100 Jahre Mediathek Neckarsulm: Schon immer ein Ort der Begegnung
Die Anfänge der Mediathek Neckarsulm liegen vor 100 Jahren in der Binswanger Straße. Die Gründung überrascht, weil es eigentlich ausreichend Büchereien in der Stadt gab. Die Idee dahinter ist aber nach wie vor gültig.

Zukunftsweisend und zeitlos: So beschreibt Dorothee Wiegand die Idee, die vor einem Jahrhundert zur Gründung der "Allgemeinen Ortsbibliothek Neckarsulm" geführt hat. Mittlerweile ist die Einrichtung gewachsen, auch der Name hat sich gewandelt. Der Begriff Mediathek, die von Dorothee Wiegand geleitet wird, zeigt, dass es eben schon lange nicht mehr nur um das gedruckte Buch geht. Allerdings: Eines hat sich in all den Jahren nicht verändert. Das hat die Chefin ziemlich überrascht.
Neckarsulm hat vor 100 Jahren zahlreiche Büchereien
Vor 100 Jahren war Neckarsulm mit Büchereien eigentlich scheinbar gut aufgestellt. Es gab eine katholische Volksbibliothek und eine evangelische Gemeindebibliothek. Die Gewerkschaft hatte eine Einrichtung, und auch drei Schulbüchereien gab es damals. Und doch war es auch Sicht des damaligen Kaplans zu wenig. Er wollte eine "konfessionell und politisch neutrale Bibliothek haben", erzählt Dorothee Wiegand. Der Vorläufer der Mediathek war in die Wege geleitet, und am 24. Mai 1921 eröffnete die Ortsbibliothek in der damaligen Gewerbeschule in der Binswanger Straße - mit 500 Bänden.
Alle Bevölkerungsgruppen besuchen die Mediathek
An dem Ansatz, der zur Gründung führte, hat sich in den zurückliegenden Jahrzehnten nichts geändert. "Alle Bevölkerungsschichten kommen zu uns", freut sich die Leiterin, dass die Mediathek zu einem Ort der Begegnung für alle geworden ist. Man biete ein niederschwelliges Angebot. Die Einrichtung pflegt seit vielen Jahren eine Kultur der offenen Türen. Wer einfach stöbern will, ist im lichtdurchfluteten Gebäude genauso willkommen wie jemand, der eine Zeitung oder Zeitschrift lesen will, einen Computer benötigt oder gezielt nach Informationen sucht.

Die Neckarsulmer Einrichtung zählt zu den größten in der Region und muss bei den Angeboten beide Klientele bedienen: Digitale und physische Angebote sind vorhanden. Die Mediathek ist dabei allerdings schon lange mehr als ein Gebäude, in dem man sich mit Literatur versorgt. Erstmals eigene Räume erhält die Stadtbücherei 1960 in der ehemaligen Lateinschule in der Schindlerstraße, schon elf Jahre später zieht die Bibliothek wieder um - in umgebaute Räume der ehemaligen städtischen Gaststätte Museumsstuben. Die Einrichtung verwaltet 10.000 Werke.
Schon damals öffnet sich das Haus für weitere Gruppen, der Begegnungsaspekt rückt erstmals mit in den Blickpunkt, sagt die Leiterin Dorothee Wiegand: Eine Cafeteria und ein Leseraum liegen im Obergeschoss, im Keller kommt ein Jugendraum unter, und die ehemalige Deutschordenskapelle diente repräsentativen Zwecken, weiß Dorothee Wiegand. Es folgen Jahre in umgebauten Räumen des Speise- und Gesellschaftshauses der NSU-Arbeiter. Der Ort, der zusammenführt: Das ist natürlich erst recht im Neubau möglich, den die Einrichtung im Sommer 2004 bezieht und der seither auch mit Kulturveranstaltungen belebt wird.
Das Team unterstützt Jugendliche
Die pädagogische Arbeit bleibt. Kitas und Schulen kommen regelmäßig, und Jugendliche bekommen Hilfe. Für ein Referat könnten Schüler natürlich schnell bei Wikipedia fündig werden, aber es gibt eben weitere zuverlässige Informationsquellen für "qualitativ hochwertige, digitale Formate", wie Dorothee Wiegand sagt. Dann sei die Mediathek gefragt. Corona setzt der Einrichtung allerdings zu. "All die Funktionen, die wir haben, sind nur schwer umzusetzen."
Das Team gibt aber sein bestes, und die Nutzer honorieren es. Natürlich sind die statistischen Zahlen 2020 nicht mit den Vorjahren zu vergleichen. Waren es üblicherweise 280.000 Medien, die ausgeliehen wurden, kamen im vergangenen Jahr gerade einmal 250.000 zusammen. Aber was diese Zahl nicht zeigt: Wer die Mediathek frequentierte, der holte sich mehr als sonst.


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