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Ein Wohngebiet-Projekt für E-Autos scheitert an der Sondergebühr

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Aus dem Versuch, auch abseits der Zentren ein Angebot zu schaffen, wurde nichts. Die Ladesäulen-Firma sagt: Die Heilbronner Preise sind zu hoch. Die Amtsleiterin der Stadt verweist auf das knappe Gut Straßenraum und dass man langfristige Verträge anbot.

von Carsten Friese
Jörn Heid lädt daheim in Biberach umständlich sein E-Auto. Er wünscht sich Ladesäulen im Wohngebiet.
Jörn Heid lädt daheim in Biberach umständlich sein E-Auto. Er wünscht sich Ladesäulen im Wohngebiet.  Foto: Friese, Carsten

"Das Laden muss zu den Menschen kommen. Im Wohngebiet wären Ladesäulen eine ideale Lösung." Der Biberacher Jörn Heid fährt mit Überzeugung E-Auto.

Doch die entfernt gelegenen Ladesäulen in Heilbronn oder auch am Biberacher Bürgeramt mit langsamer Ladeleistung sind für ihn in der Gesamtschau wenig praktikabel. "Ich laufe doch nicht nach Feierabend oder im Regen gut 15 Minuten nach Hause und später nach Stunden Ladezeit wieder vom Wohngebiet 15 Minuten in den Ort rein", hält er die bisherigen Angebote nicht für sehr bürgerfreundlich.

"Langsam-Ladesäulen machen nur in der Nähe von Wohngebieten Sinn", findet der Biberacher Jörn Heid

Dass sein Versuch scheiterte, über den Ladesäulenanbieter "On Charge" in Abstimmung mit der Stadt Heilbronn zwei Parkplätze mit einer Ladesäule in sein Wohngebiet Kehrhütte zu bringen, hat ihn enttäuscht. "AC-Ladesäulen machen nur Sinn, wenn sie in der Nähe der Wohngebiete sind", ist Heid überzeugt. Doch warum hat der Versuch nicht geklappt - und wie gut ist das Angebot an Ladesäulen in den Stadtteilen? Die Firma On Charge Elektromobilität mit Sitz in Köln errichtet deutschlandweit Ladesäulen in städtischen Wohngebieten. Von rund 150 aufgebauten Ladesäulen bisher und weiteren 150 geplanten nach abgeschlossenen Verträgen mit Kommunen berichtet Geschäftsführerin Denise Neumann auf Stimme-Anfrage.

Den Versuch, auch in Heilbronn eine Säule zu errichten, bestätigt sie. Dass die Stadt 200 Euro Sondernutzungsgebühr im Jahr gefordert habe, sei "ein bisschen zu viel" für einen wirtschaftlichen Betrieb. Die meisten Städte nähmen in Wohngebieten keine Gebühr in den ersten Jahren oder nur eine geringe. Man müsse sehen, dass die Nachfrage am Anfang gering und kein Gewinn möglich sei. Heilbronn sei mit seiner Gebühr mit Abstand die einzige Stadt in der Höhe, so Neumann. Daraufhin habe On Charge entschieden, das Ladesäulenprojekt in Biberach nicht zu starten.

Die Sondernutzungsgebühr ist im ganzen Stadtgebiet gleich hoch

Wird die Stadt hier zum Bremser eines möglichen weiteren Aufbaus von E-Mobilität? "Straßenraum ist ein knappes Gut. Deshalb erhebt die Stadt Gebühren für Sondernutzungen, die über den Gemeingebrauch hinausgehen", erklärt Christiane Ehrhardt auf Anfrage, die Leiterin des Amtes für Straßenwesen. Es seien stadtweit 200 Euro pro Ladesäule und Jahr. Durch langjährige Verträge gebe es Betreibern eine wirtschaftliche Sicherheit. Es seien privilegierte Plätze. Anderen Verkehrsteilnehmern stünden die Parkplätze an einer Ladesäule nicht mehr zur Verfügung.

In Gesprächen mit anderen Betreibern sei die Sondernutzungsgebühr "bisher kein Diskussionsgegenstand" gewesen, wundert sich Ehrhardt. Allerdings: Bisher waren abgelegene Wohngebiete nicht die primär ausgewählten Standorte, sondern stärker frequentierte Orte in Zentren oder in der Nähe von Arbeitslätzen und Einkaufsmöglichkeiten.

Nach Angaben von Ehrhardt gibt es in den Stadtteilen Heilbronns acht Ladepunkte in Sontheim, acht in Böckingen, 25 in Neckargartach (davon vier in den Böllinger Höfen und 16 am SLK-Klinikum) sowie je zwei Ladepunkte in Biberach und Kirchhausen. Vier weitere Ladepunkte sollen in Frankenbach entstehen. In abseitigen Wohngebieten offenbar nicht. Derzeit sei eine Umsetzung weiterer Ladepunkte in Randgebieten der Stadt nicht geplant, erfuhr Jörn Heid von den Stadtwerken.

 

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