Ärztin frisch zurück aus der Corona-Quarantäne
Petra Matulla untersuchte Bad Rappenaus "Patient Null" und musste deshalb die letzten Tage ein isoliertes Leben führen. Endlich darf sie wieder unter Leute.

Für Petra und Christian Matulla ist es selbst, obwohl sie Mediziner sind, ein außergewöhnliches Geschehen gewesen: Da Petra Matulla den ersten Bad Rappenauer positiv getesteten Corona-Patienten untersucht hatte, ordnete das Gesundheitsamt häusliche Quarantäne an. Es war sowieso Urlaub vorgesehen, der wurde allerdings um einen Tag verlängert. Seit Dienstag ist ihre Arztpraxis wieder geöffnet - und es gibt Veränderungen.
Extra Sprechstunden für Erkältete
Die Arzthelferinnen tragen alle Mundschutz. Ab 11.30 Uhr gibt es ab sofort spezielle Erkältungs-Sprechstunden, für die sich Patienten unbedingt vorab telefonisch anmelden sollen. Und wenn Petra und Christian Matulla nun Erkältungs-Patienten untersuchen, dann ebenfalls mit diversen Schutzvorkehrungen. Sie habe schon ein "ungutes Gefühl" gehabt, als der Mann - wie berichtet, Pfleger des Alpenland-Seniorenheims - wegen seiner Erkältung in die Praxis kam und von seiner Italienreise berichtete. "Die Lombardei ist zu diesem Zeitpunkt aber noch kein Risikogebiet gewesen", sagt Petra Matulla (53). Deshalb mache sie dem Mann auch keine Vorwürfe - er habe es ja selbst nicht wissen können.
Sie waren alle nicht begeistert von der Quarantäne
Aus der Perspektive des Gesundheitsamts ist sie dem Patienten durch die Untersuchung zu Nahe gekommen, obwohl sie keinen Abstrich gemacht hatte, sondern er hierfür in die Lungenklinik Löwenstein ging. Sie hatte den Mann bereits am Montag vor zwei Wochen untersucht und ihn sofort krankgeschrieben. Das positive Testergebnis lag dann am Freitag vor, ab dem dann auch für sie als Ärztin die Quarantänezeit begann. Ebenfalls in Quarantäne mussten vier Arzthelferinnen aus der Praxis. "Sie waren alle nicht begeistert, so wie ich auch", berichtete Petra Matulla weiter. Doch nach den Kriterien des Robert-Koch-Instituts seien sie als medizinisches Personal in einem solchen Fall Kontaktpersonen der Kategorie 1. Glück hatte Christian Matulla (55), der zwar mit in der Praxis war, aber nicht in Kontakt mit dem infizierten Mann kam.
Petra und Christian Matulla zogen die Quarantäne gänzlich korrekt durch. Vorbildlicher geht es wohl kaum. Sie habe das Haus nicht verlassen, sagt Petra Matulla. "Ab und zu war ich ein paar Minuten auf der Terrasse, aber das Wetter war ja schlecht." Sie lebten räumliche Trennung im eigenen Haus. Petra Matulla zog ins frühere Kinderzimmer ihres Sohnes. Wenn sie miteinander sprachen, dann tatsächlich mit Mundschutz! Petra Matulla ist gegen Hysterie, aber für Achtsamkeit und Sorge. Sie gehöre selbst zu den Risikogruppen, sagt sie, da sie vor einigen Jahren eine Lebertransplantation hatte. Ihr Corona-Testergebnis: negativ.
Klassisches Rollenbild in Bad Rappenau
Den Humor verlor das Ärztepaar in den vergangenen Tagen nicht. Christian Matulla, CDU-Stadtrat, erzählt, er sei im Supermarkt angesprochen worden, ob denn er jetzt die Einkäufe erledigen müsse. "Hier in Bad Rappenau herrscht noch klassisches Rollenbild", sagt er und lacht. "Ich habe geantwortet: Ja, aber meine Frau ist daheim und bügelt."
Petra Matulla ist der Ansicht, dass das Vorgehen der Behörden in der Kurstadt angemessen war und ist. Durch die Quarantäne habe man ein weiteres Ausbreiten des Virus vermutlich verhindern können. "Ich hoffe, das Thema wird in Bad Rappenau jetzt erst einmal auslaufen", sagt sie.
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Stimme.de
Kommentare
Peter Lueders am 11.03.2020 10:22 Uhr
Das Problem der zeitlich begrenzten Quarantäne ist, dass keiner weiss, wie sie vernünftigerweise anzusetzen ist. Zwei Monate dürften angesichts des status quo wohl zu kurz sein. Also was dann, vielleicht lieber zwei Jahre? Wer masst sich an, in die Zukunft zu schauen; wann ein Impfstoff nicht nur gefunden, sondern zur Verwendungsreife gebracht sein wird und bei wirklich allen angekommen ist, so dass eine Wiederausbreitung des Virus sicher unterbunden wird. Eine Diskussion darüber ist vollkommen akademisch. Übrigens auch, ab welcher Personenanzahl eine Versammlung im Moment als kritisch anzusehen ist. Also 1000 ist kritisch, 990 demnach aber nicht. Und mit dem ÖV zur Arbeit, nun, das auch nicht. Das beste Mittel ist und bleibt, sich aktiv selbst zu schützen und so wenig Ansteckungsgefahr wie möglich auszusetzen.