Besondere Orte am Neckar

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Am Neckar gibt es traumhafte Plätze in Heilbronn.

Flüsse faszinieren die Menschheit seit Jahrtausenden und haben entscheidend zu ihrer Entwicklung beigetragen. Sie sind Wasserstraße, Energielieferant, Nahrungs- und Wasserspeicher sowie Orte der Schönheit und Erholung. Das gilt auch für Heilbronns Fluss, den Neckar, der in den vergangenen Jahren stärker ins Bewusstsein der Stadt gerückt ist.

So entstanden auch besondere Plätze, die zum Genießen und Verweilen einladen. Sie zeugen wie die Alte Reederei auf dem ehemaligen Buga-Gelände von der Entwicklung der Industriestadt oder wie die Hefenweiler-Insel von der Nachkriegsgeschichte. Der Weinpavillon am sogenannten Hagenbuchersee und die Kaffeebucht an der Neckarhalde symbolisieren, wie eine Stadt näher an den Fluss heranwächst. 

Den Feierabend am Wasser ausklingen lassen

Der Steg am Weinvilla-Pavillon ist sehr idyllisch.
Der Steg am Weinvilla-Pavillon ist sehr idyllisch.  Foto: Berger

Dem Stress des Alltags entfliehen und entspannt am Wasser ein Viertele schlotzen: Das kann man ab dem 1. April wieder im Weinvilla-Pavillon am Neckarufer. Auch für das leibliche Wohl ist mit Fleischküchle, Winzer-Tapas, Wurstsalat oder Brot mit verschiedenen Aufstrichen gesorgt.

„Wir haben 20 Weine zur Auswahl, das Sortiment wechselt viermal im Jahr“, sagt Jürgen Sawall, Geschäftsführer der Weinvilla. Ob Rot, Weiß, Rosé oder Sekt: Hier ist für jeden Geschmack etwas dabei. „Ich finde, es ist der schönste Platz in Heilbronn“, schwärmt Sawall. „Man hat den ganzen Tag Sonne, es fährt kein Auto vorbei. Wer einen stressigen Tag hatte, kommt hierher, geht wieder mit einem Lächeln und sagt: Mann, war das schön bei euch.“ Besonders abends sei die Stimmung mit den Lichtern am Neckar und der Experimenta, die sich im Wasser spiegelt, eindrucksvoll. „Es ist ein besonderes Lebensgefühl und toll fürs Auge.“

Im Sommer kämen ab und zu Musiker vorbei. Der Weinvilla-Pavillon ist von Dienstag bis Freitag jeweils von 14.30 bis 23 Uhr, Samstag und Sonntag von 13.30 bis 23 Uhr geöffnet. Am Montag werden von 16 bis 22 Uhr Getränke ausgeschenkt. Studenten, die ihren Ausweis zeigen, bekommen das Viertele dienstags einen Euro billiger.  

Entspannen mit Holunderwunder

Inhaber Jochen Wieland (Mitte) im Gespräch mit seinen Gästen.
Inhaber Jochen Wieland (Mitte) im Gespräch mit seinen Gästen.  Foto: Berger

Er war Mitbegründer des Mobilats. Lange hat er den Heilbronner Club betrieben und Fans von Techno und Hip-Hop eine Anlaufstelle gegeben. Doch seit 2008 bietet Jochen Wieland mit der Kaffeebucht nahe des Freibads Neckarhalde in Heilbronn ein Kontrastprogramm: „Im Gegensatz zu durchfeierten Nächten steht hier ruhiges Entspannen im Zentrum“, sagt der 60-Jährige.

