Pfiffige Kellerei lässt Wein-Mixgetränk von einer KI entwickeln 

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Fachleute diskutieren in Weinsberg, wie sich Winzer fit für die Zukunft machen können: zum Beispiel mit alkoholfreiem Wein, Wein-Mix-Getränken und mit neu gezüchteten, besonders robusten Sorten.

Ein hochwertiger, aromastarker Grundwein ist die wichtigste Voraussetzung für die Herstellung eines alkoholfreien Weins.
Ein hochwertiger, aromastarker Grundwein ist die wichtigste Voraussetzung für die Herstellung eines alkoholfreien Weins.  Foto: Oliver Berg

Das europaweit erste über Künstliche Intelligenz (KI) entwickelte Mixgetränk aus Fruchtsaft und Wein sorgte jetzt beim „Futur TecDay“ von Dualer Hochschule Baden-Württemberger (DHBW) und Weinbauschule Weinsberg für Aufsehen. Ihr „Nano Fizz“ sei in „Naming, Rezeptur und Design über den Computer generiert worden“, so Alexandra Demuth der Fruchtsaftkellerei Kaltenburger, wobei der Feinschliff freilich durch Menschen erfolgte.Mit der Fachkonferenz für neue Technologien wolle man der Branche gerade in Krisenzeiten wie diesen Impulse und Zukunftsperspektiven aufzeigen, sagten Dieter Blankenhorn und Martina Boehm, die den dualen Studiengang Wein-Technologie-Management leiten.

Wein ohne Alkohol: Wie funktioniert das überhaupt?

Neben fachspezifischen kamen auch verbrauchernahe Themen auf den Tisch: etwa alkoholfreie oder -reduzierte Weine und Mixgetränke, deren Marktanteil – freilich auf bescheidenem Niveau von einem Prozent – ständig wachse, während der Absatz „klassischer Weine“ sinke. Johannes Trautwein von der gleichnamigen Großkellerei führt dies auf den vor allem von jungen Leuten kultivierten Gesundheitstrend zurück, Stichwort „Dry January“. Geschmacklich seien entalkoholisierte Weine wegen angeblichem „Kochton“ meist noch „verpöhnt“, aber die Entwicklung schreite – wie zuvor bei den Bierbrauereien – voran. Deutschland habe hier als „Technik-affines Land“ gegenüber traditionalistischen Ländern wie Italien und Frankreich einen Vorsprung

Im Prinzip gebe es drei Verfahren, die teils auch kombiniert würden: Bei der Vakuummethode und beim Schleudern über Spinning-Cone-Trommeln werde die Oberfläche erweitert und der Wein destilliert. Beim Membranverfahren werde der Alkohol unter Druck entzogen. Der Aufwand schlage mit einem Euro mehr pro Liter zu Buche. Die Qualität hänge letztlich vom Ausgangsmaterial ab. Und: „Je mehr Aromen, desto besser.“Noch stärker im Kommen sind laut Trautwein Mix-, Spritz-, Schorle- oder Ready-to-Drink-Getränke, die „auch zu Hause und nicht nur auf Festivals“ konsumiert würden: aus Fläschchen, Dosen, Tetrapack. Nicht zu vergessen: sogenannte Proxies, die ohne Wein komplett aus Wasser und Fruchtaromen komponiert würden und – aus religiösen Gründen – gerade bei Muslimen hoch im Kurs stünden.

Wie Winzer den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln reduzieren können

Einen Dauerbrenner schnitt Jürgen Gross von der Hochschule Geisenheim an: Wie Pflanzenschutzmittel reduziert, damit die Umwelt geschont und dem Insektensterben entgegengewirkt werden kann. Am effektivsten sei eine Kombination aus biomechanischen, biologischen und zur Not chemischen Mitteln.Auch die Züchtung pilzwiderstandsfähiger (Piwis) Sorten könnte weiterhelfen. Deren Anteil steige ständig: von 0,38 Prozent im Jahr 2019 auf heute 3,8 und zehn Prozent im Jahr 2028. In der Qualität sah sie Magali Blank von der Weinbauschule inzwischen „auf Augenhöhe“ mit Traditionssorten. In der Vermarktung seien sie „erklärungsbedürftig“, aber mit positiven Themen wie Nachhaltigkeit, Innovation, neue Geschmacksprofile. Je nach Sorte – Sauvignon Gri (160 Hektar), Sauvitage (35) Cabernet blanc (37) oder Sauvignac (26) – stellten sie spezifische Herausforderungen an die Vinifizierung, vor allem in Sachen Alkohol und Bitterkeit. Knackpunkt sei der richtige Lesezeitpunkt. Ein gerade in Zeiten von Kostendruck und Fachkräftemangel wichtiger Vorteil sei betriebswirtschaftlicher Natur: der geringere Arbeitsaufwand.

Pilzwiderstandsfähige Rebsorten: was steckt eigentlich dahinter?

Pilzwiderstandsfähige Rebsorten, kurz Piwis , trotzen Pilzkrankheiten. Bei der Züchtung werden natürliche Pilzresistenzen aus Wildreben in traditionelle Edelreben eingekreuzt, um Qualität und Robustheit zu vereinen. Bei Piwis kann der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln um bis zu 80 Prozent reduziert werden. „Das ist die Zukunft“, sagen Piwi-Anhänger vor dem Hintergrund der Klima-, Umwelt- und Anti-Spritzmittel-Debatte. Im Prinzip müsste man die neuen, oft unbekannten Sorten nur richtig und verstärkt vermarkten und deren Vorteile den Verbrauchern besser kommunizieren. Skeptiker sehen indes Qualitätsprobleme.

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