Besucher-Ansturm auf Ausstellung im Schafstall Neuenstadt
Viele Besucher wollen die aktuelle Ausstellung "Trompe-l'oeil/Réalité" mit optischen Täuschungen im Neuenstadter Museum im Schafstall sehen. Einige Besucher haben sogar die Marseillaise geschmettert. Jetzt gibt es Extra-Führungen bis zum Ende der Schau.

Klar, dass er sich über den Erfolg der aktuellen Ausstellung im Schafstall freut. Vergangenen Sonntag hat sich Museumsleiter Hubert Sawatzki dennoch die Augen gerieben: 350 Besucher kamen allein an diesem Tag ins beschauliche Neuenstadt, um sich die Schau "Trompe-l'oeil/Réalité" anzusehen. 60 von ihnen wollten an der Führung teilnehmen.
"Normalerweise lasse ich nur maximal 40 zu", sagt er. Denn Andrang und zu viele baumelnde Handtaschen tun vor allem den frei hängenden Werken im oberen Geschoss nicht gut. Ganz zu schweigen davon, dass auch die Besucher dann nicht mehr viel von den Erläuterungen haben.
Bisher kamen 3000 Leute
Deshalb bittet er diejenigen, die sich vor Ende der Ausstellung noch einmal von den Experten durchs Museum leiten lassen wollen, sich vorab anzumelden. An den Sonntagen 21. und 28. Januar wird es dann jeweils zwei Führungen geben.
So nah wie möglich an die Realität heranzukommen - darum geht es bei der Trompe-l"oeil-Malerei, zu deutsch trügerischer Schein, optische Täuschung. Die scheinbar realistischen Gemälde sind visuelle Fallstricke, die mit feinem Humor und subtilen Anspielungen unterhalten.
20 hochkarätige Künstler aus Frankreich, 170 Gemälde: das zieht Besucher aus dem ganzen süddeutschen Raum an. "Von München über Würzburg bis Mannheim", zählt Sawatzki auf. Über 3000 Besucher waren bisher insgesamt da.
Die international beachteten beiden Bernsteinausstellungen - sein großer Coup - kann das zwar nicht toppen. Damals pilgerten zu Bestzeiten fast zehn Mal so viele Kunstinteressierte ins Kocherstädtchen. "Aber in Relation gesetzt ist das schon sehr gut."
Tatsache: Plastiktüten begeistern

Plastiktüten. Knallbunt, leuchtend und so täuschend echt in Öl auf die Leinwand gebannt, dass man fast zugreifen und sie zerknüllen möchte. "Das glaubt ja kein normaler Mensch, wie sehr Künstlerin Marie-Françoise Martin die Leute damit beeindruckt", erklärt Sawatzki. "Die sitzen in den Stuhlreihen davor und sind begeistert." Sind das wirklich keine Fotos? Die Frage komme immer wieder.
Bei der Vernissage habe die Malerin erzählt, dass es in Frankreich gar keine bunten Einkaufstaschen gibt wie die, die sie in ihren Bilden festhält. "Kurz darauf hat eine Neuenstadterin welche vorbeigebracht."
Marseillaise gesungen
Witzig ist auch eine andere Begebenheit. Als Sawatzki im November durch die Ausstellung geht, fallen ihm drei Damen auf, die vor Max Vauquelins Bild "Alte Eiche" stehen und inbrünstig "La Marseillaise" singen. Das Werk von 2004 zeigt General und Staatsmann Charles de Gaulle. Seine Büste, genauer gesagt.
Auch sie plastisch herausgearbeitet. Inklusive vergilbter Blätter, die sich dem Betrachter scheinbar entgegen wölben. Eines davon zeigt in Miniaturschrift den Lebenslauf de Gaulles. Und siehe da: Die Frauen waren just am 22. November da, dem Geburtstag des Besungenen - wenn auch 2017 und nicht 1890.
"Das war mir selber gar nicht aufgefallen", gibt Sawatzki zu. Und lobt den Pinselstich des Künstlers. "Die Buchstaben sind so fein, die hat er nur mit einem Haar gemalt." Um Noten und Text der "Marseillaise" waren die Damen freilich nicht verlegen. "Die sind ebenfalls im Bild festgehalten."
Unbedingt anmelden
Die Ausstellung der französischen Künstlergruppe "Trompe-l"oeil / Réalité" ist bis zum 28. Januar immer mittwochs und sonntags von 10 bis 17 Uhr zu sehen. An den letzten beiden Sonntagen, 21. und 28. Januar, bietet das Museum wegen des Andrangs nicht nur um 11 Uhr eine Führung an, sondern auch um 12.30 Uhr. Kosten: vier Euro plus Eintritt (fünf Euro).
Zur besseren Planung bittet Hubert Sawatzki um Anmeldung unter der Telefonnummer 07139/3924. Da auch die gleichzeitige Sonderausstellung mit 14 Truhen und Tresoren aus dem 17. bis 19. Jahrhundert gut läuft, wird diese auf die Dauer der kommenden Schau verlängert.
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