70 Jahre Stimme: Paukenschläge der Geschichte
Manche waren historische Glücksmomente, andere Katastrophen. Die Rede ist von den ganz großen, epochalen Ereignissen, die weit über den Tag hinaus wirken. Die Heilbronner Stimme begleitete sie vom ersten Tag an.
Eine kleine Auswahl aus der Kategorie Paukenschläge.
1961: Mauerbau

„Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu errichten.“ Dieser Satz von SED-Chef Walter Ulbricht aus dem Juni 1961 wurde berüchtigt. Es kam bekanntlich anders. „West-Berlin durch Stacheldraht abgeriegelt“, titelt die Stimme am 14. August 1961.
Chefredakteur Karl Hohmann wählt in seinem Kommentar „Spiel mit dem Feuer“ deftige Worte: „Die Pankower Machthaber haben Mitteldeutschland und Ost-Berlin in ein einziges großes Konzentrationslager verwandelt.“ Der August ’61 ist ein Höhepunkt des Kalten Kriegs, der erst 28 Jahre später mit einem anderen Paukenschlag enden soll.
1969: Mondlandung

Der Wettlauf der Supermächte im All war auch politisch-ideologisch begründet. „Die ersten Menschen auf dem Mond“ – titelt die Stimme am 21. Juli und würdigt die Offenheit, mit der die USA vor aller Welt (live im Fernsehen) dieses Wagnis erfolgreich eingegangen waren.
Heute wirkt das Ereignis seltsam fern. Doch immer noch fasziniert viele das Thema bemannte Raumfahrt, vor zwei Jahren nochmals befeuert durch die Expedition des gebürtigen Künzelsauers Alexander Gerst.
1986: Tschernobyl
Die radioaktive Wolke aus dem Osten überrascht auch den Spätdienst der Politik-Redaktion. Erst am Abend des 28. April – nach über zwei Tagen – bestätigte Moskau, dass es einen schweren Störfall gegeben hat. Die Strahlen-Wolke hatte Schweden erreicht, der Atomunfall ließ sich nicht mehr völlig geheimhalten.
„Schwerer Atomunfall in der UdSSR, Bundesrepublik nicht gefährdet“ lautet die Titel-Schlagzeile am anderen Tag. In den nächsten Tagen häufen sich auch hierzulande die Warnungen und Vorsorgemaßnahmen. Bequerel, Super-Gau, Geigerzähler, Jod 131 – Begriffe, die vorher kaum jemand kannte, kursieren. Mit Niedrigstrahlung gibt es kaum Erfahrungswerte, aber die große Angst geht um. Es ergehen Warnungen, keine Frischmilch zu trinken. Salatfelder werden umgepflügt. Über Wochen, ja Monate liefert das Thema Schlagzeilen, Aufmacher, vorne und im Lokalteil. Und es verändert die Diskussion über Sinn und Nutzen der Kernkraft – auch in der Redaktion. Die, die noch Atombefürworter sind, haben fortan einen schweren Stand.
1989: Mauerfall
9. November, 19 Uhr, Politik-Redaktion. Noch ahnt niemand, dass sogleich Weltgeschichte verkündet wird. SED-Funktionär Günter Schabowski stammelt im Fernsehen live seine berühmten Sätze von Ausreisen, die für DDR-Bürger „seiner Kenntnis nach“ ab sofort möglich seien. Ungläubig sehen sich die Redakteure an. Was bedeutet das? Ist es wirklich der Durchbruch?
Es scheint so, vor allem, nachdem am Abend Tausende DDR-Bürger ihre Führung beim Wort nehmen, einfach auf die Grenzübergänge losgehen – und sie letztlich passieren können. „DDR öffnet deutsch-deutsche Grenze“ titelt die Stimme am 10. November. In einer ersten Einschätzung kommentiert Politik-Redakteur Bernd-Rainer Intemann: „Die deutsche Frage und überhaupt die europäische Bühne ist offen wie seit 1945 nicht mehr. Beinahe alles scheint möglich zu sein. “ Und in der Tat, die kühnsten Träume werden wahr. Noch bis zur Vereinigung am 3. Oktober 1990 muss die Politik-Redaktion Platz für Sonderseiten und Rubriken schaffen – für die großen und kleinen Ereignisse nach dem Fall des Eisernen Vorhangs. Für das Ressort wohl die spannendste Zeit in den 70 Jahren.
2001: Terroranschläge

Der 11. September 2001, 16 Uhr. Ein ruhiger Tag in der Redaktion. Bis dahin. Teile des Ressorts weilen im hausinternen Seminar „Wie recherchiert man im Internet?“ (damals Neuland). Es wird jäh abgebrochen, als die ersten Nachrichten aus New York mit unglaubliche Bildern eintreffen: Passagierflugzeuge, die gezielt in Hochhaustürme fliegen. Das konnte kein Unfall mehr sein. Jetzt zeigt sich der Vorteil, einen eigenen Korrespondenten vor Ort zu haben.
Markus Günther, unser US-Korrespondent, liefert auch die Titelstory: „Terrorkrieg gegen Amerika“. Viele Sonderseiten und Extrablätter folgen. Der internationale Terrorismus wird ein Dauerkrisenthema der Politik, wie früher der Kalte Krieg.
Mehr zum Jubiläum
Weitere Infos und Videos zum 70. Geburtstag der Heilbronner Stimme auf www.stimme.de/70Jahre.
Archiv
Unsere Abteilung Archiv und Dokumentation hat im damaligen Erscheinungsrhythmus der Heilbronner Stimme die jeweilige lokale Seite unter die Lupe genommen. Wir blicken im Zeitraum von April bis Juni 1946 in loser Folge auf kleine lokale Geschehnisse am Rande. Titelseiten und Lokalseiten stehen hier zum Download bereit.
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