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Die letzten Tage im Heilbronner Impfzentrum brechen an

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Die Mitarbeiter gehen nach dem Pandemie-Einsatz mit einem gutem Gefühl. Rund 125.000 Impfungen in acht Monaten bedeuten einen vorderen Platz im Land. Der Imfpbus, Hausärzte und Corona-Schwerpunktpraxen bleiben Anlaufstellen für Impfwillige.

von Carsten Friese
Nehmen am Donnerstagabend Abschied: die Mitarbeiter im Kreisimpfzentrum in Heilbronn-Horkheim. Viel Dankbarkeit und nur vereinzelt Impfkomplikationen haben sie erlebt.
Foto: Mario Berger
Nehmen am Donnerstagabend Abschied: die Mitarbeiter im Kreisimpfzentrum in Heilbronn-Horkheim. Viel Dankbarkeit und nur vereinzelt Impfkomplikationen haben sie erlebt. Foto: Mario Berger  Foto: Berger, Mario

Das Ende naht: Die letzten zwei Tage im Kreisimpfzentrum Heilbronn stehen bevor. Nach acht Monaten mit gut 125 000 Einzelimpfungen (inklusive Impfbus und mobilen Impfungen) fällt am Donnerstag um 20 Uhr in der Stauwehrhalle der Vorhang.

Viele Mitarbeiter haben das Projekt über Monate begleitet. "Ich bin traurig. Es war ein wunderbares Arbeiten in einer tollen Gemeinschaft", sagt Ärztin Dr. Annemarie Janssen am Dienstag beim Besuch der Stimme. 250 Tage sind hier Impfbereite versorgt und gegen das Corona-Virus geimpft worden. An guten Tagen waren es bis zu 1170 (4. Juni) - obwohl die Kapazität vom Land mit 840 berechnet worden war. Zuletzt ist der Andrang deutlich abgeflaut. Aber gut 200 oder bis zu 300 kamen immer noch noch in die Halle, vor allem zur Erst- und Drittimpfung.

Mehr als nur ein Arbeistplatz, zum Dank brachten Geimpfte Kuchen vorbei

Für den ärztlichen Leiter Dr. Martin Uellner war es eine erfolgreiche Anlaufstelle in der Pandemie. Jetzt gehen die Impfaufgaben auf Hausärzte über, von denen die meisten ihre Patienten weiter impfen. Zeitige Anmeldung ist nötig, damit Termine für mehrere zusammengefasst werden können. Auch der Impfbus fährt weiter, Corona-Schwerpunktpraxen bleiben weiter Anlaufstellen.

"Es war mehr als nur ein Arbeitsplatz", findet Holger Braun, der sonst bei der Heilbronn Marketing GmbH (HMG) Veranstaltungen organisiert. Mit gutem Gefühl sei man hergekommen, das System habe wie ein Uhrwerk mit vielen Zahnrädchen funktioniert.

Fachkrankenpfleger Franz-Georg Jungmann war in den Impfkabinen im Einsatz. Viel Dankbarkeit hat er dort erlebt. An einem Tag hätten Geimpfte zum Dank vier Kuchen vorbeigebracht, erzählt Annemarie Janssen. Einen Ehegatten konnte man mit einer besonderen Übergabe glücklich machen, nachdem er in der Halle seinen Ehering verloren hatte.

 

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Nur vereinzelt Impfkomplikationen behandelt

"Ich hätte gern weitergemacht", sagt Franz-Georg Jungmann - auch für weniger Lohn, wie er betont. Das Abflauen der Kurve hat Martin Uellner erwartet. Natürlich hätte man sich insgesamt noch mehr Impfbereite gewünscht. Von Bürgern, die zuletzt kamen, hat er Aussagen wie "vorher keine Zeit" oder "nicht genügend informiert worden" gehört. Für ihn sind das Ausreden oder ein Wegschieben der Problematik.

Vereinzelt hat es im Impfzentrum Komplikationen gegeben, berichtet Ärztin Janssen. Sie verweist auf kollabierte Patienten, die man behandelte. Einen Bürger habe man in eine Klinik bringen müssen - ein Fall bei über 120 000 Impfungen. In vier starken Notfällen, zum Beispiel bei allergischen Reaktionen, habe das Ärzteteam Patienten in der Halle Medikamente spritzen müssen.

In den letzten Wochen hat die Crew vereinzelt Impfdosen wegwerfen müssen, weil sie nicht mehr haltbar waren. Die Liste mit Ersatzkandidaten hatte man zuletzt auf Null abtelefoniert. Einige aus der Gruppe machen in mobilen Impfteams oder im Impfbus weiter, andere kehren an ihren Arbeitsplatz zurück, wie Holger Braun und Fabian Dreyer von der HMG. Ein kleines Grillfest mit Umtrunk hat die Gruppe am Wochenende in Horkheim veranstaltet - Ärzte hatten für die kleine Abschlussfeier zusammengelegt.

"Innerlich wird schon eine Träne fließen", sagt Holger Braun. Alle hoffen, dass die Menschen sich weiter gegen Corona impfen lassen. Das Virus, sagt Martin Uellner, "verschwindet ja nicht." Stolz ist die Crew auf eine interne Liste, in der das Impfzentrum Heilbronn landesweit unter den ersten Vieren liegt. "So schlecht", sagt Braun, "können wir von der Effektivität dann nicht gewesen sein."

Ilsfeld ist bereits geschlossen, am Mittwoch noch eine mobile Impfung in Beilstein

Das Impfzentrum des Landkreises in Ilsfeld-Auenstein ist seit Montag geschlossen. Dort wurden 84 507 Impfungen verabreicht. Spitzentag war der 17. Juli mit 1201 Impfungen. Am heutigen Mittwoch gibt es noch eine mobile Impfaktion in Beilstein (am Kinderhaus) von 11 bis 16 Uhr.

Impfbus tourt weiter durch die Stadt

Der Impfbus Heilbronn fährt auch im Oktober weiter durch die Stadt. Da die Finanzierung durch das Land Ende September ausläuft, war der weitere Einsatz zunächst fraglich. Nun tritt die Stadt Heilbronn in finanzielle Vorleistung.

An Spitzentagen lassen sich im Bus um die 300 Menschen impfen, seit seinem Start am 27. Juli waren es bislang über 10 000. Die Impfung im Bus ist kostenlos, eine Terminvereinbarung nicht notwendig. Mitzubringen ist lediglich ein Ausweisdokument. Die Einsatzorte und Zeiten sind im Internet unter www.heilbronn.de abrufbar.

 
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