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Heilbronn

AWS: Kleine Pleite mit großer Vergangenheit

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Mitte 2016 hatte Loratech die Umwelttechnikfirma AWS vom Zukunftsfonds Heilbronn übernommen. Jetzt ist AWS insolvent. Doch der nächste Neustart ist bereits in Aussicht.

Von Manfred Stockburger
So sehen die Abluftreinigungsanlagen aus, die von der Heilbronner Technologiefirma AWS projektiert werden. Bisher hält sich der Erfolg in Grenzen. Foto: Loratech
So sehen die Abluftreinigungsanlagen aus, die von der Heilbronner Technologiefirma AWS projektiert werden. Bisher hält sich der Erfolg in Grenzen. Foto: Loratech  Foto: privat

Auf den ersten Blick ist der Fall völlig unspektakulär: Gerade einmal elf Mitarbeiter hat die Firma AWS GmbH, über deren Vermögen jetzt ein Insolvenzverfahren eröffnet wurde. Spannend wird der Fall durch die Vorgeschichte der AWS, die 2006 als Air Water Systems AG gegründet wurde.

2009 beteiligte sich der Zukunftsfonds Heilbronn (ZFHN) an dem Unternehmen − die auf Luftreinigung spezialisierte Firma war ein zentraler Teil des Umwelttechnik-Engagements des Zukunftsfonds.

Ein kostspieliges Abenteuer

Die AWS wurde für den Investor allerdings zu einem denkbar kostspieligen Abenteuer, wie der letzten Bilanz der AWS AG zu entnehmen ist: Auf einen hohen zweistelligen Millionenbetrag summierte sich der Bilanzverlust. Im Sommer 2016 verkaufte der ZFHN den Geschäftsbetrieb und die Patente an die Schweizer Loratech AG − damit war das Thema abgehakt.

Der Loratech- und AWS-Geschäftsführer Tobias Albrecht war ein alter Bekannter: Zunächst gehörte er zum Zukunftsfonds-Team, später wechselte er ins Management der AWS AG − als Finanzchef. Mitte 2014 ging er schließlich zu Loratech − und übernahm zwei Jahre später die Reste der AWS.

Große Pläne, harte Landung

Im Heilbronner WTZ-Turm belegen Loratech und AWS eine ganze Etage. Auch sonst malte Albrecht die Zukunft damals in rosigen Farben: "Wir sind mit der AWS in der Lage, die erste Abluftreinigungsanlage zu bauen, die im Betrieb Geld verdient." Jetzt musste er doch zum Insolvenzgericht.

Grund für die Pleite ist vor allem die finanzielle Schieflage der Crone Wärmetechnik im niedersächsischen Rhauderfehn, deren Geschäftsführer ebenfalls Tobias Albrecht war. Industrielle Wärmetechnik und Abluftreinigung ist das Metier des Unternehmens, das bereits Ende September einen Insolvenzantrag stellte: Einen Millionenauftrag für Audi in Brüssel hatte Crone in den Sand gesetzt − wenn das Projekt abgeschlossen ist, gehen dort vermutlich die Lichter aus.

Es gibt Interessenten

Ganz zu Ende ist die AWS-Geschichte offenbar dennoch nicht. Insolvenzverwalter Erion Metoja lässt durchblicken, dass es einen Interessenten gibt, der den Geschäftsbetrieb weiterführen wolle. "Ich freue mich, dass die Mitarbeiter wieder eine Perspektive haben", sagt er.

Der Unternehmer, der die AWS einst gründete, die Firma aber noch während der ZFHN-Zeit verlassen musste, ist inzwischen in einem ähnlichen Unternehmen im Bereich der Wasserreinigung tätig. Auch ohne Zugriff auf die Patente kann er Erfolge vorweisen. Das könnte erklären, warum Tobias Albrecht noch nicht aufgibt: Der AWS-Kaufinteressent heißt nämlich Loratech. "Die ersten Aufträge für unsere Anlagen kommen gerade rein", sagt der Geschäftsführer.

 

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