200 Ehrenamtliche helfen Kröten und Fröschen beim Überleben
Bei milden Temperaturen und feuchtem Wetter hat die Amphibienwanderung im Landkreis Heilbronn frühzeitig eingesetzt. Das Landratsamt unterstützt Schutzmaßnahmen für die Tiere und honoriert ehrenamtliche Retter. Warum es so wichtig ist, sie zu retten.

Ob zwischen Heilbronn und Untergruppenbach, Güglingen-Eibensbach und Brackenheim, bei Eppingen, Möckmühl-Ruchsen oder Wüstenrot – kaum eine Kreis-, Land- oder sogar Bundesstraße, wo es derzeit nachts keine Einschränkungen gibt. Der Grund: Die Kröten sind los.
Wie jedes Jahr begeben sich die Amphibien auf Wanderschaft. Das Ziel, besonders der terrestrisch lebenden Kröten, aber auch von im und am Wasser angesiedelten Fröschen, Lurchen und von Feuersalamandern: das Laichgewässer, in dem sie sich selbst von der Kaulquappe zur Kröte oder zum Frosch gewandelt haben. Hier legen die Tiere ihre Eier ab. Nachts wandern sie meist, weil dann die Luftfeuchtigkeit höher ist als tagsüber. So trocknen sie nicht aus.
Druckwelle der Autos bringt Organe zum Platzen
Doch lauern auch in der Dunkelheit große Gefahren auf die Amphibien: Autofahrer. Nicht überall erfolgt zwischen 19 und 6 Uhr eine Vollsperrung der Straßen, und erst recht gibt es nicht überall Krötentunnel, zu denen die Tiere mittels eines saisonal aufgestellten Zauns hingeleitet werden. An manchen Strecken beschränkt lediglich ein Hinweisschild mit Blinkanlage die Geschwindigkeit. „Bei mehr als 30 Stundenkilometern werden sie durch die Druckwelle der Fahrzeuge getötet“, weiß Lea Mosthaf vom Heilbronner Landratsamt. Dann platzen die inneren Organe der Tiere.
Schutzmaßnahmen gelten bis zur Rückwanderung
Unter einer Außentemperatur von fünf Grad bewegen sich die wechselwarmen Tiere jedoch nicht vom Fleck. „In diesem Jahr hat die Amphibienwanderung aufgrund der milden Temperaturen und feuchten Wetterlage besonders früh eingesetzt“, erklärt die Landratsamtssprecherin. Wie lange Einschränkungen für die Strecken gelten, ist nicht genau vorauszusagen.
Etwa 200 Helfer sind im Landkreis Heilbronn in Sachen Amphibienschutz im Einsatz – so lange, „bis die Anzahl der rückwandernden Tiere abnimmt“, so Mosthaf. Denn im Gegensatz zu den Weibchen, die gleich nach dem Ablaichen zurückwandern, bleiben die Männchen noch ein bisschen vor Ort: Vielleicht kommen ja noch verspätete Weibchen, die sie begatten könnten. Wenn die meisten Ehrenamtler jedoch melden, dass die Wanderung bei ihnen beendet ist, sagt Mosthaf, werde der offizielle Endtermin zur Amphibienwanderung bekannt gegeben.
Jede Art hat ihre Bedeutung im Ökosystem
Das Landratsamt unterstützt die Amphibienschutzaktion in jeder Hinsicht, finanziell mit jährlich etwa 17 000 bis 18 000 Euro. Doch warum rettet man die Tiere? Einige Arten sind vom Aussterben bedroht und werden nach europäischem Recht geschützt: Sie sind biologische Schädlingsbekämpfer, ihr Verschwinden würde ein empfindliches Loch in die natürliche Nahrungskette reißen, warnt der Bund für Umwelt und Naturschutz. Jede Art habe ihre Bedeutung im Ökosystem.
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