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Bad Friedrichshall

Anwohner klagen über Metallpartikel in der Luft

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Nach Beschwerden von Bürgern hat das Regierungspräsidium Stuttgart das Eisenwerk Würth in Bad Friedrichshall-Kochendorf zum Austausch von Filtern in den Produktionsanlagen aufgefordert. Metallpartikel hatten sich in den umliegenden Straßen und Gärten abgesetzt.

Von Adrian Hoffmann
Anwohner haben beim Regierungspräsidium eine Beschwerde gegen das Eisenwerk Würth eingereicht, von links: Britta Lassalle, Werner Keicher, Samantha Wichmann, Joanna Buba, Bernd Bühler und Michael Schmidt.
Fotos: Ralf Seidel/privat
Anwohner haben beim Regierungspräsidium eine Beschwerde gegen das Eisenwerk Würth eingereicht, von links: Britta Lassalle, Werner Keicher, Samantha Wichmann, Joanna Buba, Bernd Bühler und Michael Schmidt. Fotos: Ralf Seidel/privat  Foto: Seidel, Ralf

Nachbarn des Eisenwerks Würth in Bad Friedrichshall-Kochendorf sind in heller Aufregung. Seit Wochen lagern sich in ihren Straßen, in Gärten und auf Terrassen Metallpartikel ab. "Alles ist schwarz", sagt Michael Schmidt, der zusammen mit anderen Anwohnern eine Nachbarschaftsbeschwerde wegen einer "Luftverschmutzung durch Metallpartikel" in die Wege leitete. Knapp 100 Menschen unterschrieben bislang.

Filter sollen defekt gewesen sein

Nach Informationen unserer Zeitung prüft das Regierungspräsidium ein Bußgeldverfahren gegen das Eisenwerk Würth. Behördensprecherin Désirée Bodesheim wollte dies am Donnerstag auf Nachfrage aber nicht bestätigen. Was genau in dem metallverarbeitenden Unternehmen geschehen ist, werde ermittelt. "Bekannt ist bereits, dass teilweise Staubfilter in der Granulat-Sieberei-Entstaubung defekt waren." Man habe die Firma aufgefordert, "alle Staubfilter zu prüfen und die Anlagen abzuschalten, bei denen Schäden an den Filtern erkennbar sind", sagt Désirée Bodesheim. Dies sei von der Firma umgehend veranlasst worden. Die Anlagen dürften erst wieder in Betrieb gehen, wenn die Funktionstüchtigkeit der Staubfilter sichergestellt sei.

Dieses Foto stellte Anwohner Dirk Wichmann ins Internet, wo es viel Erstaunen auslöste. Mit einem Magnet hatte er auf seiner Terrasse Metallpartikel aufgesammelt.
Dieses Foto stellte Anwohner Dirk Wichmann ins Internet, wo es viel Erstaunen auslöste. Mit einem Magnet hatte er auf seiner Terrasse Metallpartikel aufgesammelt.  Foto: Dirk Wichmann

Bei den inzwischen abgeschalteten Produktionsanlagen handelt es sich nach Auskunft von Eisenwerk-Geschäftsführer Joachim Vianden um die Schmelze für Stahlguss. Die Schmelze für Hartguss sei weiter in Betrieb. Das Unternehmen stellt sogenannte Strahlmittel her. Würth verfüge über modernste Filteranlagen, sagt der Geschäftsführer am Donnerstag im Gespräch mit der Heilbronner Stimme. Der Fehler sei gefunden und behoben worden. Man hoffe, bereits am Freitag wieder in Betrieb gehen zu können. Seit Jahren arbeite man "ohne irgendwelche Probleme", man sei transparent und wolle nichts unter den Teppich kehren.

Viele Anwohner sehen das anders. "Wir wollen die Firma nicht niedermachen", sagt Michael Schmidt. "Aber wir wünschen uns eine konstruktive Lösung der Probleme." Nachbar Werner Keicher sagt in Bezug auf die Ablagerungen von Metallpartikeln: "So schlimm wie in den letzten Wochen und Monaten war es seit Jahren nicht." Bernd Bühler wirft der Bad Friedrichshaller Stadtverwaltung vor, seit Jahren Beschwerden von Bürgern über das Unternehmen und die dortigen Abläufe versanden zu lassen.

Schadensregulierung angedacht

Bürgermeister Timo Frey sagt, er könne nur von sehr wenigen Beschwerden über das Eisenwerk berichten. Bei der Firma verlaufe seiner Ansicht nach in der Regel alles ordnungsgemäß. Gelder aus einer Stiftung des Unternehmens würden regelmäßig der Gemeinde und sozialen Einrichtungen zugute kommen. "Ich hoffe, dass die Störung schnell behoben ist", sagt Frey.

In einer Pressemitteilung von Würth, die am Donnerstag veröffentlicht wurde, bittet die Firma betroffene Anwohner darum, sich zu melden. Es gehe auch um eine Regulierung von etwaigen Schäden, so Frey. Für Interessierte möchte das Eisenwerk in Kürze einen Tag der Offenen Tür anbieten.

 


Kommentar: Unklug

Das Eisenwerk Würth sollte die Anwohner in Zukunft offensiver über Störungen informieren.

Die Nachbarn des Eisenwerks Würth in Kochendorf sind verunsichert. Das könnte auch mit der Kommunikationskultur des Unternehmens in der Vergangenheit zusammenhängen. Es beunruhigt Anwohner, wenn offensichtliche Zusammenhänge zwischen Ablagerungen von Metallpartikeln und der wenige Meter entfernt liegenden metallverarbeitenden Firma zunächst abgestritten werden. Und so getan wird, als liege die Ursache woanders. Das ist unklug.

Das Eisenwerk hat am Donnerstag mit einer Pressemitteilung auf den öffentlichen Druck reagiert, den ein Foto von Metallpartikeln an einem Magneten auf Facebook ausgelöst hatte. Würth gibt darin Entwarnung. Das Regierungspräsidium hatte zuvor die Abschaltung der Produktionsanlagen veranlasst, bis Filter ausgetauscht sind und das Problem behoben ist. Bis gestern Abend roch es im ganzen Ort nochmals metallisch.

Das Unternehmen ist gut beraten, wenn es bei dem nun eingeschlagenen Weg bleibt und Anwohner künftig transparent informiert. Der geplante Tag der Offenen Tür ist ein kleiner Anfang. Die Stadtverwaltung sollte jetzt dringend dem Eindruck entgegenwirken, Beschwerden von Bürgern nicht ernst zu nehmen. Dafür reicht es nicht mehr aus, zu beschwichtigen.

 
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