Stimme+
Monat des Verzichts
Zur Merkliste Lesezeichen setzen

Muslime im Raum Heilbronn beginnen Fastenmonat Ramadan: „Es geht um Selbstreflexion“

   | 
Lesezeit  2 Min
Erfolgreich kopiert!

Fastenzeit, Gebete und das Zuckerfest – das ist der Ramadan für Außenstehende. Doch was steckt wirklich hinter dem Fastenmonat der Muslime, und wie wird in der Region Heilbronn gefeiert?


Externer Inhalt

Dieser externe Inhalt wird von einem Drittanbieter bereit gestellt. Aufgrund einer möglichen Datenübermittlung wird dieser Inhalt nicht dargestellt. Mehr Informationen finden Sie hierzu in der Datenschutzerklärung.

Achtsamkeit, Verzicht, das Wohl anderer und die Verbindung zu Gott: Darum geht es im Fastenmonat Ramadan, der auch von Muslimen in der Region Heilbronn zelebriert wird. Der Ramadan ist eine zentrale Säule des Islams, die viele Facetten, Herausforderungen und Traditionen mit sich bringt.

Ramadan in der Region Heilbronn – So feiern Muslime den Fastenmonat

Das traditionelle Fasten der Muslime orientiert sich am Mondkalender. Da sich das Mondjahr vom Sonnenjahr um elf Tage unterscheidet, rückt der Ramadan von Jahr zu Jahr einige Tage nach vorne. In diesem Jahr begann der Fastenmonat am 28. Februar mit dem Tarawih-Gebet.

Dieses traditionelle Gebet findet während des Ramadans jeden Abend vor dem Fastenbrechen statt. In den täglichen Gebetseinheiten wird der gesamte Koran rezitiert, sodass jeder Muslim, der am Tarāwīḥ-Gebet teilnimmt, die Möglichkeit hat, den kompletten Koran innerhalb des Monats Ramadan zu hören.

Fastenmonat Ramadan – So wirkt sich der Verzicht auf Muslime im Alltag aus

Am Samstag begann der erste von 29 Fastentagen. Für Muslime bedeutet das, vor Sonnenaufgang zu frühstücken und bis zum Sonnenuntergang zu fasten. Dann folgt das Fastenbrechen mit einer Vielzahl von Speisen: Datteln, Reis, Suppe, Fleischgerichte, Süßspeisen, Tee, türkischer Kaffee und vieles mehr. Doch zur Völlerei kommt es nicht, denn es geht darum, das, was man hat, bewusst zu genießen.

Die Fastenzeit kann zur Herausforderung werden. Für Erdinc Altuntas, den Vorsitzenden der DITIB (Türkisch-Islamische Union der Anstalt für Religion) in Heilbronn, ist es Routine: „Nach vier Tagen des Fastens habe ich mich daran gewöhnt. Gut, dass die Fastenzeit nicht in den Sommer fällt“, berichtet Altuntas.

Kaleem Ahmed, Verantwortlicher des interreligiösen Dialogs bei der Ahmadiyya Muslim Jamaat Gemeinde in Heilbronn, erzählt: „Heute war mein erster Arbeitstag während des Ramadans, und es ist sehr schwer, sich auf die Arbeit zu konzentrieren. Aber man gewöhnt sich daran.“

Ramadan in Heilbronn: Ein Monat im Zeichen von Gemeinschaft und Besinnlichkeit

Der Sinn der Fastenzeit besteht darin, sich bewusst zu machen, was man hat, und worauf man vielleicht verzichten sollte. Gläubige Muslime fasten einheitlich; manche verzichten während des Ramadans auf Gewohnheiten wie das Rauchen oder die Nutzung von sozialen Medien. „Es geht um Selbstreflexion und darum, zu erkennen, welchen Einfluss wir auf andere und bestimmte Dinge auf uns haben“, erklärt Menderes Selcuk, der erste Vorsitzende der Deutsch-Türkischen Gemeinde Öhringen.

Ein großer Teil des Ramadans besteht aus Gemeinschaft – familiär, aber auch über den eigenen Kreis hinaus. „Man besucht Freunde und lädt die Familie zum Fastenbrechen nach Sonnenuntergang ein“, erklärt DITIB-Vorsitzender Erdinc Altuntas. „Einige spenden die Almosensteuer, also zwei Prozent des eigenen Einkommens, an Bedürftige“, ergänzt Altuntas.

Ausnahmen in der Fastenzeit – nicht alles ist an Ramadan in Stein gemeißelt

Der Verzicht auf Nahrung tagsüber ist machbar, jedoch für einige Berufs- und Personengruppen schwer zu realisieren. Wer körperlich hart arbeitet oder in der Schule vor wichtigen Prüfungen steht, braucht sich keine Sorgen zu machen: „Bei hoher Belastung oder aus wichtigen Gründen kann man Fastentage auch verschieben“, erklärt Menderes Selcuk.

Der Koran und die Vorgaben für Ramadan sind flexibel. „Ältere und kranke Menschen, die nicht fasten können, haben die Freiheit, pro Tag einen Tagesverzehr an Bedürftige zu spenden“, berichtet Selcuk.

Ramadan- statt Adventskalender: Zuspruch in der Region Heilbronn ist groß

In der Fußball-Bundesliga ist es kein seltenes Phänomen, dass bei Sonnenuntergang das Spiel unterbrochen wird, damit sich fastende Fußballprofis stärken können. Diese Art der Unterstützung spüren auch Muslime in der Region Heilbronn. „Alle christlichen Gemeinden sprechen uns jährlich Ramadan-Grüße aus, und wir tun dasselbe zu Weihnachten. Ich freue mich sehr über die gegenseitige Unterstützung und das friedliche Miteinander“, sagt Erdinc Altuntas.

Auch Kaleem Ahmed freut sich über Unterstützung und Rücksichtnahme: „Mein Arbeitgeber lässt mich während der Fastenzeit in Gleitzeit arbeiten, das hilft mir sehr. Auch, als ich noch Schüler war, habe ich für das Zuckerfest zum Abschluss von Ramadan frei bekommen. Und wenn ich im Handel Ramadan-Kalender im Stil von Adventskalendern sehe, dann freut mich das sehr.“

Kommentare öffnen
Nach oben  Nach oben