Stimme+
Live-Talk auf Stimme.tv
Zur Merkliste Lesezeichen setzen

Präsidentin des Heilbronner Landgerichts: Richter-Job aus Verantwortungsgefühl für die Gesellschaft

   | 
Lesezeit  1 Min
audio Anhören
Erfolgreich kopiert!

Im Gespräch mit Stimme-Chefredakteur Uwe Ralf Heer spricht die Heilbronner Landgerichtspräsidentin Agnes Aderhold über steigende Prozesszahlen und Platznöte im Gebäude: Den ganz normalen Arbeitstag gibt es nicht.

Stimme-Chefredakteur Uwe-Ralf Heer spricht mit Landgerichtspräsidentin Agnes Aderhold über Herausforderungen bei der Rechtsprechung.
Stimme-Chefredakteur Uwe-Ralf Heer spricht mit Landgerichtspräsidentin Agnes Aderhold über Herausforderungen bei der Rechtsprechung.  Foto: Seidel, Ralf

Auf „Frau Präsidentin“ höre sie zwar auch. Am liebsten möchte die Stuttgarterin aber mit ihrem Namen angesprochen werden. Agnes Aderhold ist Präsidentin des Heilbronner Landgerichts. In der 61. Folge des Live-Talks „Ohne Ausrede“ von Stimme.tv stellte sie sich in der Skybar 10-42 des Parkhotels den Fragen von Stimme-Chefredakteur Uwe Ralf Heer.

Den „ganz normalen Arbeitstag“ gibt es für die Präsidentin nicht. Zur Routine gehöre nur, dass sie täglich mit dem Zug von der Landeshauptstadt nach Heilbronn fährt. Und dabei hofft, dass die Bahn auch pünktlich ist. Ansonsten laufe vieles so, dass es nicht zu planen sei. Die Fallzahlen steigen seit Jahren an. Das Gebäude kommt räumlich an seine Grenzen. „Wir versuchen, die Arbeit umzuverteilen“, sagt Agnes Aderhold.

Präsidentin hofft auf Spatenstich für neues Landgerichtsgebäude im Jahr 2027

Derzeit laufen zwei Prozesse mit je zehn Angeklagten. Sie müssen aus Platzgründen nach Stammheim verlegt werden. Die Präsidentin freut sich auf den Neubau in der Rollwagstraße. Der erste Spatenstich könnte schon 2027 sein, hofft die Richterin.

Externer Inhalt

Dieser externe Inhalt wird von einem Drittanbieter bereit gestellt. Aufgrund einer möglichen Datenübermittlung wird dieser Inhalt nicht dargestellt. Mehr Informationen finden Sie hierzu in der Datenschutzerklärung.

Eine neue Strafkammer hat das Landgericht eingerichtet. Und eine vorübergehende Hilfsschwurgerichtskammer. Weil vorgeschriebene Fristen in Hauptverhandlungen eingehalten werden müssen. Von einer personellen Unterbesetzung will die Präsidentin zwar nicht sprechen. Das Landesjustizministerium habe drei neue Richterstellen genehmigt. Trotzdem springen aus Kapazitätsgründen Zivilrichter auch bei Strafprozessen ein.

Wachpersonal findet bei Personenkontrollen mitunter Messer und Drogen

Richter könnten besser bezahlt sein, findet die Präsidentin. Wer aber fürs Geld arbeite, „ist bei uns falsch. Man muss für die Sache arbeiten“, so Aderhold, die mit dem Richterberuf „viel Verantwortungsgefühl und Idealismus für die Gesellschaft“ verbindet.

Mord, Totschlag, Missbrauch, Körperverletzung: Richter sind permanent mit harten Fällen konfrontiert. Psychologen bieten Hilfe an. Die Richter kämen aber ohne Beistand zurecht, sagt die Präsidentin.

Dass in Prozessen häufig Dolmetscher geladen werden, sei Fakt. Die Gerichtssprache sei eben deutsch und die Gesellschaft globalisiert, so die Präsidentin. Und die Sicherheit? Dafür sorgt das Wachpersonal. Wer ins Gebäude kommt, muss durch eine Schleuse. Bei der Kontrolle fänden die Wachtmeister mitunter Messer und gelegentlich auch Drogen.

Kommentare öffnen
Nach oben  Nach oben