Audis Luftfänger ist abgebaut - die Filtersäulen laufen weiter
Umstritten war es schon am Anfang. Der Autobauer wertet das Pilotprojekt mit dem Container zur Bindung von Luftschadstoffen in Heilbronns Innenstadt nach 1,5 Jahren Laufzeit als erfolgreich. Die Leistung der aktuellen Anlagen von Mann+Hummel ist indes viel höher.

Er ist weg, abgebaut nach eineinhalb Jahren Wirkdauer in einer kleinen Seitengasse der Weinsberger Straße. Audi hat den finanzierten und mitentwickelten "Air Capturing"-Container, den "Luftfänger" zur Filterung von Stickoxiden, Ende Juli wieder abgeholt. Er sorgte beim Start für Diskussionen, weil der Container rund 60 Meter entfernt von der amtlichen Luftmessstation platziert war und ums Eck stand. Es kam bald die Frage auf, was dieser Container genau bewirken kann.
Nach Audi-Angaben 20 Millionen Kubikmeter Luft gefiltert
Jetzt teilt Audi Neckarsulm auf Stimme-Nachfrage mit, dass das Pilotprojekt zur Erprobung einer neuartigen und patentierten Technologie "sehr erfolgreich" gelaufen sei. Man wolle die Technologie nun "weiterentwickeln und skalieren", sagte ein Sprecher nach 13 000 Stunden Probebetrieb. In der Zeit habe die Anlage, die Außenluft aus der direkten Umgebung ansaugt und Stickoxide mit einem Granulat bindet, rund 20 Millionen Kubikmeter Luft gefiltert. Im Schnitt habe der Stickoxidgehalt nach dem Filtern rund 85 Prozent niedriger als davor gelegen.
Zur Investitionssumme in das Projekt, das mit der österreichischen Umwelttechnikfirma Krajete entwickelt wurde, äußert Audi sich nicht. Auch nicht dazu, ob dieser Container irgend etwas an den Werten an der gut 60 Meter entfernten Messstation verändert habe. Aber: Man habe mehrere Anfragen zur Weiterentwicklung der Technik.
Eine der neuen Filtersäulen reinigt die zehnfache Menge

Inzwischen laufen seit Anfang Juli in der Weinsberger Straße andere Luftschadstofffilter der Firma Mann+Hummel. 26 Filterwürfel sind dort von Land und Stadt in Säulen installiert worden, die Feinstaub und Stickoxide binden. Kosten dieses Projekts: 1,7 Millionen Euro in zwei Jahren. Von der technischen Leistung bringen sie deutlich mehr als der Air-Capturing-Container. Dessen Filterleistung hatte ein Audi-Sprecher mit 36 000 Kubikmeter Luft pro Tag angegeben - was 1500 Kubikmetern je Stunde entspricht. Eine Filtersäule mit drei Würfeln von Mann+Hummel reinigt nach Firmenangaben14 500 Kubikmeter Luft je Stunde - also rund das Zehnfache des Containers - und bindet demnach 80 Prozent des Stickstoffdioxids und des Feinstaubs.
Seit März mit dem Corona-Lockdown unter der Grenzwertschwelle
Zuletzt lagen die Stickoxidwerte, die über ein mögliches Fahrverbot für Diesel-Autos ab 2021 entscheiden werden, in der Weinsberger Straße unterhalb der Grenzwertschwelle. Erstmals seit Jahren, beginnend mit der Corona-Zeit. Die Stadt Heilbronn teilt mit, dass die neuen Luftfiltersäulen "gut laufen". Für den August sei rechnerisch ermittelt worden, dass sie 6123 Gramm Stickstoffdioxid gebunden hätten.
Gottfried May-Stürmer, BUND-Regionalgeschäftsführer, sieht die Filterprojekte kritisch. Sie mögen technisch erfolgreich sein. Sie filterten aber nur im Bereich der Hauptmessstation die Luft. Wenn man überall Container aufstellen müsste, wäre das extrem aufwendig, teuer und volkswirtschaftlich bedenklich. Viel sinnvoller sei es, die Schadstoffe an der Quelle zu verringern.

Stimme.de
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