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Pollensaison startet in Heilbronn heftiger als üblich – SLK-Ärztin erklärt die Gründe

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Eine SLK-Oberärztin erklärt, warum Allergiker in der Region Heilbronn 2026 schon früh teils starke Symptome haben. Was das mit dem Winter zu tun hat.


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Niesen, tränende Augen, husten: Dieses Jahr sind Pollenallergiker schon früh von Symptomen geplagt. Was das mit dem kalten Winter zu tun hat und wie die Prognose für die restliche Saison aussieht, erklärt Dr. Evelyn Schneider, Oberärztin für Dermatologie, Allergologie und Phlebologie im Klinikum am Gesundbrunnen in Heilbronn. Sie leitet außerdem das interdisziplinäre Allergiezentrum Heilbronn-Franken.

Wie war der Start in die Pollensaison? SLK-Ärztin gibt Auskunft

Viele Menschen fragen sich derzeit, ob sie sich erkältet haben oder ihre Symptome schon auf Heuschnupfen zurückzuführen sind. Tatsächlich können Allergiker davon ausgehen, dass sie bereits die Pollen plagen. „Wir haben 2026 einen sehr frühen Saisonstart“, sagt Evelyn Schneider. Die Haselblüte sei etwa fünf Wochen früher als üblich gewesen. Wie sich das weiterentwickelt, sei aber derzeit schwierig vorherzusagen. „Dafür ist es noch zu früh.“

SLK Oberärztin Evelyn Schneider erklärt die aktuelle Pollen-Lage.
SLK Oberärztin Evelyn Schneider erklärt die aktuelle Pollen-Lage.  Foto: SLK-Kliniken Heilbronn GmbH

Warum fliegen derzeit schon so viele Pollen?

Das hat mit dem Wetter zu tun. „Wir hatten mal wieder einen richtigen Winter“, erläutert Schneider. Dies sei in den vergangenen Jahren selten geworden. „Durch diese lange Kältephase und jetzt diesen recht zügigen Übergang zum Frühlingswetter ist es so, dass die Blühphasen der Baumpollen nicht sukzessive hintereinander kommen, sondern alle auf einmal.“

SLK-Ärztin erklärt: Welche Pollen sind derzeit am meisten in der Luft?

„Wir haben momentan die höchste Belastung durch Erle und eine mittelhohe bis hohe Belastung durch Hasel.“ Das gelte speziell für die Region Heilbronn.

Wo kann man sich selbst darüber informieren?

Neben Pollenflugkalendern, die mit Wetterdiensten gekoppelt sind, gibt es auch Apps und eigene Internet Seiten wie zum Beispiel die der Stiftung Deutscher Polleninformationsdienst, die über den Pollenflug Auskunft geben.   

Allergiker haben dieses Frühjahr früher und heftiger mit der Pollenbelastung zu kämpfen als in anderen Jahren.
Allergiker haben dieses Frühjahr früher und heftiger mit der Pollenbelastung zu kämpfen als in anderen Jahren.  Foto: Yulia Raneva

Wie erkennt man Heuschnupfen und weiß, welche Pollen die Allergie auslösen?

Wer eine Pollenallergie vermutet, kann damit in einem ersten Schritt zum Hausarzt gehen. Evelyn Schneider rät jedoch für eine Diagnostik, gleich einen Hautarzt aufzusuchen, da Hausärzte inzwischen nur noch sehr selten Allergietests machen würden. Auch wenn jemand sicher wisse, dass er Heuschnupfen habe, sei es wichtig einen Test zu machen. „Man will schon wissen, mit was man es zu tun hat, um die Blütezeit zu kennen und dann vielleicht Maßnahmen zu treffen.“ Die Blütezeiten überlappten sich auch. Sodass manche Patienten fast über das ganze Jahr Symptome hätten.

Gibt es eine Pollenart, die besonders häufig Allergien hervorruft?

Aus ihrem Arbeitsalltag tippt die Oberärztin auf Frühblüher als häufigsten Auslöser für Heuschnupfen. „Aber das ist nur ein Bauchgefühl“, betont Evelyn Schneider. Fundierte Daten habe sie dazu spontan nicht.

Was sind die häufigsten Symptome bei Heuschnupfen?

Wenn die Pollensaison startet, ist auch Erkältungszeit. Das macht es schwierig zu unterscheiden, warum die Nase läuft. Das sagt auch die Ärztin. „Es ist tatsächlich schwierig, weil die Symptome ähnlich sind.“ Es gibt aber schon Unterschiede zu einem grippalen Infekt. „Bei einer Allergie haben wir kein Fieber“, hält Schneider fest. Aber Symptome wie Abgeschlagenheit, Müdigkeit, auch ein Krankheitsgefühl, das beschrieben auch Allergiepatienten. Genauso wie Niesattacken und Fließschnupfen.

