Stimme+
Digitale Ausstattung der Schulen

Bund fordert: Lehrerausbildung muss digitaler werden

   | 
Lesezeit  3 Min
Erfolgreich kopiert!

Berlin will diesen Freitag den Bundesländern einen Vorschlag zum Digitalpakt 2.0 vorlegen. Die Verhandlungen beginnen am Dienstag. Darum geht es.

Bund und Länder wollen weiterhin die Digitalisierung der Schulen gemeinsam über den sogenannten Digitalpakt 2.0 finanzieren. Am Freitag (26. April) legt das Bildungsministerium des Bundes nach eigenen Angaben den Ländern einen ausformulierten Vorschlag vor, diesen Dienstag beginnen die Verhandlungen dazu. Der Bund will allerdings nicht mehr nur Geld bereitstellen wie bei der ersten Variante.

Die Verhandlungen ziehen sich, auch wenn sich alle Beteiligten zur weiteren Finanzierung bekennen. Wie zu hören ist, soll ein Knackpunkt sein, dass der Bund in Bereichen mitreden will, für die Länder oder Kommunen allein zuständig sind. "Uns ist wichtig, den Digitalpakt 2.0 gesamtheitlich zu sehen", sagte Dr. Jens Brandenburg (FDP) am Rande einer Bildungskonferenz in Berlin unserer Zeitung. Konkrete Details zum Vorschlag nannte der Parlamentarische Staatssekretär im Bundesministerium für Bildung und Forschung und Bundestagsabgeordneter für die Region Rhein-Neckar zwar nicht. Verlangt würden aber "verbindliche Fortschritte", was die Lehrausbildung im Bereich der Digitalisierung angehe. Es reiche nicht aus, die Tafel durch ein Whiteboard zu ersetzen. Mit den Endgeräten müsse es einen pädagogischen Mehrwert geben, sagte er. Zudem sollten auf Länderebene die Verfahren, damit Schulen das Geld beantragen können, unbürokratischer werden.

Digitalpakt 2.0: Bund und Länder wollen sich in selber Größenordnung finanziell beteiligen

Wie groß der Digitalpakt werden solle, stehe nicht fest. Die Länder müssen sich aber beteiligen, von einer "hälftigen Kofinanzierung" sprach Jens Brandenburg. Sie sollen dieselbe Summe aufbringen wie der Bund. So zügig wie möglich sollen für Berlin die Verhandlungen abgeschlossen werden, damit der Digitalpakt 2.0 im kommenden Jahr anlaufen könne.

Die Zeit drängt offenbar für einige Städte und Gemeinde. Weil der erste Digitalpakt ausläuft, seien bereits Investitionen abgesagt worden, sagte in Berlin Karin Prien (CDU), Ministerin für Bildung, Wissenschaft und Kultur in Schleswig-Holstein. Sie forderte, dass die Verhältnisse zwischen Bund, Ländern und Kommunen besser werden müssten. "Sonst bekommen wir es nicht gewuppt", sagte sie in Bezug auf die Digitalisierung der Bildung. Die Städte und Gemeinden haben ebenfalls klare Vorgaben, was durch das Programm bezuschusst werden muss. "Die Schul-IT muss Teil der Gesamtfinanzierung sein", sagte Daniela Schneckenburger, die beim Städtetag als Beigeordnete unter anderem für Bildung zuständig ist.

So reagiert das Kultusministerium in Stuttgart auf den Vorschlag zum Digitalpakt 2.0

Das Kultusministerium in Stuttgart will sich in einer ersten Einschätzung nicht zum Vorschlag des Bundes äußern. Berlin fordert mehr digitale Elemente bei der Lehrerausbildung, ein Sprecher des Kultusministeriums in Stuttgart verweist auf das aktuelle System: Schon während der ersten Ausbildungsphase an den Hochschulen sei in der Prüfungsordnung geregelt, dass angehende Lehrkräfte sich mit Medienpädagogik beschäftigen. "Wir sind mit dem Wissenschaftsministerium in Kontakt, um digitale Kompetenzen in allen Phasen der Lehrkräfteausbildung zu vertiefen", so der Sprecher auf Anfrage unserer Zeitung. Für die angehenden Lehrer spiele beim anschließenden Referendariat die Digitalisierung ebenfalls eine Rolle.

Handlungsbedarf sieht auch Marco Haaf, einer der Geschäftsführer der Akademie für Innovative Bildung und Management (AIM). Vertreter der AIM sowie der Dieter-Schwarz-Stiftung nahmen in Berlin an der Konferenz zu Digitalisierung der Bildung teil. "Kinder und Jugendliche müssen in unseren Fokus sein, nicht Institutionen und Strukturen", so Marco Haaf. Im Moment gelinge es nicht, auf die unterschiedlichen Bedarfe der Schüler einzugehen und Angebote zu schaffen, die für jedes Kind "zu einem individuellen Bildungserfolg führen".

Mit dem ersten Digitalpakt Schule unterstützt der Bund die Länder und Gemeinden bei Investitionen in die digitale Bildungsinfrastruktur. Mit fünf Milliarden Euro ging es los, wegen Corona kamen weitere 1,5 Milliarden Euro hinzu. Der Pakt läuft im Mai aus.

Sachsens Staatsministerium für Kultus stößt länderübergreifende KI-Plattform an

Auf die Fortführung des Digitalpakts setzt auch Dr. Jens Drummer, Referent im sächsischen Staatsministerium für Kultus. Er stieß vor Jahren eine digitale Plattform an, die nun entwickelt und dann allen Bundesländern zur Verfügung stehen soll. Mit Anwendungen aus der Künstlichen Intelligenz soll diese Plattform dann Schülern und Lehrern in den Hauptfächern zur Verfügung stehen, sagte er bei der Bildungskonferenz. Die Ausschreibung solle folgen, mit einer Umsetzung rechnet er nicht in den kommenden Monaten. Damit sollen Lehrer nicht ersetzt, sondern unterstützt werden, sagte er unserer Zeitung.

Kommentare öffnen
Nach oben  Nach oben