Eine mysteriöse Diebstahlserie seit 15 Jahren
Bei einer Lauffener Baumschule wurden Obstbäume im Wert von 1200 Euro gestohlen. Für die Betroffenen ist das leider nicht neu. Jedes Jahr stehlen Unbekannte Bäumchen und Sträucher - und zwar nur ganz bestimmte.

Leere Blumentöpfe aus Kunststoff rollen im warmen Frühlingswind hin und her. An anderer Stelle stehen die schwarzen Töpfe nur noch mit Erde gefüllt in Reih und Glied. Was fehlt, sind die Pflanzen. Eine rätselhafte Diebstahlserie beschäftigt die Polizei. Die Betroffenen Monika (46) und Bernd Scheuermann (43) sind ratlos.
Seit Generationen ein Familienbetrieb
Die Geschwister betreiben in Lauffen die Baumschule Belser und Scheuermann, ein Spezialbetrieb für Beerenobst und Obstgehölze im Topf. Seit vier Generationen wird das Unternehmen in Familientradition geführt. Mutter Hilde ist die Inhaberin.
Irgendwann zwischen Samstag und Montag der vorvergangenen Woche hat ein unbekannter Täter 74 Obstbäumchen gestohlen. Außerdem 30 Himbeer-, 21 schwarze Johannisbeer- und zehn Brombeersträucher.
"Seit etwa 15 Jahren werden wir im Frühjahr beklaut"
Nicht zum ersten Mal sei der Betrieb Opfer eines Diebes geworden. "Seit etwa 15 Jahren werden wir im Frühjahr beklaut. Immer dann, wenn wir unsere Ware frisch topfen", sagt Monika Scheuermann. Der Täter gehe systematisch vor. Er suche nur nach ganz bestimmten Sorten. Den Schaden schätzt sie dieses Mal auf 1200 Euro.
Die 46-Jährige vermutet, dass der oder die Täter für den Abtransport mit einem Traktor, einem Lastwagen, einem Transporter oder Kleinbus angerückt sind. "Möglich wäre auch ein Quad mit einem Anhänger." Die Familie hofft auf Zeugen, die in den Nachtstunden Auffälliges beobachtet haben.
Nicht gegen Diebstahl versichert
Nicht immer haben die Scheuermanns den Diebstahl angezeigt. Vor zwei Jahren hingegen schon. Damals fehlten 600 Himbeersträucher. Über Nacht. Auch im Frühjahr. Der oder die Täter wurden nie geschnappt. Der Schaden damals: 3000 Euro. Versichert sind sie nicht.
"Das ist seit Jahren vermutlich ein und derselbe Täter", sagt Monika Scheuermann. Ein Hausgartenbesitzer, so vermutet sie, komme für den Diebstahl nicht infrage. "Der kann mit solchen Pflanzungen nichts anfangen." Die Scheuermanns halten sich mit Verdächtigungen zurück.
Und die Polizei? Tappt bislang im Dunkeln. "Wir hoffen darauf, dass jemand beobachtet, wie irgendwo viele Bäume eingepflanzt werden", sagt Rainer Köller, Pressesprecher des Polizeipräsidiums Heilbronn. Ob es ein und derselbe Täter ist, sei fraglich. "Wenn wir denselben Modus Operandi ausmachen, könnte es sein."
Wildkamera aufgehängt
Die Scheuermanns blieben nicht untätig. Vergangenes Jahr beispielsweise haben sie nach dem Diebstahl von mehreren Kirschen- und Zwetschgenbäumchen eine Wildkamera aufgehängt. Der Täter schlug nicht mehr zu. Auch gut gemeinte Ratschläge haben sie bekommen. Das weitläufige Gelände mit einem Elektrozaun sichern beispielsweise.
"Wenn einer einsteigen will, schneidet er den Elektrozaun auf", sagt Bernd Scheuermann. Den oder die Täter auf frischer Tat ertappen sei schwierig. "Das Gelände ist einen Kilometer lang und bis zu 400 Meter breit." Das Ende der Anlage ist vom Hauptgebäude aus kaum noch sichtbar. Ein Täter, der nachts zuschlägt, hätte leichtes Spiel. Bernd Scheuermann vermutet die Tatzeit in den Nachtstunden. "Entweder gegen 22 Uhr oder morgens um vier."
Nichts Verdächtiges beobachtet
Einen Angler, der nachts am Neckar seine Angel auswarf, habe Monika Scheuermann bereits befragt. Bis auf ein paar betrunkene Jugendliche habe er nichts beobachtet, habe dieser erzählt. Und diese hält sie auf keinen Fall für die Täter. Bernd Scheuermann gibt sich unbeeindruckt. "Ich lasse mich nicht durcheinander bringen. Das geht 100 Mal gut. Irgendwann wird der Täter erwischt."
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