Was eher für eine Pollenallergie spricht, ist, wenn zusätzlich zum Schnupfen die Nase juckt oder kribbelt, wenn die Augen tränen oder wenn man Probleme beim Verzehr von bestimmten Nahrungsmitteln hat. „Wenn es dann im Mund ein bisschen kribbelt und juckt, da würden wir schon eher an eine Allergie denken.“ Auch der zeitliche Verlauf hilft. Ein grippaler Infekt klingt in der Regel innerhalb von einigen Tagen ab und der Heuschnupfen ist langanhaltender über die Saison.

Warum sind bei Pollenallergikern oft auch bestimmte Lebensmittel problematisch?

Bei Pollenallergikern kribbelt und juckt es nicht nur in Nase und Augen, sondern mitunter auch im Mund. Wem es so geht, der hat eventuell eine Kreuzallergie. „Das ist dem geschuldet, dass es zwischen den Nahrungsmitteln und den Baumpollen eine enge Verwandtschaft gibt, botanisch sozusagen“, erklärt Evelyn Schneider. Klassischerweise lösten Kern- und Steinobst Reaktionen hervor bei den Frühblühern. Dass Pollenallergiker auf korrespondierende Nahrungsmittel reagieren, sei aber nicht immer der Fall und hänge auch stark von der Zubereitung ab. „Unverarbeitete, rohe Nahrungsmittel in großen Mengen machen meistens Probleme.“

Welche Therapie gibt es? 

Um Symptome zu lindern, gibt es zum Beispiel Nasensprays, Augentropfen, Anti-Allergie-Tabletten. „Die lindern die Symptome und nehmen sie auch oft vollständig“, so die Ärztin. Dann gibt es aber auch noch den Ansatz der Immuntherapie. „Da ist die Idee, dass sich die Überempfindlichkeit des Körpers wieder normalisiert.“ Je nach Allergieauslöser gibt es die Möglichkeit, regelmäßig über drei Jahre eine Tablette einzunehmen oder eine Spritze zu bekommen. Das Immunsystem soll die Überempfindlichkeit dadurch verlieren oder die Reaktion soll sich abschwächen. „Da haben wir gute Erfolge, die Symptome werden in der Regel deutlich weniger.“ Das könne man aber nicht bei allen Patienten garantieren.

Wer kann eine Immuntherapie machen?

Die Voraussetzung ist lediglich, dass man ein Allergen nachweisen kann, sagt Schneider. „Man muss im Blut oder an der Haut wirklich sehen, dass der Patient eine Allergie hat.“ Zuerst würde man eine symptomatische Therapie anraten und das beobachten. Aber wenn der Leidensdruck hoch und die Lebensqualität eingeschränkt sei, könne der Patient die Therapie in Anspruch nehmen. 

Was sollten Allergiker während der Pollensaison beachten?

Wer eine Allergie hat, soll das Allergen meiden. Das ist bei Pollen aber nicht so einfach, wie zum Beispiel bei einer Allergie gegen ein bestimmtes Medikament. Trotzdem sei es auch möglich, Pollen quasi nicht einzunehmen beziehungsweise einzuatmen. „Alles, was sich draußen abspielt, Sport, Outdoor-Aktivitäten oder auch Lüften, kann man anpassen“, betont die Expertin. Der Pollenflug sei auf dem Land morgens am stärksten und in der Stadt abends. Außerdem sollte man die Pollen nicht mit ins Bett nehmen. Dabei helfe, abends die Haare auszubürsten oder zu waschen. Getragene Kleidung nicht unbedingt im Schlafzimmer wechseln und die Wäsche nicht im Freien trocknen. Auch Pollenschutzgitter an den Fenstern helfen, genauso wie feuchtes Wischen der Oberflächen, um die Pollenlast in den Räumen zu reduzieren.

Es gebe auch Staubsauger mit bestimmten Filtern, Filter für die Lüftung im Auto. Auch eine Sonnenbrille zu tragen hilft, um den Pollenflug ein bisschen abzufangen. Sinnvoll seien auch Nasenduschen. Wem es möglich ist, kann den Urlaub so planen, dass man der Pollensaison im eigenen Land aus dem Weg geht. Raucher können die Pollensaison als gute Chance sehen, mit dem Rauchen aufzuhören. Rauchen bedeute eine zusätzliche Reizung der Atemwege, was eine Allergie noch verstärke.

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