 2700 Mitarbeiter.

"Wir sind zufrieden mit dem erzielten Verhandlungsergebnis und haben eine hohe Einigungsfähigkeit gezeigt", lobt Vorstandssprecher Schmiederer die Einigung nach acht Verhandlungsrunden mit den Betriebsratsgremien und Vertretern der IG Metall. Die vereinbarten Maßnahmen würden das Unternehmen dabei unterstützen, "wieder auf ein branchenübliches Ergebnisniveau" zu kommen.

Reaktionen der Arbeitnehmervertreter

Von "sehr unerfreulichen" geplanten Strukturmaßnahmen des Vorstands spricht Konzernbetriebsratsvorsitzende Andrea Loosmann. In den Verhandlungen sei es gelungen, die Maßnahmen für die Kollegen abzumildern. "Ziel ist ein sozialverträglicher Personalabbau", sagt Loosmann.

Als Erfolg verbucht Philipp Zänker von der IG Metall Heilbronn-Neckarsulm, dass der Standort Weinsberg erhalten bleibt. "Wir hatten Sorge vor einem Kahlschlag", sagt er. Das Ergebnis sei zwar "immer noch bitter", mit dem Kompromiss könne man aber leben, so Zänker. Man werde die Mitglieder nun intensiv über das komplexe Freiwilligenprogramm aufklären und beraten. "Wir sind sehr zuversichtlich, dass das funktionieren wird."

Die Läpple-Gruppe

Die Läpple-Gruppe besteht aus mehreren Gesellschaften an unterschiedlichen Standorten. Am Stammsitz Heilbronn sind die Bereiche Automotive und die Aus- und Weiterbildungs GmbH angesiedelt. Die Tochter Fibro ist Spezialist für Rundtische und Normalien und ist in Weinsberg sowie in Haßmersheim ansässig. Ebenfalls in Haßmersheim sitzt der Automationsexperte Fibro Läpple Technology (FLT). Sowohl Fibro als auch die FLT sind auch international mit mehreren Standorten präsent. In Teublitz hat Läpple außerdem noch einen Automotive-Standort. Insgesamt beschäftigt die Gruppe aktuell rund 2700 Mitarbeiter, der Umsatz lag 2019 bei 517,2 Millionen Euro.

 

 

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