Damit Schulen friedliche Orte bleiben

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Auftakt eines langfristigen Projekts: Bildungsverantwortliche in der Stadt Heilbronn wollen das Thema Gewalt intensiver angehen. Von diesen Vorfällen berichten Lehre.

 Foto: stock.adobe.com

Gewalt an Schulen hat viele Aspekte. Mobbing in Klassenchats können genauso dazugehören wie handfeste Auseinandersetzungen mit Fäusten. Heilbronner Schulen, Schulsozialarbeit und weitere Akteure setzen sich mit dem Thema auseinander. "Wir müssen in die Prävention", sagt zum Auftakt Melanie Haußmann, die als Geschäftsführende Schulleiterin alle Schulen außer den Gymnasien und beruflichen Schulen vertritt. Neben diesem Projekt tut sich mehr: Heilbronn gehört zu den Modellregionen im Land, die einzelnen Schulen Geld zur Verfügung stellen können. Es geht um Einrichtungen in Gegenden, in denen unter anderem viele Migranten wohnen, das Einkommen gering und der Anteil an Haushalten ohne Schulbildung hoch ist.

Dass Mädchen an einer weiterführenden Schule in Heilbronn anscheinend gedrängt werden, ein Kopftuch zu tragen, treibt die dortige Schulleitung um. "Das beunruhigt mich sehr, es ist eine subtile Einflussnahme", heißt es aus dem Rektorat beim Fachtag zum Thema Gewalt an Schulen. Die Schulleitung bittet, keine Namen zu nennen. Auch der Schulnamen möge nicht in der Zeitung stehen. "Es hat sich radikalisiert", erzählt sie. In einem Fall sei sogar die einzige Christin einer Klasse mit sonst muslimischen Mädchen konvertiert. Mittlerweile hat sich die Schule auch Unterstützung einer Heilbronner Beratungsstelle geholt.

Fachtagung zum Thema Gewalt: Das ist das Ziel an Heilbronner Schulen

Die Schulen in Heilbronn sind gut vernetzt und tauschen sich regelmäßig aus. Die Herausforderungen, mit Gewalt umzugehen, treibt sie alle um. "Es darf nicht so eskalieren", sagt die Geschäftsführende Schulleiterin, Melanie Haußmann. Psychische und physische Auseinandersetzungen will sie in den Blick nehmen. Wichtig sei es unter anderem, dass Kinder und Jugendliche lernen, mit Konflikten umzugehen. "Die Diskussionskultur ist nicht mehr da", bedauert sie.

Oft werde emotional diskutiert. "Das Thema und Emotionen hängen viel zu häufig zusammen." Ihre Hoffnung ist, dass sich Kinder wieder mehr ohne Gewalt Gehör verschaffen können. Beim Fachtag ging es um "Medien und Gewalt", thematisiert wurde dabei beispielsweise der Umgang mit Bildern aus dem Internet.

Kritik an einzelnen Eltern: Wenn sich Mütter und Väter vor Erziehung drücken

Gewalt über soziale Medien und Mobbing werde immer mehr an der Schule zum Thema, sagt Grit Steiner, Direktorin des Mönchsee-Gymnasiums (MSG) in Heilbronn. Vor allem in den siebten und achten Klassen, "Mitten in der Pubertät", komme es zu Konflikten. Müsse die Schulleitung eingreifen, stießen Sanktionen bei den Eltern nicht immer auf Verständnis. "Manche reflektieren zu wenig", kritisiert die Schulleiterin. Manche Mütter und Väter sagten, dass dies zum pubertären Ausprobieren gehöre. In einem Fall hieß es gegenüber Grit Steiner: Man könne der Tochter das Tablet nicht wegnehmen, weil sie sonst einen Aufstand mache. Erziehung erfordere viel Anstrengung durch Eltern. "Diese Anstrengungsbereitschaft ist derzeit nicht mehr überall vorhanden", so Grit Steiner.

Dass es auch "subtile Formen" von Gewalt gibt, weiß Bärbel Hetzinger, Rektorin der Heilbronner Wartbergschule. Sie überlegt sich oft, weshalb Kinder beispielsweise jemanden ausgrenzen. Geht es um das eigene Geltungsbedürfnis? Die Rektorin versucht daher stets, das Selbstbewusstsein der Kinder zu fördern - damit sie erst gar nicht negativ auffallen müssen.

Heilbronner Grundschulen gehören zu Modellprojekt: Es gibt besondere Förderung

Unabhängig von Gewalt gibt es weitere Fördermöglichkeiten für Heilbronner Grundschulen. Die Stadt ist Teil des sogenannten "Modellprojekts Sozialindexbasierte Ressourcenzuweisung". Das Programm ziele auf Basiskompetenzen ab, sagt Markus Wenz, der das Staatliche Schulamt in Heilbronn leitet. Dafür gibt es allerdings keine zusätzliche Lehrerstellen. Insgesamt 50 000 Euro stehen sieben Grundschulen zur Verfügung, die damit weitere Unterstützung bezahlen können. Ergotherapeuten können genauso finanziert werden wie beispielsweise Sozialpädagogen, sagt der Amtsleiter. Wo Hilfe nötig ist, entscheiden die Schulen. Mit diesem Personal sollen multiprofessionelle Teams aufgebaut werden. Darunter werden üblicherweise Kollegien verstanden, zu denen nicht nur Lehrer gehören. Mit ihnen können einzelne Schüler gefördert werden, Gruppen können Unterstützung erhalten. "Die Schulen haben viele Möglichkeiten." Namen zu Grundschulen nennt Markus Wenz nicht. Sie lägen aber überwiegend in der Kernstadt. Startschwierigkeiten seien überwunden, mittlerweile lägen die ersten Verträge beim Regierungspräsidium in Stuttgart.

Unterdessen soll die Tagung zu Gewalt ein Auftakt sein, das Thema aufzugreifen und Schulen Lösungen aufzuzeigen. Auch kulturelle Unterschiede werden thematisiert, so Melanie Haußmann. "Wir wollen Schule als einen sicheren Ort haben." Als ein Ort, sagt die Geschäftsführende Schulleiterin, in dem man friedlich, freundlich, demokratisch miteinander umgehe.

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