Daunenjacke und Moonboots bei "Wein am See"-Premiere
Tausende Besucher trotzen von Freitag bis Sonntag der Kälte bei "Wein am See". Sie genießen die Auswahl aus 168 Weinen und das hochwertige Angebot an regionalen Speisen.
"Ich bin selig", ist Dirk Mosthaf am Sonntagnachmittag erleichtert. Von Donnerstag auf Freitag hatte der geschäftsführende Vorstand der Winzer vom Weinsberger Tal und Mitinitiator von "Wein am See" eine schlaflose Nacht. "Die Aufregung und Nervosität war da, wenn man sowas zum ersten Mal macht", gibt er zu. Zumal die Wettervorhersage wenig Gutes verhieß. Trotz Kälte sind am Wochenende Tausende Besucher zur Premiere im Naherholungsgebiet gekommen.
Die meisten haben ihre Daunenjacken wieder aus dem Schrank geholt. "Manche waren mit Moonboots und Handschuhen ausgestattet", hat Dirk Mosthaf beobachtet. Der Freitag war mit 4000 Gästen sehr gut besucht. Immerhin 1500 kamen am Samstagabend. "Punkt 17.15 Uhr hat es aufgehört zu regnen", freut sich der 42-Jährige.
Im Liegestuhl bei neun Grad Celsius
Die ausleihbaren Picknickdecken werden zwar nicht benötigt. Aber trotz neun Grad Celsius sind am Sonntagnachmittag viele Liegestühle am Ufer besetzt. Das Ehepaar Abt aus Marbach hat sich Gyros und Flammkuchen schmecken lassen. Jetzt genießen sie ein Glas Wein vor der herrlichen Kulisse. Sie sind begeistert. "Man muss sich ja alles mal anschauen. Es ist geil", ist Harald Abt begeistert.

Immer mal wieder kämpft sich die Sonne durch die Wolken. Mehr und mehr Besucher strömen auf den kleinen Festplatz, auf dem im Halbrund die Pagodenzelte der elf Gastronomen und die Holzhütten der 21 Weinbaubetriebe aufgestellt sind. Florentine Göbel vom Paul-Distelbarth-Gymnasium Obersulm zählt im Auftrag des Veranstalters, dem Tourismusverein Weinsberger Tal, seit 12 Uhr die Besucherzahl. "Jetzt sind es mehr als 2000", berichtet die 14-Jährige um 15 Uhr. "Die meisten kommen mit dem Auto", weiß ihre Mitschülerin Antonia Lauer, die für die Umfrage zur Anreise zuständig ist. Am Samstagabend waren die Shuttle-Busse besonders gefragt, sagt Dirk Mosthaf. Die Vorverkauf-Tickets, bei denen es zur Fahrkarte ein Wein-am-See-Glas dazu gab, seien fast ausverkauft gewesen.
Lob für die Organisation

"Der Freitag war toll, gestern war das Wetter unser Gegenspieler. Es war bockelkalt. Ich habe den ganzen Winter nicht so gefroren", erzählt Martin Supp von der Dezberg-Stube Gellmersbach. Von der Organisation des Festes ist er begeistert: "Sowas findet man ganz selten." Auch die Resonanz der Gäste sei positiv. Die selbst gemachten Pastagerichte, zum Beispiel mit Bolognese vom Boeuf de Hohenlohe, gekocht von Küchenchef Alexander Supp, laufen gut. "Die Leute sind begeistert vom Ambiente, und dass es nicht nur Pommes und Knackwurst gibt", sagt Martin Supp.
Ein "kleines bisschen" mehr hat sich Gabriele Wilhelm vom Eschenauer "Viechstall" von der Veranstaltung erhofft. "Es bleibt halt keiner sitzen. Die Leute essen und trinken was und gehen wieder", bedauert die Chefin. "Aber das Ambiente passt." Und es kämen auch Reisebusse von außerhalb. "Da können wir unsere Gegend mal ein bisschen repräsentieren", freut sich Wilhelm. Dafür sprechen auch die Autokennzeichen auf den Parkplätzen: außer Heilbronn sind der Großraum Stuttgart, der Neckar-Odenwald- und der Hohenlohekreis stark vertreten.
Fachsimpeln am Weinstand

Aus Sachsenheim sind Nicole (33) und Gerd (37) Keller mit Töchterchen Mia gekommen. Aus dem Internet haben sie vom Fest erfahren. "Wenn jetzt noch 20 Grad wären, wäre es proppenvoll", ist Nicole Keller überzeugt. "Die Auswahl an Wein ist toll, das Essen gut", lobt ihr Mann. Am Stand des Hölzerner Weinguts Breuninger fachsimpelt Volker Bläske (65) aus Backnang mit Karin Breuninger. "Ich kenne die Winzer aus dem Remstal, jetzt habe ich auch hier den einen oder anderen Wein für mich rausgeschmeckt", sagt Bläske. "Es ist ein schönes Fest an einem schönen Platz", freut sich Chefin Karin Breuninger. "Es wurde viel Wein getrunken. Auch roter, obwohl er kalt war."
Karin Seyffer vom gleichnamigen Weinsberger Weingut freut sich über den Zusammenhalt der Fest-Beschicker: "Am Donnerstag waren plötzlich 80 Helfer da. Das Ganze war ein enormer Aufwand. Deshalb sollte ,Wein am See" keine Eintagsfliege bleiben."
Fortsetzung folgt?
Ob es eine zweite Auflage gibt, vermag Mitinitiator Dirk Mosthaf noch nicht zu sagen. "Aber der Wunsch ist da, auch aufgrund der Resonanz vom Publikum und dem friedlichen Ablauf." Der Tourismusverein Weinsberger Tal werde erörtern, ob, wie und an welchem Termin es 2020 weitergehe. Weil im Mai Vogel-Brutzeit ist, waren die Auflagen hoch: Es durfte zum Beispiel nur bis 21.30 Uhr gefeiert und Schutzzäune mussten aufgestellt werden. ck

Stimme.de
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