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Ohrfeigen und Knochenbrüche
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Prozess wegen Körperverletzung: "Im Polizeirevier Eppingen kennt ihn jeder"

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Wegen achtfacher Körperverletzung muss sich seit Mittwoch ein 28 Jahre alter Afghane vor dem Heilbronner Landgericht verantworten. Er war jedoch schon häufiger aufgefallen.


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Auf der Anklagebank vor der dritten Großen Strafkammer ging der Blick des Beschuldigten meistens ins Leere. Einfachste Fragen des Richters konnte er nicht beantworten. Wann und auf welchem Weg er von Afghanistan nach Deutschland gekommen ist, wisse er nicht. Ob er eine Schule besucht habe, könne er ebenso wenig sagen, wie, ob er Geschwister habe und wer seine Eltern seien. Obwohl er bei ihnen aufgewachsen sei.

Auch zu den Vorwürfen der Staatsanwaltschaft könne er nichts sagen. An keine einzige Tat, die ihm Richter Thomas Berkner vorhielt, könne er sich erinnern. Dabei soll er unter anderem Anfang Februar dieses Jahres einem Mitarbeiter der Psychiatrie in Weinsberg das Handgelenk gebrochen haben. 

Der gebürtige Kabuler ist in Bad Rappenau kein Unbekannter. In der Bäckerei eines Penny-Marktes hat der Angeklagte schon länger Hausverbot. Ebenso in einer Burgerking-Filiale. Daran gehalten hat er sich nicht. Immer wieder tauchte er dort auf und belästigte offenbar die Kunden. Mitunter soll er unvermittelt Ohrfeigen verteilt haben. Auch einem Mitarbeiter im Penny, der ihn im November 2021 darauf aufmerksam gemacht hatte, dass er wegen Corona eine Maske tragen müssen.

Prozess in Heilbronn: Angeklagter soll aus Mülleimern gegessen haben

Laut einer Bäckereifachverkäuferin soll er sich in diesem Frühjahr darüber hinaus dreimal im Verkaufsraum die Hose heruntergezogen haben. Vor dem Geschäft habe er immer wieder aus Mülleimern gegessen und im Abfall herumgelegen. Kunden habe er regelmäßig belästigt, weil er Essen von ihnen gewollt haben soll.

Unter anderem wegen mehrfacher Körperverletzung muss sich ein 28 Jahre alter Angeklagter vor dem Landgericht verantworten.
Unter anderem wegen mehrfacher Körperverletzung muss sich ein 28 Jahre alter Angeklagter vor dem Landgericht verantworten.  Foto: Berger, Mario

Sein ehemaliger Mitbewohner in der Unterkunft bestätigte die zunehmende Verwahrlosung des Angeklagten. "Er frisst aus dem Müll", sagte der Nigerianer, der inzwischen einer Arbeit nachgeht und eine eigene Wohnung hat. Deshalb habe er sich um ihn gekümmert, so der Zeuge. Trotzdem habe auch er zwei Schläge mit der flachen Hand ins Gesicht bekommen, als er ihn auf einen Hilferuf der Bäckereifiliale hin zurück in die Unterkunft bringen wollte. "Links und rechts", sagte der Zeuge und gestikulierte die Schlagbewegungen.

Gast im Schnellimbiss-Restaurant erinnert sich noch gut an die Ohrfeige

Nicht nur im Penny-Markt tauchte er immer wieder auf. Auch die Bad Rappenauer Filiale des Burgerkings suchte der Beschuldigte regelmäßig auf. Zeugenaussagen zufolge hielt er sich dabei meist beim Rückgaberegal auf, um dort die Reste zu essen, die die Gäste hinterlassen haben. Anfang November 2021 nutzte er gar die Gelegenheit, sich an einen gedeckten Tisch einer Familie zu setzen, die für wenige Sekunden nicht am Platz war. Als der Vater zurückkam, aß der Angeklagte offenbar gerade das Essen auf und hatte dabei den Teddybär des Mädchens an sich gedrückt.

"Er saß am Tisch und war dabei, unser Essen zu essen", sagte der 52 Jahre alte Gast im Zeugenstand. Die Aufforderung, damit aufzuhören und den Bären wegzulegen, quittierte der Angeklagte offenbar mit einem Schlag ins Gesicht. "Der Schlag war ordentlich, hat aber keine bleibenden Schäden hinterlassen", so der Karosseriebauer.

Der hinzugerufen Polizeibeamte hatte "schon oft mit ihm zu tun". Der Angeklagte stehe dann immer da, starre irgendwo hin und gebe keine Antwort. "Er scheint uns zu verstehen. Ich habe ihn aber noch nie sprechen hören", sagte der Polizist.

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