Andreas Stoch zeigt sich bereit für die Spitzenkandidatur
SPD-Fraktionschef zeigt sich im Stimme-Live-Talk "Ohne Ausrede" offen für die Spitzenkandidatur bei der Landtagswahl im Frühjahr 2026. Der grün-schwarzen Landesregierung stellt der Heidenheimer ein miserables Zeugnis aus

Andreas Stoch steht bei der nächsten Landtagswahl im Frühjahr 2026 als Spitzenkandidat der SPD zur Verfügung. Das lässt der Fraktionsvorsitzende und SPD-Landesvorsitzende am Donnerstag beim Live-Talk "Ohne Ausrede" mit Stimme-Chefredakteur Uwe Ralf Heer in der Skybar des Heilbronner Parkhotels erkennen. Auf Heers Frage, ob er nicht nein sagen würde, wenn die Partei ihn ruft, antwortet Stoch: "Ich würde sogar mit Begeisterung ja sagen." Er habe die SPD im Land, die lange Zeit als zerstrittener Haufen galt, geeint, betont der 53-Jährige, der mit viel Selbstbewusstsein auf die nächste Landtagswahl blickt. "Wenn ich sage, wir haben das Ziel, stärkste Fraktion zu werden, dann ist das kein Zustand geistiger Umnachtung, sondern das ist tatsächlich ein Ziel, das ich gemeinsam mit Partei und Fraktion verfolge", versichert Stoch.
Özdemir und Hagel als Konkurrenten? Stoch ist sich nicht sicher
Mit welchen Spitzenkandidaten der regierenden Parteien Grüne und CDU es die SPD zu tun bekommen wird, ist für den Fraktionschef noch nicht ausgemacht. Als Heer die oft gehandelten Namen Cem Özdemir für die Grünen und Manuel Hagel für die CDU nennt, sagt Stoch nur: "Da ist noch ganz, ganz viel Wasser, das den Neckar herunterfließen muss." Beide Parteien hätten noch schwierige Entscheidungen zu treffen. Bei der CDU sei die Führungsfrage ungeklärt, weil unklar sei, welche Pläne der Landesvorsitzende Thomas Strobl habe. "Ich würde heute noch kein Geld darauf verwetten, dass Herr Hagel für die CDU als Spitzenkandidat in die nächste Wahl zieht", sagt Stoch. Und beim denkbaren Grünen-Kandidaten Özdemir ist sich Stoch nicht sicher, ob dieser das Wagnis eingehe, als Bundesminister nach Baden-Württemberg zu gehen, um möglicherweise in der Opposition zu landen.
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Katastrophale Bilanz der Landesregierung
Harte Kritik übt der Heidenheimer an der grün-schwarzen Landesregierung. Unter Kretschmann gebe es "politischen Stillstand", sagt Stoch. Die Bilanz beim Ausbau der erneuerbaren Energien sei katastrophal. Bayern etwa habe acht Mal so viel Photovoltaik installiert wie Baden-Württemberg, und beim Windkraftausbau seien kleinere Länder wie Rheinland-Pfalz besser. In der Bildungspolitik sieht der frühere Kultusminister "zehn Jahre Stillstand". Und beim Wohnbau müsse das Land viel mehr Geld und Engagement bringen. Stoch schlägt angesichts gut gefüllter Kassen vor, eine Milliarde Euro in den sozialen Wohnungsbau zu investieren. "Damit könnte man vielen Menschen in absehbarer Zeit Wohnraum verschaffen, den sie bezahlen können."
Stoch fordert mehr Unterstützung für die Wirtschaft
Auch die Wirtschaftspolitik von Grün-Schwarz kritisiert Stoch scharf. "Andere Länder unterstützen ihre Unternehmen bei der Transformation, die jetzt ansteht. In Baden-Württemberg sitzt man auf einem dicken Geldsack - die Steuereinnahmen der letzten Jahr sind ja eklatant hoch gewesen. Aber leider passiert viel zu wenig, um Baden-Württemberg als Wirtschaftsstandort stark zu halten", sagt der Sozialdemokrat.
Gutes Verhältnis zu Harry Mergel
Und wie ist das Verhältnis zu Parteifreund Harry Mergel, dem Heilbronner Oberbürgermeister? "Harry Mergel ist für mich ein absolut verlässlicher Partner. Ich schätze ihn sehr", sagt Stoch. Wenn er Fragen zu Heilbronn habe oder Mergel Fragen Richtung Stuttgart, telefoniere man miteinander.
Zur Person
Andreas Stoch wurde am 10. Oktober 1969 in Heidenheim an der Brenz geboren. Der Jurist ist seit 2009 Mitglied des baden-württembergischen Landtags. Von Januar 2013 bis Mai 2016 war Stoch baden-württembergischer Kultusminister in einer grün-roten Landesregierung. Seit Mai 2016 ist er Vorsitzender der SPD-Landtagsfraktion, seit November 2018 ist er zudem Landesvorsitzender der SPD Baden-Württemberg. Stoch spielt in seiner Freizeit gerne Tennis und ist seit vielen Jahren Anhänger des 1. FC Heidenheim, für den er eine Dauerkarte besitzt. Er ist verheiratet und hat vier Kinder.

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