Direkt am Neckar gelegen, verströmt die Kaffeebucht mit 100 Sitzgelegenheiten sowie Liegestühlen mediterranes Flair. Wer es sich bei schönem Wetter zwischen März und Anfang November mit Wielands Gastro-Angebot, einem Buch in der Hand und den Füßen im Wasser gutgehen lässt, fühlt sich wie im Urlaub. „Es kommen auch Leute aus Stuttgart hierher“, sagt Wieland. „Die Poesie des Neckars wissen viele zu schätzen.“ Apropos Poesie: Auch in diesem Sommer soll es wieder die Schreibwerkstatt geben. Nicolai Köppel und Ingo Klopfer schreiben auf Wunsch und Vorgaben der Gäste Gedichte oder Geschichten. Neben dem titelgebenden Heißgetränk mit Bohnen aus Italien bietet Wieland Bier und Wein, Longdrinks, Alkoholfreies, Kuchen sowie selbst gemachte Flammkuchen an. Wieland: „Beliebt ist das Holunderwunder – aus Holundersirup, Eis, Limette, Minze und Gin.“  

Reederei ist Herzenssache

Stephanie Singer im blumengeschmückten Neckargarten vor der Reederei.
Stephanie Singer im blumengeschmückten Neckargarten vor der Reederei.  Foto: Bihr

Es war einer der Wohlfühlorte auf dem Wohlfühlgelände, auf dem die Bundesgartenschau von April bis Oktober 2019 stattfand. Das rote Backsteinhaus am Neckar, das der Reederei Schwaben jahrelang als Werkstattgebäude diente, atmet noch den Charme der historischen Stätte in modernem Gewand.

Während der Buga war das Gebäude eine der großen Anlaufstellen für Besucher, die in dem Ambiente verweilten und bei schwäbischen Weinen und Spezialitäten den Blick über den Altarm des Neckars schweifen ließen. Auch heute noch betreibt die Heilbronner Voltino-Gruppe die Location, die für besondere Events geöffnet hat und für Feste gemietet werden kann. Von Mitte April bis Ende September hat die blumengeschmückte Gaststätte mit Neckargarten und Promenade auch täglich geöffnet. „Das ist eines meiner Herzensprojekte“, bekennt Stephanie Singer, die zusammen mit Christian Schmierer die Voltino-Geschäfte leitet und auch den Campus Garden betreibt. An die tolle Stimmung während der Buga erinnern sich nicht nur die Reederei-Betreiber gerne zurück. Doch der Blick geht auch nach vorne. Denn wenn das Gelände im Neckarbogen weiter besiedelt wird, könnte die Alte Reederei als täglich geöffnetes Restaurant an die Buga-Zeit anknüpfen. 

Ruheoase unter der Friedrich-Ebert-Brücke

Auf der Inselspitze kann man vom Großstadttreiben abschalten.
Auf der Inselspitze kann man vom Großstadttreiben abschalten.  Foto: Berger, Mario

Heinrich Brummacks goldene Hasenfigur mit dem blauen Fisch am Ankelhaken weist den Weg. Über zwei großzügige Treppenabgänge geht es von der Friedrich-Ebert-Brücke hinab auf die sogenannte Inselspitze, die ihren Namen vom benachbarten Insel-Hotel hat. Gerade im Großstadttreiben bildet das gerademal 600 Quadratmeter kleine Eiland inmitten des alten Neckararms eine wohltuende Ruheoase. Wer hier abends über die Stränge schlagen will, sei gewarnt. „Videoüberwacht!“ steht auf einem kleinen Schild.

Thomas Schüttes rote Installation „One Man House“, die hier seit 2018 steht und eigentlich nur ein Gastspiel geben sollte, wirkt indes seltsam unproportioniert und deplatziert, tut aber sommers als Schattenspender gute Dienste. Besuchern der Galerie verstellt sie leider die Aussicht. Früher konnte man den Blick aus reizvoller Perspektive einen Meter unterm Wasserspiegel entlang der Neckarufer zum Götzenturm schweifen lassen. Was soll’s, trotz diesem Fremdkörper kann man auf der Inselspitze frei nach Kurt Tucholsky herrlich „die Seele baumeln“ lassen. Und für kulturbeflissene Besucher ist die Galerie ein Kommunikations- und Informationsort mit wechselnden Themen zur Stadtentwicklung, für Ausstellungen und andere Veranstaltungen.  

 

 

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