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Blühende Rasenfläche
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Der Rasenmäher bleibt bei der Aktion Mähfreier Mai im Schuppen

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Bei der Aktion Mähfreier Mai kann jeder mitmachen. Was  Naturschutzvereine und Gemeinden der Region für die Blühvielfalt tun 

Von Katja Bernecker
Der Interimsparkplatz „Aquatoll“ am Wilfenseeweg in Neckarsulm ist eine innerstädtische Grünfläche, die in Zusammenarbeit mit dem Nabu als Wildblumenwiese stehen gelassen wird. Foto: Ralf Seidel
Der Interimsparkplatz „Aquatoll“ am Wilfenseeweg in Neckarsulm ist eine innerstädtische Grünfläche, die in Zusammenarbeit mit dem Nabu als Wildblumenwiese stehen gelassen wird. Foto: Ralf Seidel  Foto: Seidel, Ralf

Wolfgang Kynast hat einen kleinen Garten in Heilbronn-Sontheim. Zurzeit steigt der Heimatreporter des Bürgerportals Meine Stimme wie eine Giraffe nur auf Trampelpfaden durch seine Wiese: Er macht bei der Aktion Mähfreier Mai mit, eine Aktion aus England, die sich seit ein paar Jahren in Deutschland ausbreitet. Auf Meine Stimme wirbt er in einem Beitrag dafür. Denn: "In England hat die Organisation Plantlife die Auswirkungen ihres jährlichen Aufrufs zum "No Mow May" dokumentiert und festgestellt, dass die Menge an Nektar für bestäubende Insekten auf Rasenflächen so um das Zehnfache erhöht werden kann."

Die Community findet in den Kommentaren viele lobende Worte. Zum Beispiel Anneliese Herold, die mit ihrer Familie in Oedheim einen Naturgarten nach dem Hortus-Prinzip angelegt hat: "Es wird wärmer, so dass unsere Wildbienen, Hummeln etc. diese Blütenmengen an Löwenzahnblüten, Gänseblümchen, Gamander, Günsel und Gundermann und vielem mehr dringend brauchen. Auch die verblühten Samenstände werden dringend von unseren Vögeln gebraucht. Man kann die Stieglitze, Grünfinken, Feldsperlinge an den Pusteblumen und verblühten Gänseblümchen sehen, sie suchen die ganze Wiese danach ab."

Aktion Mähfreier Mai: Nabu Heilbronn unterstützt die Aktion

Auch der Nabu Heilbronn und Umgebung unterstützt die Aktion Mähfreier Mai. Pressesprecherin Sophie Wiggenhauser betont: "Sie soll Gartenbesitzer dazu anregen, mehr wilde Natur zuzulassen und so Lebensräume für Insekten und Vögel zu schaffen. Wenn der Rasenmäher im Mai im Schuppen bleibt, wird nicht nur die Gartenarbeit entspannter, auch Wildkräuter haben Zeit, sich zu entwickeln und die grüne Rasenfläche fängt an zu blühen. Die Blütenwiese bietet Nahrung für Insekten, diese wiederum sind selbst Futter für Vögel, ebenso die Samen der verblühten Gräser." 

Natürlich wird auch auf den vom Nabu Heilbronn und Umgebung gepflegten Streuobstwiesen aktuell nicht gemäht: "Dort wird zweimal pro Jahr gemäht, der erste Mähtermin liegt frühestens im Juni. Auf dem Neubergle, einem aufgelassenen Weinberg, wird die Wiese einmal im Jahr von Aktiven mit der Handsense gekürzt und so besonders schonend gemäht. Dazu haben sich letztes Jahr auch Nabu-Aktive in einem Sensenkurs fortgebildet."

Wolfgang Kynast läuft zurzeit nur auf dem Trampelpfad durch seinen Garten. Er macht bei der Aktion Mähfreier Mai mit.
Wolfgang Kynast läuft zurzeit nur auf dem Trampelpfad durch seinen Garten. Er macht bei der Aktion Mähfreier Mai mit.  Foto: Wolfgang Kynast

Mit heimischen Wildpflanzen bestückt

Ein Umdenken findet auch bei Städten und Gemeinden statt: Das Betriebsamt der Stadt Heilbronn lässt an manchen Stellen - zum Beispiel am Friedensplatz - Blühstreifen stehen. Neckarsulm hat gemeinsam mit dem Nabu Baden-Württemberg  seit 2020 drei Flächen mit insgesamt 8200 Quadratmetern umgestaltet und mit heimischen Wildpflanzen bestückt. Die "Natur nah dran“-Flächen werden laut Pressesprecher Andreas Bracht einmal im Jahr, in der Regel gegen Ende des Jahres gemäht, damit die im Boden enthaltenen Blumensamen neu austreiben können (siehe Hintergrund). Pressesprecherin Vanessa Heitz berichtet von einer Vertragsfläche mit Blühstreifen, Blühflächen und Gewässerrandstreifen von mehr als 50 Hektar auf der Gesamtgemarkung Eppingen – Tendenz steigend: "Die Stadtverwaltung selbst priorisiert insektenfreundliche Blühflächen an Verkehrsinseln oder als Begleitgrün Straßenraum."

„Die Aktion soll Gartenbesitzer dazu anregen, mehr wilde Natur zuzulassen.“ Sophie Wiggenhauser, Nabu

32 Wiesen-Flurstücke mit circa 700 Ar, die zum Teil gepachtet oder an Landwirte verpachtet sind betreut aktuell der Naturschutzverein Zaberfeld. "Die eigenen Wiesen mähen wir in der Regel nur einmal im Jahr im Herbst. Die Mahd wird dann auch zusammengerechelt und abgefahren", erklärt Dieter Loistl. Auch Heimatreporterin Tanja Blind aus Bad Wimpfen gehört zu den Unterstützern der Aktion Mähfreier Mai und kommentiert auf Meine Stimme: "Das ist ja auf jeden Fall eine sinnvolle Aktion. Ich hoffe es machen viele mit und denken darüber nach."

Kurios: Klostergarten frisch gemäht

Eigentlich sollte es in Neckarsulm drei Flächen geben, die in Zusammenarbeit mit dem Nabu erst Ende des Jahres gemäht werden, um das Gebiet in einen naturnah gestalteten Lebensraum für Tiere, Insekten und Pflanzen zu verwandeln. Doch der Besuch des Fotografen am Klostergarten hat gezeigt: Hier wurde frisch gemäht. Ist hier etwas schief gegangen? Pressesprecher Andreas Bracht hat herausgefunden: "Offenbar hat sich herausgestellt, dass der Boden auf der „Natur nah dran“-Fläche am Klostergraben für Wildblumen zu nährstoffreich ist. Wildblumen benötigen magere Böden, damit sie gut gedeihen können. Manchmal braucht es viel Zeit und Geduld, bis sich Biotop-Flächen entwickeln. Es muss jetzt geklärt werden, wie es mit dieser Fläche weitergehen soll." eck

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