Agrargenossenschaft Agroa will mit Bio wachsen

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Die Landwirtschaftsgenossenschaft informiert ihre Mitglieder, wie sie am Wachstumsmarkt Bio teilhaben möchte. Einige Standorte in der Region der fusionierten Genossenschaft sind bereits vorbereitet. Wie die Agroa in der Fläche aufgestellt ist.

Ehemals BAG, jetzt im Agroa-Verbund: Die Bio-Mühle in Heuchlingen ist ein wichtiger Standort zur Umsetzung der Marktambitionen im ökologischen Bereich.
Foto: Agroa
Ehemals BAG, jetzt im Agroa-Verbund: Die Bio-Mühle in Heuchlingen ist ein wichtiger Standort zur Umsetzung der Marktambitionen im ökologischen Bereich. Foto: Agroa  Foto: Agroa

Die größte süddeutsche Agrargenossenschaft Agroa plant, die Bioaktivitäten auszuweiten. Im Rahmen einer online abgehaltenen Mitgliederversammlung haben Referenten über die jetzt schon vorhandenen Standorte und Dienstleistungen informiert und Ziele für die kommenden Monate und Jahre definiert. 94 Teilnehmer haben sich an der Konferenz beteiligt. Die Genossenschaft ist nach einer Fusion zum Jahreswechsel aus dem ehemaligen Kraichgau-Raiffeisenzentrum, der BAG Franken und der Labag Marbach, hervorgegangen.

Der geschäftsführende Vorstand Jürgen Häußermann erinnerte an das politische Ziel, bis zum Ende des Jahrzehnts 30 Prozent der agrarischen Produktion auf Bio umzustellen. Ob das angesichts des Kriegs in der Ukraine noch fristgerecht umgesetzt werden kann, bleibe abzuwarten. Langfristig bleibe Bio ein wichtiges Thema der Branche.

Wo heute schon Biogetreide vermahlen wird

Die Agroa verfügt laut Häußermann jetzt schon über Kapazitäten, um ökologische Produkte zu erfasse, weiterzuverarbeiten und zu vermarkten. Die Mühle in Heuchlingen, ehemals Teil der BAG Franken, bezeichnete Häußermann als ein "Plus". Die Agroa hat aktuell vier Erfassungsstandorte für Biogetreide. Dies sind neben der Mühle Heuchlingen die Standorte Rosenberg, Hüffenhardt und Sulzfeld. Rosenberg ist seit über 30 Jahren für den Vermarktungsverband Demeter zertifiziert. Der Standort verfügt über eine Dinkelschälanlage. Heuchlingen ist seit 2018 bio, seit 2019 besteht ein Vertrag mit dem Demeter-Verband.

Die Mühle in Heuchlingen ist in der Lage, 10.000 Tonnen Getreide pro Jahr zu vermalen. "Derzeit verarbeiten wir zwischen 4000 und 5000 Tonnen pro Jahr, wir haben also noch reichlich Luft nach oben", berichtet Michael Wirth, Abteilungsleiter Agrar bei der Agroa. Die Heuchlinger Mühle bietet ihre Erzeugnisse auch in haushaltsüblichen Gebinden an, die in allen Raiffeisenmärkten der Agroa angeboten werden. "Das wird von den Kunden gut angenommen", so der Abteilungsleiter. In Buchen, Möckmühl, Neuenstadt, Großbottwar und Marbach gibt es zudem Annahmestellen für Bio-Mostobst.

Welche Vor- und Nachteile von Bio der Berater sieht

Die Agroa bietet auch biologische Betriebsmittel an. Dazu zählen Pflanzennährstoffe, Düngemittel, Kalk und Gips. Auch biologisches Saatgut für Getreide, Mais und Soja sowie Blühmischungen stehen im Bio-Portfolio. "Wir sehen den Bio-Sektor als Wachstumsmarkt, besonders bei Getreide und im Gemüsebau", so Wirth. Nicht zuletzt führt die Agrargenossenschaft für an der Umstellung auf Bio interessierte Betriebe Bodenproben durch. "Wir empfehlen, wie Sie den Boden auf Vordermann bringen können", so Martin Söhner. Der Außendienst-Mitarbeiter berät die Landwirte vor Ort über biologische und konventionelle Produkte im Landbau.

Andreas Ehehalt vom Landwirtschaftlichen Beratungsdienst Ackerbau Nordbaden und selbst Nebenerwerbslandwirt in Eppingen, gab den Teilnehmern einen Erfahrungsbericht über die Umstellung von zehn Betrieben auf Bio. Er hob die Vorteile gegenüber dem konventionellen Landbau vor, verschwieg aber auch nicht die Risiken. Zu den Vorteilen zählen bessere Chancen in einem klaren Wachstumsmarkt. So werde Bio-Soja doppelt so hoch bewertet, wie konventionelle Ware.

Warum die hiesige Landwirtschaft mehr Vieh benötigt

Zu den Nacheilen zählen laut Ehehalt ein höherer Arbeits- und Kraftstoff-Aufwand durch die überwiegend mechanische Bodenbearbeitung. Außerdem müsse durch den Verzicht von Mineraldünger mit Wirtschaftsdünger gearbeitet werden, der aber hierzulande ein knappes Gut sei. "Um eine Kreislaufwirtschaft einigermaßen darzustellen, bräuchten wir pro Hektar mindestens ein Großvieh", so der Fachberater.

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