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Eberstadt

Folgenreicher Fehler an der Tankstelle in Eberstadt: Wie groß ist der Schaden?

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Adblue falsch eingefüllt: Der Vorfall mit verunreinigten Kraftstoffen an der Tankstelle in Eberstadt wird derzeit aufgearbeitet. Die Inhaber sind sichtlich niedergeschmettert.

Die zwölf Zapfsäulen der Tankstelle Klemm in Eberstadt sind derzeit gesperrt. Shop und Waschanlage sind geöffnet.
Die zwölf Zapfsäulen der Tankstelle Klemm in Eberstadt sind derzeit gesperrt. Shop und Waschanlage sind geöffnet.  Foto: Krezer, Anja

Wenn er morgens aufwacht, wünscht sich Volker Klemm, er hätte "das alles nur geträumt". Hat er aber nicht. Leider ist real, was dem Inhaber der Freien Tankstelle in Eberstadt passiert ist: Der Fahrer einer Spedition hat am Montagmorgen den Zusatzstoff Adblue geliefert - und ganz offensichtlich falsch eingefüllt. Die dadurch verunreinigten Kraftstoffe können Fahrzeuge schädigen, bis hin zum Totalschaden. Die Aufarbeitung des Vorfalls läuft.

"Es tut uns mehr als leid"

Irgendwie gefasst, aber auch sichtlich niedergeschmettert sitzen Volker Klemm und Heike Wierk-Klemm am Mittwochnachmittag an einem der Tische in ihrem Tankstellenshop. Sie blicken nach draußen auf Zapfsäulen, die mit rotweißen Bändern abgesperrt sind. "Es tut uns mehr als leid", sagt Volker Klemm.

Was ihm zu schaffen macht, ist "diese Ohnmacht, die Abhängigkeit vom Fehlverhalten eines Menschen". Dabei tut ihm der Fahrer ja auch leid, der den Zusatzstoff aus Norddeutschland hertransportierte und am Montag um 8 Uhr bei der Tankstelle an der Landesstraße 1036 versehentlich falsch einfüllte. Über das Belüftungssystem gelangte das Adblue in die unterirdischen Kraftstofftanks.

Wer vor 8 Uhr tankte, hat Glück

Immerhin scheint nach aktuellem Stand der Dinge klar zu sein: "Dieselfahrzeuge sind nicht betroffen", sagt Heike Wierk-Klemm. "Der Diesel wird nicht über das System belüftet, über das das Adblue eingeleitet wurde." Wer am Montag vor 8 Uhr an einer der zwölf Zapfsäulen tankte, egal welchen Kraftstoff, ist ebenfalls nicht betroffen. Aktuell sind alle Zapfsäulen gesperrt. Nur der Shop und die Waschanlage sind geöffnet. Ein Spezialfahrzeug, von der Versicherung des Spediteurs beauftragt, entnimmt am Mittwoch Proben.

Auch ein Gutachter ist vor Ort. Es sei zu klären, was in welchem Umfang abgepumpt werden muss, erläutert Wierk-Klemm. Die Inhaberin hofft, dass der Betrieb in einigen Tagen wieder normal laufen kann. Je nach Laborbefund könnten die Diesel-Zapfsäulen früher freigegeben werden als die anderen.

Viele Geschädigte haben sich schon gemeldet

Viele Geschädigte haben sich schon gemeldet, sagt Wierk-Klemm. "Gestern Abend ging es bis 21 Uhr." Vor allem, nachdem die Infos auf stimme.de veröffentlicht waren, mehrten sich die Anrufe. "Heute morgen klingelt das Telefon seit 5.30 Uhr. Die Leute sind sehr nett und verständnisvoll. Das tut uns gut." Die Fahrzeugschäden zu ersetzen, sei Sache der Versicherung des Spediteurs. Ebenso die Umsatzeinbußen. Wie hoch diese sind, wollen die Klemms auf Nachfrage unserer Redaktion nicht beziffern. Nur so viel: "Sie sind immens." Normalerweise steuern täglich hunderte Menschen die Tankstelle an.

Der Fehler wurde zunächst nicht bemerkt

Viele Kunden vom Montag rufen vorsorglich an. Wierk-Klemm: "Sie sind 150 Kilometer gefahren und merken nichts." Es wurde aber auch schon ein Totalschaden gemeldet. Ausschlaggebend sei wohl das Ausmaß der Verunreinigung - und das wiederum könnte unter anderem vom Zeitpunkt des Tankens abhängen. Das Adblue verteilt sich womöglich nicht gleichmäßig und setzt sich irgendwann ab.

Der Fehler blieb zunächst unbemerkt. Erst als am Montagabend die ersten Werkstätten mit beschädigten Fahrzeugen anriefen, war klar, dass etwas nicht stimmen kann. Mithilfe der Überwachungskamera sei dann der Fehler beim Befüllen entdeckt worden, sagt Heike Wierk-Klemm. Ärgerlich: "Nur Adblue wird von uns extern bezogen. Ansonsten beliefern wir uns mit unseren eigenen Fahrzeugen selbst."

Drei Mitarbeiter sind derzeit damit beschäftigt, die von den Kameras aufgenommenen Kennzeichen zu entziffern. "Es wird mehrere Tage dauern, bis die Halter ausfindig gemacht sind", bedauert Wierk-Klemm. "Das ist auch ein datenschutzrechtliches Problem."


Wohin sich Geschädigt wenden können

Geschädigte können sich weiterhin bei der Firma Klemm Tankstellen GmbH unter der Telefonnummer 07134/9111710 melden. Die Klemms hoffen, dass die Zapfsäulen bald wieder freigegeben werden können. Die Tankstelle an der Landesstraße 1036 wurde vor fünf Jahren neu gebaut.

Adblue ist eine Harnstofflösung, die bei Dieselfahrzeugen den Schadstoffausstoß verringert. Dazu wird ein im Auto eingebauter Katalysator zusammen mit Adblue verwendet. Der Stoff reagiert im Katalysator mit den Stickoxiden und wandelt sie in Wasserdampf sowie Stickstoff um. Das sorgt für wesentlich umweltfreundlichere Abgase.

 

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